Premiere im E-Werk: Theatergruppe Laut und Lyrik reist durch die Zeit

Elena Stenzel

Die Sprechtheatergruppe "Laut und Lyrik" bringt das Programm "Um jede Stunde fest zu packen" im E-Werk auf die Bühne - sie gehen dem Mysterium "Zeit" auf den Grund. Fudder war bei der Generalprobe.

Die Bühne ist dunkel. Ganz dunkel. Überhaupt ist es stockdunkel im Saal. Doch dann haut jemand aufs Klavier und alle zucken zusammen. Das war der Urknall- der Anbeginn der Zeit.


Und von da aus geht sie los: Die Reise durch Zeit und Raum, die "Laut und Lyrik" dieses Jahr vorbereitet hat. "Laut und Lyrik" ist die Sprechtheatergruppe des Deutschen Seminars. 2000 gegründet, war sie ursprünglich noch als begleitendes Rezitationsseminar zur Epochenvorlesung gedacht. Mittlerweile ist die Gruppe weitgehend unabhängig und bringt jedes Jahr unter der Leitung von Wilfried Vogel ein zweistündiges Programm auf die Bühne.

Singen, rezitieren, rappen und säuseln

Diesmal geht es um Zeit. Die zwölf Darsteller sprechen, singen, rezitieren, rappen und säuseln Texte, querbeet aus allen Epochen der Literatur.

Auf Nenas "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" folgt Heinrich Heines "Sag‘ mir, wer einst die Uhren erfund", auf Gryphius' barockes Sonett "Es ist alles eitel" folgt der Taizé-Gesang "Im Dunkel unsrer Nacht". Eigene Texte der Darsteller gibt es auch vereinzelt, denn die meisten sind in der Freiburger Poetry-Slammer und Autoren-Szene beheimatet.

Im Stück fallen kluge Sätze wie "Wir spielen Leben, Ich spiele du," (Schwitters, Welt voll Irrsinn),"Jeder Herzschlag ist ein Erleben" (Kändler, ZEIT) oder "Dein Gehirn trägst du ganz anders"(Tucholsky, Gruß nach vorn). Die Darsteller haben Spaß mit den Texten und das steckt das Publikum an.

Gegenspieler Zeit und Liebe

Zeit ist aber nicht das Einzige, das lyrisch zerlegt und dargeboten wird. Um die Liebe geht es natürlich auch. Denn Zeit und Liebe sind oft Gegenspieler. Das besingen sie in der traurigen Habanera "Veinte anos"- "An die Liebe, die schon vorbei ist, sollte man nicht zurückdenken.- "El amor que ya ha pasado, no se debe recordar". Das bringt das Publikum zum Mittrauern, über die verlorene Liebe und die Vergänglichkeit der Zeit.

Lange bleibt die Stimmung aber nicht geknickt, denn "Laut und Lyrik" legen keinen Wert auf bedrückte Gemüter. Es folgt die Darbietung des kitschigen Klassikers "Rosemarie" von Hermann Löns ("Rosemarie, Rosemarie, sieben Jahre mein Herz nach dir schrie") und Darsteller Jonathan Löffelbein verausgabt sich in der Rolle des herzgekränkten Mannes.

Die Texte und das Timing sitzen schon. Nur eine Sache muss noch geübt werden: Das Verbeugen. Das klappt noch überhaupt nicht - aber das wird mit jeder Vorstellung sicher ein bisschen besser.
  • Was: Sprechtheatergruppe Laut und Lyrik, "Um jede Stunde fest zu packen", Regie: Wilfried Vogel
  • Wann: Freitag, 31. März, 1. April, 2. April, 6. April, 7. April, 8. April, 9. April, immer um 20 Uhr
  • Wo: E-Werk Freiburg, Großer Saal, Eschholzstraße 77
  • Eintritt: 16 Euro, ermäßigt 10 Euro

Disclosure: Brigitte Rohm ist Ensemblemitglied bei "Laut und Lyrik" und freie Mitarbeiterin bei fudder, wir hätten die Veranstaltung aber auch empfohlen, wenn Letzterem nicht so wäre – denn "Laut und Lyrik" bieten tolle Unterhaltung.