Praktikum beim SchülerVZ: 5 Antworten von Gregor Kalchthaler

Dominik Schmidt

Über fünf Millionen Mitglieder verzeichnet das Online-Netzwerk SchülerVZ, über 80 Prozent der deutschen Schüler sind dort angemeldet. Ein Unternehmen mit über 250 Mitarbeitern: einer davon war bis vor kurzem der Freiburger Gregor Kalchthaler (20). Bei fudder spricht er über seine Zeit in Berlin, Datenschutz und den allmächtigen Konkurrenten Facebook.



Der Antwortgeber:

Der Freiburger Gregor Kalchthaler (20) hat jahrelang das Schülermagazin Background (Berthold-Gymnasium) geleitet und konnte damit bundesweite Preise einfahren. Nachdem er 2009 sein Abitur absolvierte, ging er für ein Praktikum zu SchülerVZ nach Berlin. Mittlerweile arbeitet er als Projektmanager mit dem SchülerVZ-Mitbegründer Oliver Skopec zusammen.

Gregor, du hast fünf Monate bei SchülerVZ gearbeitet. Merkt man die Konkurrenzsituation zu Facebook in der VZ-Schaltzentrale?

Facebook hatte allein im Januar 2010 einen Zuwachs von einer Million Mitgliedern in Deutschland. Sicher läuft man da zwangsläufig in eine Konkurrenzsituation, was nicht immer eine schöne Sache ist, wenn man das intern mal mitbekommt. Ich glaube, dass die VZ Netzwerke sich derzeit zu sehr mit Akquise aufhalten und die Innovationen zu weit hintan gestellt werden. Sicherlich ist finanzieller Wachstum im Schatten eines großen Investors eines der primären Ziele. Jedoch muss - meiner Meinung nach - der User das Ziel allen Schaffens bleiben, sonst gehen viele direkt und ausschließlich zu Facebook.

Ist Facebook denn das bessere Netzwerk?

Die VZ-Netzwerke sind ein anderes Netzwerk. Ich halte wenig von diesem direkten Vergleich, schließlich gibt es unterschiedliche Ansätze. Die VZ Netzwerke sind verfügbarer und mehr regional basierend. Diesen Standortvorteil sollten sie weiter nutzen. Ich bin natürlich auch bei Facebook (fudder-Video-Umfrage: Facebook oder StudiVZ?).



Sicher ist Facebook in seinen Features besser. Alleine durch die Funktion „Facebook Connect“ schafft sich Facebook eine übermächtige Funktion, um im Internet eine Schlüsselfunktion einzunehmen. Das werden die VZ-Netzwerke so nie können. Somit ist Facebook nach außen wesentlich offener und gibt vor allem Clubs, Firmen und publizierenden Medien die Möglichkeit, mit geringer finanzieller Investition eine große Masse zu erreichen, was es aus Marketingsicht enorm interessant macht.

Wie bist du zum Praktikumsplatz bei schülerVZ gekommen?

Die Stelle war ausgeschrieben für Marketingstudenten im zweiten Semester. Habe mich dann dennoch beworben und wurde genommen. Was natürlich sehr cool war. Kurz darauf saß ich schon in Berlin, Prenzlauer Berg, in einer ehemaligen Brötchenfabrik. Ein riesiges Büro mit 150 Mitarbeitern.

Ich arbeitete in der Abteilung „Community Marketing“. Wir haben Aktionen auf der Plattform, aber auch in verschiedenen Städten, auf Messen und Events organisiert.



Würdest du deinen jüngeren Bruder ohne Bedenken auf schülerVZ surfen lassen?

Der Geschäftsführer der VZ-Netzwerke, Clemens Riedl, sagt, bei den VZ Netzwerken sei Privatsphäre wichtig. Die Daten sollen sicher sein, weshalb Funktionen wie „Facebook Connect“ gar nicht erst angeboten werden. Ohne Bedenken sollte man im Internet aber nicht leben. Die klassische Angst vor dem Arbeitgeber, der vor dem Bewerbungsgespräch deine studiVZ-Partybilder analysiert, kann nie vermieden werden, trotz vieler Verbote.

Auch ich bin nicht immer damit zufrieden, was ich mit 16 von mir ins Internet gestellt habe. Ich hoffe, junge Menschen werden sich mit der Zeit noch bewusster und verantwortungsvoller im Internet bewegen.

Das Praktikum ist nun beendet, wie geht es weiter?

Das Praktikum hat viel Spaß gemacht, ich konnte mich richtig einbringen und im Team mitarbeiten. Mir wurde auch angeboten, zu verlängern. Dann aber kam ich mit dem schülerVZ-Mitbegründer Oliver Skopec wieder in Kontakt, den ich schon aus einem Interview für die Schülerzeitung Background kenne. Er ist in verschiedenen Projekten aktiv. Kleinere Sachen, aber sehr spannend. Das hat mich gereizt. Da Olli damals sein Studium fürs SchülerVZ abbrach, holt er dies gerade nach und sucht praktisch einen Stellvertreter oder eben Projekt-Manager. Also wird mein Berlin-Aufenthalt länger als geplant. Ab Oktober möchte ich mein Studium beginnen. Vielleicht auch in Berlin.

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