Popcorn-Duell: Merkel vs Steinmeier im Cinemaxx

Claudia Kornmeier

Politik statt Tatort: Der Sonntagabend stand ganz im Zeichen des TV-Duells Merkel versus Steinmeier – auch in Freiburg. Im Cinemaxx konnte man sich sogar von einem "public viewing Politikspektakel" unterhalten lassen. Wie Steinmeiers Notizen auf Großleinwand rübergekommen sind, hat sich Claudia in Saal 9 angeschaut.



Im Freiburger Cinemaxx deutet fast nichts auf die Übertragung des Kanzlerduells hin: keine Ankündigung, kein Aushang, nur die üblichen Filmplakate – nur vor dem fürs Politik-Event reservierten Saal sind ein paar Infostände aufgebaut. Auch im Cinemaxx-Programm im Internet gibt es keinen Hinweis auf die Veranstaltung. Dass es nicht voll wird, befürchtet selbst Arne Sauer, der Theaterleitungs-Assistent des Großkinos.


Und doch: Im Kino 9, mit über 300 Plätzen der drittgrößte Saal, gibt es um 20 Uhr kaum noch freie Sitze. Dem Vernehmen nach wurde selbst CDU-Kandidat Daniel Sander an der Kasse abgewiesen, da alles voll sei. Die Wählerinnen und Wähler lehnen sich in den roten Plüschsesseln zurück, während die Moderatoren und Referenten in schwarzen Ledersesseln bei Wasser aus Cola-Pappbechern auf das Duell einstimmen. Die Runde bilden die BZ-Redakteure Thomas Fricker und Stefan Hupka, Politikwissenschaftler Ulrich Eith und Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung. Die Zusammensetzung stößt bei einer Wählerin auf Unmut: "Ließ sich denn keine weibliche Politikexpertin finden?" Die Antwort: "Der Appell ist angekommen. Aber wir fühlen uns ganz wohl in dieser Runde."



Applaus beim Stichwort Steuersenkung

Während der ZDF-Countdown Dramatik heischt, ist im Kino klassisch Eispause. Mit Popcorn, Jumbo-Cola, Chips und Bier rüsten sich die Zuschauer auf das Duell. Es beginnt pünktlich, im Saal herrscht aufmerksame Stille. Immer wieder braust heiteres Gelächter auf, ob der Gesichtsausdrücke, Gesten und Worte der Duellanten. Die Gesundheitsreform provoziert Geraune. Spontanen Applaus gibt es für beide Seiten zum Thema Steuersenkung.

Im Anschluss an das Duell ruft das Podium auf Anregung eines Wählers ein Publikums-Voting aus. Wer hat das Duell gewonnen? Stefan Hupka sieht Steinmeier als Sieger. Die Antwort aus dem Publikum fällt weniger klar aus. Es ist wohl ein Unentschieden. Haben Unentschlossene zu einer Wahlentscheidung gefunden? Nein. Hat sich jemand umentschieden? Nein. Keine Wechselwähler.



Bildung war kein Thema

Während sich die hinteren Ränge leeren, führt das verbleibende Publikum die Diskussion mit dem Podium noch eine gute halbe Stunde weiter. Zu viele leere Schlagworte statt konkreter Aussagen? Blufft Steinmeier nur? Wo blieb die Auseinandersetzung zum Klimaschutz? Ein "Trauerspiel", dass Bildung kein Thema der Duellanten war? Ein Trauerspiel sei es wohl nicht gewesen, sondern eher Konsequenz der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern, sagt Thomas Fricker. Und fügt an: Dennoch hätten die Duellanten das Thema streifen können.



Bevor sich die Ränge gänzlich leeren, verabschiedet sich das Podium. "Ich wünsche Ihnen eine gelungene Wahlentscheidung und einen guten Nachhauseweg." Die Wählerinnen und Wähler mischen sich unter die gemeinen Kinogängerinnen und Kinogänger. Parallel liefen unter anderem der Action-Thriller District 9 mit Aliens und mysteriöser DNA, Final Destination: Death Trip, der Junggesellenpartyfilm Hangover und Horst Schlämmer, Isch kandidiere!

[Fotos: dpa, Rita Eggstein, Claudia Kornmeier]

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