Poetry ohne Slam: Autoren lesen Texte im Kunstverein

Christine Duttlinger

Kein Wettstreit, aber trotzdem Literatur. Sogar mehr als das. Bei der Veranstaltung 'Privat Poetry' lesen junge Dichter ihre Texte vor - in Wohnzimmeratmosphäre und zwischen Skulpturen des schottischen Künstlers Nathan Coley. Wie das genau funktioniert:



Sieben auf einen Abend. Jawohl: Sieben Poeten werden ihre Texte zwischen den leuchtenden Skulpturen von Nathan Coley lesen. Wer dem Wort „ Poetry“ automatisch das Wort „Slam“ hinten dran schreibt, liegt hier allerdings falsch. Keine Bühne, keine klatschende Masse und keinen Gewinner wird es geben.


Der Titel „ Private“ verrät schon einiges, aber hier einmal genauer: Die Besucher erkunden selbstständig die Ausstellung. Neben skulpturalen Installationen und an den Wänden hängenden Collagen tauchen immer wieder Sessel und Sofas auf, jeweils mit einem Autor.

Wie auch das tapfere Schneiderlein sieben Fliegen auf einmal um die Ecke bringt, lesen alle Poeten gleichzeitig ihre Texte - jeder in seinem Wohnzimmerimitat. Die Zuschauer können solange sie wollen, wem sie wollen zu hören. Wer eine Verschnaufpause braucht, kann sich auch ein Bier an der Bar genehmigen oder seine Aufmerksamkeit den Werken von Coley widmen. Die Ausstellung „A Place Beyond Belief“ läuft noch bis Mitte März.

Die Poeten sind keine Großmütterchen, die Märchen von den Grimms vorlesen, sondern junge Lyriker, die größtenteils aus Freiburg kommen. Zum Beispiel Biggi Rohm, die Anfang Februar beim Slam Supreme in der MensaBar aufgetreten ist. Judith Beck und Julia Ulrich entstammen nicht der Poetry-Slam-Szene; sie werden ruhigere Töne anschlagen.

„So ein Poetry-Slam-Text ist natürlich immer etwas anderes, als ein Gedicht, das jemand vorliest“, sagt Andrea Karle vom Kunstverein Freiburg. „Diese Veranstaltung ist so eine Mischung dazwischen. Es gibt Poetry Slammer, die auch Bühnenerfahrung haben und Poetinnen und Poeten, die eben noch nicht so bekannt sind und ihre Texte erproben können, da sie nicht vor einem großen Publikum sprechen müssen.“



Nicht vergessen darf man, dass neben den Texten ja auch noch eine Ausstellung präsentiert wird. Ein besonderer Hingucker ist die riesige Skulptur von Nathan Coley. Mitten in der weißen Halle steht einsam eine Metallkonstruktion, die ein bisschen aussieht wie ein Baugerüst. Frontal hat Coley hell leuchtende Buchstaben angebracht. Sie bilden den utopistischen Satz „A Place Beyond Belief“.

Damit Poetry und Bildende Kunst sich mit der gleichen Wucht treffen wie das Schneiderlein die Fliegen, haben die Autorinnen und Autoren extra für diesen Abend Texte passend zur Ausstellung geschrieben. Andrea Karle: „Die Poeten waren mal bei einer Führung dabei oder haben sich die Ausstellung eigenständig angeschaut. Sie haben Hintergrundinformationen eingeholt und sich vom Raum inspirieren lassen.“

Mehr dazu:

Was: Private Poetry
Wann: Freitag, 1. März 2013, 19 Uhr
Wo: Kunstverein Freiburg (Google Maps)
Eintritt: 2 Euro [Bild 1: Peter Mallet (A Place Beyond Belief, 2012, © Nathan Coley, Courtesy Haunch of Venison, London); Bild 2: Marc Doradzillo (Nathan Coley, Kunstverein Freiburg, 2012, Installationsansicht)]