Partyhockey mit 16 Toren

Dirk Philippi

Oh, Deutsche Eishockey-Oberliga, Du Kleinod des professionellen Unterhaltungssports! Die Wölfe Freiburg besiegten gestern Abend die Blue Devils aus Weiden mit 10:6 und präsentierten mit Tomas Kucharchik, Petr Mares und Kapitän Patrick Vozar (Foto) drei Doppeltorschützen, die insgesamt 14 Skorerpunkte zum 13. Heimsieg in Folge beisteuerten. Am Ende hatten fast alle gut Lachen – alle bis auf die Trainer.



Als Schiedsrichter Carsten Lenhart gestern zum Feierabend pfiff, war allgemeines Grinsebäkeln angesagt: Freiburgs Offensiv-Schmetterlinge schmunzelten um die Wette, die 1300 Zuschauer herzten sich scherzhaft ob der erlebten Torflut und selbst die Gästespieler aus Weiden lachten, wenn auch kopfschüttlend, - vielleicht auch ein wenig über sich selbst.


Nur die Trainer der Kontrahenten, Freiburgs Peter Salmik und Weidens Alex Stein, sahen aus, als hätten sie einen Schlittschuh verschluckt. „Ich hätte beinahe die Kabinentüre eingetreten“, beschrieb Salmik seine Gefühlslage nach Spielende, und Stein ärgerte sich offensichtlich darüber, wie wenig er selbst auf den Ausgang der Partie einwirken konnte, und begann noch vor Ultimo von der Bank aus, wüste, verbale Fäkalbomben auf die Gegenseite zu werfen, was nachträglich in einem Zusatzbericht notiert wurde (-> Video Pressekonferenz).

Offensiv erwischten die Wölfe einen Sahnetag: Petr Mares und der angeschlagene Tomas Kucharchik bewiesen Spielwitz, Übersicht und Kaltschnäuzigkeit, Patrick Vozar gewann 1:1-Situationen mit erfrischend selbstbewusstem Auftreten, Christian Billich zündete ein ums andere Mal den implantierten Sprengsatz an Geschwindigkeit und auch Tom Herman schien an der Seite von Simon Danner Gefallen an mehr Tempo zu finden. Lediglich die dritte Sturmreihe hatte nach dem Ausfall von Center Markus Zappe und dem Experiment mit Verteidger Manuel Neumann als Mittelstürmer einige Umstellungsprobleme. Insgesamt aber spielte der Freiburger Angriff den vierten der Nordgruppe an die Wand.

Dass dieser dort aber nicht haften blieb, sondern selbst ein halbes Dutzend Tore erzielen durfte, lag mehr am unterdurchschnittlichen Defensivverhalten der Wölfe als an der eigenen Stärke. Fünf der sechs Treffer jedenfalls waren Folge teils haarsträubender Abspiel- und/oder Torwartfehler. Vielleicht dachte Goalie Ronny Glaser ja noch an den frisch unterzeichneten Vertrag, der ihn weitere zwei Jahre an die Wölfe bindet. Für die letzten zehn Minuten durfte dann Christoph Mathis ins Tor, was die Wölfe aber auch nicht ans defensive Arbeiten erinnerte.

So grantelte Coach Peter Salmik noch nach Ende der Pressekonferenz ob des Partyhockey-Stils: „Vorne zaubern und hinten die Nase hoch! Aber die Überheblichkeit werde ich Ihnen austreiben!“

Zum Stand der geplanten Neuverpflichtungen nahm Wölfe-Gesellschafter Holger Döpke im fudder-Postgame-Videointerview Stellung: