Parano in der Mensabar: Encore une!

Alexander Ochs

Nein, liebe Leute, man kriegt KEINE Paranoia, wenn man den Klängen der elsässischen Rockband Parano lauscht. Vielmehr stellt sich ein bislang unbekannter Reflex ein, der einen "Encore une!" brüllen lässt – auf Deutsch "Zugabe!" Alex hat für fudder mitgebrüllt.



In der MensaBar wird alljährlich die Fête du Beaujolais Nouveau mit französischen Bands gebührend gewürdigt. Dieses Mal sind Killing Lawrence und Parano, beide aus Mulhouse, dabei.


Ja, und man glaubt es kaum, zuerst wird tatsächlich dem alles andere als edlen Tropfen gehuldigt, und zwar in Form einer Power-Point-Präsentation in gebrochenem Deutsch. Das hat was – aber was, bleibt ungeklärt.



Killing Lawrence ist der Aufwärm-Part zugedacht. Das Quartett, besetzt mit Lead- und Rhythmusgitarre, Bass und Schlagzeug, hat sich ihre Finessen bei Bands wie den Pixies und The Clash abgeschaut, soviel ist klar.

Stimmlich liegt Sänger Laurent Guyot oft sehr nahe bei Jean-Louis Aubert, dem Sänger der französischen Rockband der 80er Jahre, Téléphone. Mit seinen sympathischen, deutsch-französisch-englisch verschwurbelten Ansagen zieht er das Publikum im Mikroumdrehen auf seine Seite: „Das nächste Stück schprischt von ein gelbe Mann und ein weiße Frau – in ein Food Shop.“ Ein Stück weit scheint er fast stolz auf den Umlaut, den er einwandfrei meistert. Irgendwie, und ich kann nicht genau sagen warum, klingt diese Band urfranzösisch.

Parano sind zugleich poppig und schräg wie Dominique A und rockig wie Noir Désir. „Typisch französisch“ kommt ihr Sound rüber durch das Akkordeon von Christian Danièle. Ganz in Schwarz gekleidet und hochkonzentriert: Sänger Marc-Antoine Vallori, der sich nicht scheut, auch mal NDW-Klassiker in Französisch angehauchtem Deutsch zum Besten zu geben; neben Grauzones „Eisbär“ auch Trios „Da-da-da, ich lieb dich nicht…“ Das macht die Band dermaßen gut, dass man sich wünscht, alle französischen Bands seien ab sofort unwiderruflich von Staats wegen dazu verpflichtet, ständig deutsche Songs zu covern. Große Klasse!

Mittlerweile ist die Band auf sieben Mann angewachsen, nein, Halt!, auf sechs Männer und eine Frau. Neben Bassistin Maryline Hess, dem wandelnden Blickfang im geblümten Kleid, fällt der neue Mann an den Tasten ins Auge. Aber leider nicht ins Ohr: Nur selten bereichern seine Sounds tatsächlich die Songs von Parano.

Das trübt die Stimmung nicht im Geringsten, vielmehr wird eine Zugabe nach der anderen gefordert, „Encore une!, encore une!“, oui, hein, bon ben, von was noch mal? Vom Ein-Euro-Beaujolais-Nouveau oder von der Band? Ach, komm, scheiß drauf…



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