Premiere am Samstag von 'Der Goldene Drache': 5 Antworten von Regisseurin Kathrin Schmider

Alexander Ochs

Wer wissen will, was sich so alles in einem Asia-Imbiss abspielen kann und/oder sich für aktuelles Theater interessiert, sollte sich am Wochenende "Der Goldene Drache" von der Theatergruppe Geschnitten am Stück anschauen. Fünf Antworten von Regisseurin Kathrin Schmider.



Kathrin, hast du Angst vorm Zahnarzt?


Katrin Schmider:
(lacht) Wenn ich einen ‚bösen kariösen‘ Zahn hätte, wahrscheinlich schon. Nein, ich habe keine Angst vorm Zahnarzt. Aber ich weiß, worauf du hinaus willst: Der Zahn spielt im Stück eine große Rolle, und es wird ordentlich ausgeschmückt, wie er am Verfaulen ist...

„Der Goldene Drache“ von Roland Schimmelpfennig wurde 2009 uraufgeführt und damit gewann Schimmelpfennig, der meistgespielte Gegenwartsdramatiker Deutschlands, den Mülheimer Theaterpreis. Warum habt ihr euch dieses Stück ausgesucht?

Wir haben das Stück gelesen und sind gleich darauf angesprungen. Das ist das Ideale: Man liest ein Stück und kann noch gar nicht genau sagen, warum: Aber es passiert was.
Wenn man das Stück alleine liest, ist es recht schwer zu verstehen. Es gibt keine Figuren, sondern nur Typenbezeichnungen wie ‚Der junge Mann‘ oder ‚Die Frau über 60‘. Das Stück ist mit fünf Leuten besetzt, aber alle spielen mehrere Rollen. Das Interessante an dem Stück ist, dass es sich um Erzähltheater handelt. Für eine Laiengruppe ist das ein sehr anspruchsvolles Stück, weil es schauspielerisch einfach viel verlangt. Als Schauspieler muss man erst einmal eine Szene erzählen, dann springt man in die Rolle hinein. Da muss man sehr schnell switchen können.

Kannst du kurz zusammenfassen, worum es in „Der Goldene Drache“ geht?

Das Stück spielt in einem Mietshaus mit seinen verschiedenen Bewohnern und deren unterschiedlichen Geschichten. Es gibt einen zentralen Ort, das ist die Küche des Thai-China-Vietnam-Schnellrestaurants, als Kondensationspunkt. Alle Geschichten, die erzählt werden, beginnen mit einem Scheitern. Die Menschen, von denen das Stück erzählt, hatten den perfekten Plan im Kopf, der funktioniert aber nicht, und zwar aus unterschiedlichen Gründen wie zum Beispiel wegen einer ungewollten Schwangerschaft oder einer Trennung. Die Leute sind dann aber unfähig, sich auf eine Planänderung einzulassen und vor allem unfähig, miteinander eine Lösung zu finden.

Nicht schlecht. Spiegel Online bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Das Drama erzählt von einem chinesischen Geschwisterpaar, das auszieht, in Deutschland sein Glück zu suchen, dort aber den Tod findet.“ Klingt deprimierend. Ist es das oder nicht?

Das trifft für mich eigentlich nicht den Kern des Stücks. Klar, es geht auch um die Problematik Illegalität, Migration. Diese harten Themen sind aber mit sehr viel Witz und Leichtigkeit erzählt. Es ist kein deprimierendes Stück. Es läuft im Stück schon darauf hinaus, dass die beiden am Schluss sterben. Doch ohne zu viel verraten zu wollen: Eine der schönsten Szenen ist der Tod des einen Chinesen.

Was ich auch sehr spannend finde an dem Stück, ist, dass alle Rollen gegengeschlechtlich besetzt sind, also Männer werden von Frauen gespielt und andersrum, bis auf zwei Ausnahmen. Beim Inszenieren hat es Spaß gemacht, Männer- und Frauenklischees vorgeführt zu bekommen, typische Verhaltensweisen. Frauen, die immer reden wollen, und Männer, die kommunizieren, indem sie zur Prostituierten gehen.

Ihr seid seit knapp fünf Jahren zusammen am Theatermachen und nennt euch „Geschnitten am Stück“. Wie kamt ihr auf euren Namen? Wollt ihr damit eure Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass der Kartenverkauf laufen soll wie geschnitten Brot...?

(lacht) Wir wollten nicht (wechselt in die Tonart einer Fernsehansagerin) ‚Die Freiburger Theatergruppe Klimbim...‘ (wieder ‚normal‘) heißen, sondern einen Namen haben mit Bezug zum Theater und irgendwie doppeldeutig. Bei unserem ersten Stück haben wir damals extrem viel gestrichen, und da hat das mit dem ‚geschnitten‘ auch ganz gut gepasst. Und zum Kartenverkauf: Die Premiere am Samstag ist annähernd ausverkauft. Aber wir zeigen das Stück ja auch am Sonntag und wollen es im Frühjahr 2013 nochmal aufführen.

Ach ja, um nochmal auf den Zahn zurückzukommen: Die Bilder für unseren Flyer haben wir im laotischen Restaurant Rose in der Stefan-Meier-Straße aufgenommen. Als wir damit fertig waren, hat die Chefin unserem Schauspieler Marc einen Schnaps angeboten. Warum? 'Ja, wegen der Zahnschmerzen', meinte sie. Dabei hat er die ja nur gespielt, anscheinend sehr überzeugend.



Mehr dazu:

Was: Der Goldene Drache von Roland Schimmelpfennig
Wann: Samstag, 10. November (Premiere) und Sonntag, 11. November 2012, 19.30 Uhr
Wo: Mensa der Paula-Fürst-Schule, Helligestr. 2, 79100 Freiburg
Eintritt: 8/6 Euro (ermäßigt), Kartenreservierung unter geschnittenamstueck@gmx.de