"Pimp my ZMF” mit Chefstyler Jan Delay

Dirk Philippi

Mit einer maximalen Popshow hat der Hamburger Jan Philipp Eißfeldt aka Jan Delay gestern Abend eine Trägerrakete Style über den Mundenhof geschossen und alles Träge, Biedere und Altbackene in Schutt und Asche gelegt. Dirk über das wahrscheinlich "coolste" Konzert der ZMF-Geschichte.



Die gürtellose, streng gebügelte Bundfaltenhose weit über dem stocksteifen Hemd bis zum Anschlag in den Schritt gezogen betritt Jan Delay die Bühne im Zirkuszelt. Der Mann mit den 1000 Namen beginnt zu tanzen wie einst Schlupp vom grünen Stern in der Puppenkiste und von Sekunde eins an hat der Dompteur des guten Geschmacks die Zügel fest in der Hand. Nur welche Zügel eigentlich? Im Outfit des Klassenfeinds ist der „Delay Lama“ angetreten, um sich einen Scheiß um Konventionen, Schubladen oder Erwartungen zu scheren. Und schon nach wenigen Takten hat „Eizi Eiz“ nicht nur seine zehnköpfige Disko-No.-1-Kombo, sondern auch das Freiburg-City-Publikum hinter sich. Stilbruch lautet das Rezept für den Zaubertrank an Style den der Mehmet Scholl der Popmusik in den nächsten zwei Stunden über seine Fans ergießen wird. Wie einst der kleine, hagere Dribbler vom Rekordmeister weiß der „Superstyler No.1“ die Geschmäcker zu vereinen. Da kann der Hip-Hopper dann plötzlich mit den Ravern, Reggae kann mit Hardrock, Punk mit Jazz und Delay, der kann ohnehin mit allen und allem.


„Alles klar?“ und „Geht was?“, fragt "Sir Dance-a-Lot" zu Beginn und kontert die überzeugende Zustimmung mit einem “California-Love“- und MOP-Ante-Up-Cover und reichlich Beinstrom fürs wabernde Zelt. Ruhig stehen kann hier und jetzt sowieso schon niemand mehr. Bereits Miss Platnum, Berlinerin mit rumänischen Wurzeln und Beat-Dynamit-Stimme, hatte sich mit Ihren Eröffnungsnummern für den nächsten Exotik-Sieg beim Eurovision Song Contest beworben und der Meute dick Tanzbares vor die Füße geworfen. Und egal über welches Terrain die Reise nun geht, der 6,0 für die B-Note huldigt die Stylegemeinde mit einem irren Tanzmarathon.



Deutschlands einziger Durch-die-Nase-Rapper mimt mit angesungenem Fußball-Prollgut (Schalalalala…) und schräger Borat-Hymne eine Hafenstraßen-Style-Polizei und pimpt das Zelt gleichsam mit alten Beginner-Songs, Klassikern von Salt ´n` Pepper und dem neuem „shit“ des „Mercedes Dance“-Albums, was er alles so genüsslich wie gut gelaunt wahlweise durch den Funk-Wolf dreht oder in die Reggae-Tüte krümelt. "Funk Zander" kann machen, was er will, er kann Cameos „Word up“ unter Das Bo´s „Türlich“ schieben (Treffer!), selbst an die Percussions schreiten oder mit „Feuer“ einen Flächenbrand entzünden (versenkt!) – dieser Derbste unter den Derben, die „geilste Sau aus Hamburg-City“ hat heute die Nase vorn und bringt wenn nötig auch die Mittelstreifen auf Freiburgs Autobahnzubringern zum Hüpfen.



(Na)Türlich kommen auch Zugaben wie Style-Salven von der Bühne geschossen. Die Abteilung für den guten Ton bekommt größte Mühe "Neil Jans" nasales Reimfeuerwerk unter Kontrolle zu bringen. Und das grandios homogene Set endet erst „Im Arsch“, dann ohne Lindenberg-Maskerade in der Bassline von „Seven Nation Army“ der White Stripes, um die leuchtend und funkelnd gepimpten Zuhörer-Augen dann mit „Irgendwo, Irgendwie, Irgendwann“ ins frisch aufgemotzte Leben zu entlassen - stets mit sicherer Rückendeckung der Disko No.1. Fantastisch poppig. Fantastisch dynamisch. Fantastisch cool. Jan Delay. Stylisch eben.

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