Ort mit Underground-Charakter: Die Fritz’ Galerie in Haslach

Julia Caspers

Sie liegt versteckt zwischen Schwarzwaldmilch und Cala-Theater: die Fritz’ Galerie, die vom ehemaligen Eishockeyprofi Fritz Adler erbaut wurde und geführt wird. Derzeit stellen Tom Brane und Anke Augspach in der Galerie aus. Was macht sie so besonders?

Wer nicht in der Kunstszene aktiv ist, muss mitunter ganz schön suchen, um interessante Galerien und Räume für Kunst in Freiburg zu finden. Fritz’ Galerie ist beispielsweise ein solcher Ort. Ziemlich versteckt hinter den Bahngleisen, zwischen Cala-Theater und dem Hauptsitz der Schwarzwaldmilch, befindet sie sich. Auf dem Kultur- und Kunstgelände, welches Fritz Adler aus eigener Hand aufgebaut hat. Der gelernte Industriefertiger erwarb das Grundstück 2009 und hat einen liebevollen Ort erschaffen, welcher fernab der Innenstadt Inspiration, aber auch Ruhe bietet. Neben der regelmäßigen Teilnahme am Festival "Freiburg stimmt ein" finden auf dem Areal Lesungen, Konzerte und Vorträge statt. Seit vier Jahren gibt es nun auch seine Galerie. Im hinteren Bereich des Hofes ist sie in einer ehemaligen Garage untergebracht. Hier können lokale sowie internationale Künstler und Künstlerinnen ihre Werke ausstellen.


Illustrator Tom Brane ist von dem magischen Ort begeistert: "Ich bin fast das ganze Jahr unterwegs und für mich ist das hier ein schöner Abschluss: beim Fritz ankommen, abschalten und sich wohlfühlen." Schon das zweite Jahr in Folge stellt der 37-Jährige zusammen mit der aus Freiburg stammenden Künstlerin Anke Augspach Werke in Fritz’ Galerie aus. Nachdem die gemeinsame Ausstellung im letzten Jahr regen Anklang gefunden hat, entschieden sich die beiden Künstler für eine Fortsetzung.

Tom Branes Kunst skizziert das Thema Ankommen

Das Gefühl des Ankommens beschäftigt Tom Brane auch in seiner aktuellen Serie "Black Forest Tales", die eine Widmung an den Schwarzwald sein soll. Vor 18 Jahren kam er aus München zum Studieren nach Freiburg und seitdem lasse ihn dieses "kleine alemannische Gallien" nicht mehr los. Branes Serie zeigt surrealistische Tuschezeichnungen sowie Drucke, inspiriert von Eindrücken aus seiner Wahlheimat. Der Besuch lokaler Feste wie den Mühlentag im Danielenhof in St. Märgen, das Jazzfestival im E-Werk und nicht zuletzt auch die Natur finden in seinen comic-artigen Zeichnungen Ausdruck.

Immer wieder entdeckt man in den Bildern neue Szenen und taucht in Branes kreative Welt ein, in der Schnapsgläser selbst einen über den Durst trinken oder alte Bananenschalen sich in Quallen verwandeln. Dem Fußballverein SC Freiburg ist ebenfalls eine Zeichnung gewidmet. Zwei Drucke hat Brane von Trainer Christian Streich signieren lassen und möchte sie bald für einen guten Zweck versteigern lassen.

Bemaltes Haus in der Kirchstraße sorgte für Aufsehen

Neben seinen ausgestellten Illustrationen verziert der Künstler auch Gebäudefassaden. In der Vergangenheit hatte vor allem ein altes Wohnhaus in der Kirchstraße für Diskussion gesorgt, dessen Außenwand er mittels Graffiti in eine Naturwelt mit Fabelwesen verwandelte. Das zuständige Baurechtamt hatte die Arbeiten aufgrund des Denkmalschutzes kurzzeitig untersagt. Das war im Jahr 2016, in dem die berühmte englische Kinderbuchillustratorin Beatrix Potter 150 Jahre alt geworden wäre. Ihr ist ebenfalls ein Bild aus der Schwarzwaldserie gewidmet.

Einen schönen Kontrast dazu bilden die mit Öl gespachtelten, lebhaften Bilder von Anke Augspach. Sie hat Molekulare Medizin in Freiburg studiert und forscht mittlerweile im Bereich Onkologie in Bern. Schon während des Studiums hat sie viel nebenbei gemalt und im E-Werk sogenannte Art-Jams organisiert, bei denen Künstler vorgestellt wurden. Ihre Werke folgen nicht einem konkreten Konzept, sondern entstehen aus spontanen Ideen heraus. "Ich möchte dabei wenig Kopfarbeiten leisten, eher das Gegenteil – den Kopf am besten ausschalten", erklärt die Künstlerin. Nachdem Augspach in der Vergangenheit viele Porträts zeichnete, wollte sie sich in diesem Jahr vermehrt der Tiermalerei widmen. In der aktuellen Ausstellung verewigte sie Hasen aus Indien ebenso wie den ehemaligen WG-Hund.

Es fehlt oft Raum für Kunst

Die Künstlerin erinnert sich noch gut an die Anfänge der Galerie. Sie nahm damals regelmäßig an dem vom Freiburger Bildhauer Pál Matthias initiierten Künstlerstammtisch teil, bei dem auch die Ideen für Fritz’ Galerie weiterentwickelt wurden. Auch Brane und Adler lernten sich hier kennen und motivierten sich für die gemeinsame Ausstellung.

Augspach betont, wie wichtig Orte wie Fritz’ Galerie für die Entfaltung der örtlichen Kunstszene seien. Zum einen fehle es häufig an städtischer Förderung, zum anderen sei die Kunstszene selbst durch starke Hierarchien und Dogmen geprägt, die es Laienkünstlern wie ihr schwermachen. "Es ist sehr schwierig in einer Galerie auszustellen, wenn du nicht Kunst studiert hast", sagt Augspach.

"Dieser Undergroundcharakter macht den besonderen Reiz aus", Tom Brane

Raum für Kunst sei in Freiburg nicht einfach zu finden, bestätigt auch Tom Brane. Es fehle vor allem auch an Flächen, die frei gestaltet werden dürfen. Viele Kunstschaffende zieht es in andere Städte wie beispielsweise Berlin, Leipzig oder Dresden, in denen die bürokratischen Hürden zur Realisation von Kunstprojekten nicht so hoch seien. Aber gerade diese Hürden reizen den Künstler immer wieder und umso mehr schätzt er Orte wie Fritz’ Galerie: "Die Lage ist ziemlich versteckt und dieser Undergroundcharakter macht den besonderen Reiz aus. Während andere versuchen ihn zu simulieren, ist er hier ganz natürlich vorhanden." Auch die überschaubare Größe des Ausstellungsortes entfalte ihren eigenen Charme, da man sich auf eine Auswahl an Bildern konzentrieren müsse.

Inhaber Adler muss sich keine Sorgen um die Nachfrage machen, denn er bekommt viele Anfragen per Post und entscheidet nach seinem Geschmack, welche Künstler ihre Kunst vorstellen können. In der Vergangenheit war schon Jindra Capek zu Gast, ein weltberühmter Märchenbuchillustrator aus Tschechien. Im kommenden Jahr warten weitere vielseitige Ausstellungen auf interessierte Besucher, angefangen mit Fotografien von Lars Konarek bis hin zu Malereien vom römischen Künstler Henry Catallo, der im Stile alter Meister zeichnet. Bevor sich Fritz Adler jedoch in neue Projekte stürzt und Tom Brane und Anke Augspach Finissage feiern, findet zum Jahresabschluss noch ein Konzert mit dem Musiker Pablo Peña statt.

Öffnungszeiten:

Dienstag, Donnerstag, Samstag von 17 Uhr bis 20 Uhr.

Fritz Galerie: Facebook& Website



Was: "La Banda Trunca", Konzert von Pablo Peña
Wann: 28. Dezember
Wo: Fritz’ Galerie
Was: Finissage zur Ausstellung "Anke Augspach, Tom Brane"
Wann: 12. Januar 2019
Wo: Fritz Galerie

Mehr zum Thema: