Penspinning: Der Stift als Sportgerät

Anna-Lena Zehendner

Der gelbe Stift dreht sich so schnell um Imanuels Finger, dass man die Bewegungen mit bloßem Auge kaum verfolgen kann. Es sieht so einfach aus. Der Fünfzehnjährige aus Freiburg beherrscht die Fingerakrobatik mit Links.Der Sport heißt Penspinning - und ist weltweit im Kommen.



Beim Penspinning wird ein Stift trickreich und in schnellem Tempo um die Finger und die Hand gedreht. Seinen Ursprung hat das Stiftdrehen in Japan - dort wird es "pen mawashi" genannt. Heute gibt es auf der ganzen Welt - angetrieben durch das Internet - Communities, die sich mit dem Sport beschäftigen.


Imanuel Heider ist seit zwei Jahren begeisterter Penspinner. „Ich habe zufällig ein Video auf YouTube gesehen“, sagt der Schüler. „Anschließend habe ich gegoogelt, um herauszufinden, wo man Penspinning lernen kann. Dadurch bin ich auf die German Penspinning Community (GPC) gestoßen. Ich habe mich angemeldet und über Tutorials gelernt.“ Die Stiftjonglage sieht in ihrer Perfektion faszinierend einfach aus. Um es so gut zu beherrschen bedarf es allerdings an viel Fingerspitzengefühl und jeder Menge Geduld. Doch der Aufwand lohnt sich: Penspinning trainiert die Feinmotorik sowie die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit. Zudem kann es überall und zu jeder Zeit geübt werden. Alles was man dazu braucht ist ein Stift.

Imanuel Heider beim Penspinning

Quelle: YouTube [youtube atBPabfgwLY nolink]

Für Anfänger des Fingersports sind Tintenkiller geeignet, denn sie haben eine ideale Länge und sind gut ausbalanciert. Aktive Penspinner modifizieren ihre Stifte häufig bis ins kleinste Detail. Auch Imanuel hat mit einem Tintenkiller angefangen. Heute hat der Linkshänder um die 20 Stifte, die er selbst individuell zusammenbaut. Wie wohl die meisten Penspinner, trainiert der Schüler hauptsächlich während dem Schulunterricht. Damit ist er nicht allein: die meisten Penspinner sind zwischen 12 und 20 Jahre alt.

„Am Anfang hat es die Lehrer schon gestört. Dann habe ich es oft lieber gelassen“, sagt Imanuel. „Aber mittlerweile fällt der Stift einfach nicht mehr runter. Wenn man also nebenher ein paar Tricks macht, stört das eigentlich niemanden mehr.“ Völlig lautlos und in rasantem Tempo wird der Stift von Profis wie Imanuel um die Finger gedreht. Mit dem bloßen Auge sind die unterschiedlichen Tricks kaum zu erkennen. Insgesamt gibt es vier Basic-Bewegungen. Sie heißen Thumb Around, Sonic, Charge und Fingerpass. Diese Standard-Tricks werden meistens noch mit dem Begriff „normal“ gekennzeichnet, denn sie sind die Überbegriffe der vier Trick-Familien des Penspinnings.

Imanuel Heider und Eric Swoboda

Quelle: YouTube
[youtube Z2d_LkOxmHM nolink]

Wie viele Tricks es tatsächlich gibt, ist nicht klar. „Es müssen mittlerweile weit über 200 sein“, sagt Imanuel. „Aber es kommen ständig neue dazu.“ Um auf dem Laufenden zu bleiben und damit die flinken Finger nicht aus dem Training kommen, übt er täglich bis zu zwei Stunden. Sein Fleiß wurde belohnt. „Dieses Jahr habe ich mich für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Aus 13 Ländern haben insgesamt 100 Penspinner teilgenommen und 32 sind momentan noch dabei.“ Der junge Stiftjongleur ist einer von ihnen. Dazu musste er jedoch keine nervenaufreibenden Wettkämpfe durchstehen und in andere Länder reisen. Nein, beim Penspinning ist alles anders.

Die WM wird via Videos im Internet ausgetragen und ist über Foren organisiert. Jedes Land stellt hier seine besten Community-Videos ein. Den Sieger erwartet Ruhm und Ehre. „Bei einer Penspinning-WM gibt es wenig zu gewinnen“, weiß auch Imanuel. „Ein Online-Shop der Stifte vertreibt sponsort ein bisschen was.“ Und über neue Sportgeräte freut sich ein aktiver Penspinner immer.

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