Partydrogen: Wie verbreitet ist Mephedron?

Minh Duc Nguyen

In der Schweizer Technoszene ist Mephedron das große Ding – und wird es vorerst auch bleiben. Denn die Behörden haben versäumt, das Amphetamin, das seit einigen Tagen in Deutschland verboten ist, rechtzeitig verbieten zu lassen. Wie verbreitet ist Mephedron?



"Glücksgefühle, Dauergrinsen. Mein Kopf ist ziemlich von allem gelöst und die Gedanken sind frei", so beschreibt ein Internetznutzer seinen Zustand, nachdem er Mephedron konsumiert hat, auf Eve & Rave, dem größten Drogenforum in der Schweiz. "Die Szene, in der diese Droge konsumiert wird, ist zwar klein",sagt Alex Bücheli, Fachmann der Jugendberatung Streetwork, der Basler Zeitung. Sie lebe aber gefährlich, da man wenig bis nichts über die Gefahr des Mittels wisse.


Bislang sind in Europa insgesamt vier Todesfälle bekannt. Zu den Opfern zählt auch ein 14 Jahre altes Mädchen aus England, das auf einer Party einen Cocktail trank, der Mephedron enthielt.

Kaum fundiertes Wissen

Das synthetische Rauschgift wirkt ähnlich wie Ecstasy und Kokain. Von der neuen Droge ist im südbadischen Raum bislang kaum zu hören. "Wir haben bisher noch keinen Fall gehabt, bei dem Mephedron im Spiel war", sagt Dietmar Ernst von der Polizeidirektion Lörrach. Auch die dortige Drogenberatungsstelle kann wenig von der synthetischen Substanz berichten. Mephedron wird hierzulande nur online und unter der Hand gedealt. Studie über die Neben- und Spätwirkungen liegen auch hier noch nicht vor.

"Wir haben noch keine genauen Erkenntnisse zu dieser Droge", sagt Cora Thiele von der Bundespolizeidirektion Stuttgart. Ein Risiko sei demnach noch nicht abschätzbar. Auch beim Zollfahndungsamt seien zurzeit keine Fälle bekannt, die mit Mephedron zusammenhängen, so Pressesprecherin Sabine Kukral. Lediglich in Nürnberg haben die Kollegen bei einer Kontrolle 4000 Tabletten entdeckt und beschlagnahmt.

Deutschland: Seit vergangener Woche verboten

"In der Freiburger Partyszene werden nach wie vor synthetische Stoffe angeboten", sagt Ulrich Brecht von der Freiburger Polizeidirektion. Von Mephedron jedoch seien bislang noch keine Fälle bekannt. Allerdings, so Brecht, werde nicht jeder Notfall bei der Polizei gemeldet. Dass der Stoff auch hier im Umlauf sein könne, sei nicht auszuschließen.

Mephedron steht in Ländern wie England, Schweden oder Norwegen auf dem Index. In Deutschland ist es erst seit vergangenem Freitag, dem 22. Januar 2010 verboten.

Schweiz: Verbot Verschlafen

Da die heiße Ware in Deutschland nun nicht mehr frei verkauft werden kann, rechnen die Behörden in der Schweiz mit noch mehr und vor allem billig angebotenem deutschem Stoff. Zumal Schweizer Käufer keine rechtliche Konsequenz befürchten müssen – die eidgenössischen Betäubungsmittelkontrolleure haben vergessen, die neue Droge in die Liste unerlaubter Betäubungsmittel aufzunehmen. Die Folge: Die Partydroge kann in der Schweiz erst 2011 verboten werden.

Unterdessen wurde am 18. November 2009 in Deutschland das Verbot der Modedroge Spice dauerhaft ausgesprochen, das zuvor auf ein Jahr befristet war.

Mephedron ist ein Research Chemical (RC), eine chemische Verbindung, die Konsumenten aufputscht oder Halluzinationen hervorruft. Die Droge hat eine pulverige bis körnige Konsistenz. Deshalb wird sie als Badesalz im Internet angeboten. Aber auch hinter magisch klingenden Namen wie Dusted, Buzz Powder, Northface Ice Cold oder Charge+ steckt das Amphetamin. Die österreichische Kleine Zeitung berichtete sogar, Mephedron sei ein Pflanzendünger und werde in China und Indien hergestellt.

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[Bild: Symbolbild, dpa]