Portugal. The Man: Späthippiemesse im Waldsee

Alexander Ochs

Portugal liegt in Alaska, Alaska in Portugal oder in Freiburg – zumindest gestern Abend für knappe zwei Stunden, als die Band "Portugal. The Man" im Waldsee eine hymnisch-späthippieske Messe zelebrierten. Überragende Eigenwilligkeit.



Kein Vorgeplänkel, keine Ansage, kein Warmspielen: Was das Quartett aus Alaska, live zum Quintett verstärkt, von der ersten Sekunde an auf die Bühne zaubert, scheint wildes Gezappel, Geflacker, Psychedelik-Geschreddel – so der erste Eindruck. Zumindest ist es pulsierende Energie, die trotz epischer led-zep-liker Songstrukturen eruptiv in die Menge gefeuert wird.


Entfernt fühle ich mich in eine eigenwillige, etwas düstere hymnisch-späthippieske Messe versetzt, was auch daran liegen mag, dass Sänger John Baldwin Gourley mit seinem positionstechnisch schrägen Auftritt für Irritation sorgt. Er steht konsequent seitlich zum Publikum und ist mit seiner nach vorne gequirlten Tolle und seinem tief im Hoody vergrabenen Kopf fast schon ein Fall fürs Vermummungsverbot.



Präzise und permanent präsent sein fingerzerschredderndes Gitarrenspiel sowie sein warm tönendes, manchmal kieksendes Falsett. Zusammen mit Gourleys komplett eingepacktem Kopf und dem bisweilen unkenntlichen Gesicht bin ich mir sicher: Diese Stimme gehört einer Frau. Großartige Illusion. Und diese Hingabe beim Song „1989“...

Zugleich im Post-Hardcore und im Blues und Rock der 60er Jahre verwurzelt, feiert die Musik von „Portugal. The Man“ immer wieder irrlichternde, ausufernde Ausflüge in den Glamrock, unwahrscheinliche Gratwanderungen entlang der Demarkationslinie zum Prog und der Grenze zum Soul. Da schießt auch schon mal ein geiler Reggae-Groove mittenrein. Wie das geht? Hmm, ihr Geheimnis.



Die neuen Songs des vergangene Woche erschienenen dritten Albums Censored Colours kommen uneinheitlich rüber: einerseits poppiger, andererseits düsterer, schwermütiger. Alles hochkonzentriert, aber doch improvisiert (wirkend). Dabei laufen die Musiker nie Gefahr, sich im Dschungel des ausfransenden Rock zu verirren. Nur manchmal kippt der Chorgesang ins Weinerliche und Nervig-Nölige. (Fotos: Promo / Website)

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