Panteón Rococó im Jazzhaus: Mex-Beck’s Fiesta

Alexander Ochs

Mit viel Fußballkult, Sambagerassel und Getränke-Geschenken hat die Latino-Ska-Band Panteón Rococó das Jazzhaus gestern Abend in eine Hüpfburg verwandelt. Spielball mittendrin war fudder-Autor Alex.

Primetime am Sonntagabend – dazu ein Wetter, bei dem man keinen Hund auf die Straße schicken würde. Doch das hält Fans der mexikanischen Mestizo-Männergang Panteón Rococó nicht davon ab, in Scharen ins Jazzhaus zu strömen. Beim Wettbewerb abgefahrener Frisuren hätten einige der feist körperbetonten und stiernackigen Jungs gute Karten auf einen Sonderpreis: vom Saxofonisten mit langer Lockenmähne, die durch eine Wrestler-artige Luchador-Maske gebändigt wird, über den klassischen Rastamann bis hin zum Turban-ähnlichen Filzgezottel des Gitarreros, das bis in die Po-Ebene reicht – und dem Gegenentwurf des vierschrötigen Glatzkopfes. Tattoomäßig haben die Mexikaner auch viel Anschauungsmaterial zu bieten. „Resistencia!“


Von der ersten Sekunde an flutet das Kollektiv auf der Bühne das Gewölbe mit sattem Ska-Sound und vielen südamerikanischen Einsprengseln, sodass das Publikum voll auf seine Kosten kommt. Sofort hüpft und mosht es, immer wieder befeuert vom unablässig über die Bretter wedelnden Sänger Luis Román Ibarra und wechselnden Mitshoutern. „Justicia!“

Das Dreiergebläse aus Trompete, Posaune und Saxofon sorgt fürs Ska-Gewand, während die Perkussionsinstrumente und das Schlagzeug Latino-Elemente wie Salsa, Merengue und Cumbia beisteuern. Der stoische Basser streut mitunter funky Disco-Läufe ein. Die beiden Gitarreros zur Linken nimmt man mehr optisch als akustisch wahr, doch das tut der guten Stimmung keinen Abbruch. In der zweiten Hälfte des zweistündigen Power-Sets mit zwei Dutzend Songs knallen vermehrt hörbare Rockriffs in den Latin-Ska-Sound, sämtliche Pegelstände steigen und die Meute hopst unermüdlich zur unablässig treibenden Musik. „Freedom!“

Nur zwischenzeitlich serviert die Mestizo-Combo etwas ruhigere Reggae- und Rocksteady-Songs, immer wieder garniert mit den branchenüblichen Parolen und Kampfansagen. In ihren Texte thematisieren die Jungs den alltäglichen Rassismus, die Politik, die Weltrevolution, sie verstehen sich als Sprachrohr der Unterdrückten. Dabei sind sie durchaus bereit, etwas zu geben: So betätigt sich der auch als Dr. Shenka bekannte Frontmann als sympathischer Ausschenker und reicht Bier und Wasser ins bunt gemischte Publikum zwischen 20 und 30. „La lucha antifascista!“

Zehn Mann machen zwar überwiegend bierernste Miene zur dauerfröhlichen Mucke, das kann aber auch dem unermüdlichen Dauereinsatz der wackeren Fußballfans geschuldet sein: Schließlich war der gestrige Auftritt der zwölfte in Folge auf ihrer x-ten Tour durch Europa. Mit St. Pauli-Flagge und -Insignien im Gepäck gerät „Das Herz von St. Pauli“, die Hymne der Kiezkicker, zum Höhepunkt des Abends – auch wenn man kein Wort versteht. „Revolución!“

Apropos Revolution: Der Ausdruck steht ja wörtlich genommen für Umdrehung. Das passt sowohl zum Bild der Fußball-Aficionados als auch zum liebevollen Roadie, dem elften Mann des Teams, der sich für- und vorsorglich um die Bedürfnisse seiner Jungs kümmert, indem er Getränkebestellungen entgegennimmt und den georderten Jack Daniel’s oder das Beck’s flugs an seine Compadres ausliefert. Der legendäre zwölfte Mann, das Publikum, hat den mexikanischen Clan nicht im Stich gelassen, sondern stimm- und hüpfgewaltig nach vorne gepeitscht. Eine runde Fiesta Mexicana, Marke Mex Beck’s.



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