Preisträgerkonzert des Klavierwettbewerbs: Parallelwelt im Spiegelzelt

Friederike Grasshoff

Eine in glitzerndem Weiß, die Andere in schlichtem Schwarz, beide aus Asien stammend: Kana Onda und Shih-Yu Tang haben den diesjährigen Klavierwettbewerb gegen 16 andere Mitstreiter für sich entschieden. Im Spiegelzelt entführen sie gestern ein sehr überschaubares Publikum in eine harmonische Parallelwelt voller Klanggewalt.

Man kann es kaum fassen als die letzten Klänge der ersten Elegie von Bartok das Zelt durchfluten. Erst 14 Jahre alt, und schon fliegen die zierlichen Fingerchen mit so viel musikalischem Können und Hingabe über die Tasten. Schüchtern steht sie auf und verbeugt sich vor dem etwas benommen anmutendem Publikum. „Mein Gott“, haucht eine weibliche Frauenstimme in der zweiten Reihe. Shih-Yu Tang kommt aus Taiwan und spielt seit dem zarten Alter von 4 Jahren Klavier. Ihre musikalischen Leistungen führten sie schon über Landes- und Kontinentalgrenzen hinweg: Auf Wettbewerbserfolge in Asien folgten Aufenthalte in Frankreich und den U.S.A. Mittlerweile ist die Abräumerin an der Hochschule für Musik in Freiburg gelandet.


Auf dem Programm stehen Bartok, Debussy, Mendelssohn und Liszt- anspruchsvolle Stücke. Ihren Höhepunkt findet sie beim Werk „Isle joyeuse“ von Debussey. Die bedächtig Lauschenden sind gebannt, niemand wagt auch nur sich zu räuspern.

An diesem schwülen Sonntag hat sich eher ein Mittfünfziger-Publikum im Spiegelzelt eingefunden. Doch auch ein paar Kinder und Konzertbegeisterte mittleren Alters sind gekommen. Die versunkene, ja fast apathische Stimmung der Besucher wird nur durch das Schwingen der roten ZMF- Fächer gebrochen.

Kana Onda betritt die Bühne ganz in Schwarz und es liegt schon in der warmen Luft, dass nun noch einer draufgesetzt wird. Sie spielt Werke von Prokokieff, Schwehr und Liszt.

Nicht nur technische Perfektion und Präzision prägen die Verzauberungsmusik, die aus dem schwarzen Flügel kommt, sondern vor allem eines: Die hingebungsvolle Liebe, mit der die Stücke interpretiert und gespielt werden.

Die Pianistin wurde 1983 in Japan geboren und hat nach ihrem Studium in Tokyo eine Ausbildung an der Hochschule für Musik in Freiburg begonnen und beim Klavierwettbeweb im Juni den ersten Platz belegt.

Das Spiegelzelt mutiert mit jedem weiteren Stück zu einer Parallelwelt, in der die übliche ZMF- Geräuschkulisse, der umherwirbelnde Staub und das Kindergejauchze, keine Rolle mehr spielen.

Was das ganze Konzert erst richtig sympathisch macht, ereignet sich beim Stück „Uferlos“ des Komponisten Schwehr. Der Notenhalter fällt plötzlich um. Trotz mühevoller Nackenverrenkungen muss Kana Onda abbrechen, wendet sich zum Publikum und sagt: „Moment.“ Dann spielt sie souverän weiter als wäre nichts vorgefallen.

Nach anderthalb Stunden läutet das Klatschen des Publikums den Zeitpunkt ein, sich wieder raus ins Getümmel und damit aus dem harmonischen Kosmos hinaus zu begeben. Trotz des eher spärlich besuchten Konzerts hat sich der Besuch gelohnt: Zwei junge Pianistinnen haben nicht bloß durch musikalische Begabung überzeugt, sondern auch eine besinnliche Stimmung geschaffen.

Und, wie wars?

Katrin & Ellen Cunningham:

„Uns hat es wunderbar gefallen. Ich habe seit 25 Jahren kein Klavier mehr gespielt und da war es bereichernd hier zu sein. Wir sind beeindruckt von dem Standard und dem was die jungen Frauen hier heute Nachmittag geleistet haben.“

„Das war mein erstes Konzert, obwohl ich selber seit zwei Jahren Klavier spiele. Es war super und die Musik war unglaublich. Ich habe es geliebt.“

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