Festivalkultur

Open Air Basel: Ein Festival, mitten in der Stadt

Peter Disch

Auf dem Kasernenareal in Basel findet einmal im Jahr ein Open Air statt, mit Bilderbuch und Chinese Man. Ob das in Freiburg auch möglich wäre, sagen wir: in der neuen, urbanen Mitte?

Ob das in Freiburg auch möglich wäre, sagen wir: in der neuen, urbanen Mitte? Auf dem Kasernenareal in Basel findet einmal im Jahr ein Open Air statt. Zentral, in einem Viertel mit Geschäften, Gaststätten, vor allem aber vielen Wohnhäusern gibt es von Donnerstag bis Samstag Livemusik. Nachmittags legen DJs von zwei bis fünf kostenlos auf. Abends spielen ausgesuchte Schweizer und internationale Bands.


Das Festival ist familienfreundlich und hyperlokal

Das Konzept ist familienfreundlich, lokal und so non-kommerziell wie möglich: Kinder bis 12 dürfen umsonst rein, die Pizza backt ein Kollektiv, das seinen Namen in Michael Endes "Unendlicher Geschichte" gefunden hat, der örtliche Plattenladen hat einen Stand, und die Zigarettenfirma, deren Fahnen im Wind wehen, verarbeitet selbstverständlich nur naturbelassenen Tabak.



Das Herz der Stadt schlägt hier drei Tage lang laut und deutlich. Die Basswellen lassen zwar nicht die Hosenbeine flattern, sind aber auch 100 Meter Luftlinie entfernt noch im Magen zu spüren. Gerade am Freitag, an dem zwei Bands auf der Bühne stehen, deren Musik dem Rhythmus verpflichtet ist. In diese Welt ist eine von beiden tiefer denn je eingetaucht. Bilderbuch aus Wien haben ihren Schmäh-Pop mit dem aktuellen Album "Magic" noch schwärzer werden lassen. Die charmante Arroganz, abgeschaut bei Österreichs einzigem Popstar Falco, und der laszive 80er Funk eines Prince sind weiter wichtige Inspirationsquellen. An die Stelle von Songs aber ist der Jam getreten, bei dem es weniger um die Melodie und Struktur, sondern um den Groove und den Fluss geht.

Konsequenterweise tritt die Band in Basel daher mit zwei schwarzen Backgroundsängerinnen vor einen Bühnenhintergrund aus Hunderten von weißen Turnschuhen. Der Vorhang, der das generationenübergreifende Statussymbol unserer Tage wie kostbare Perlen aufreiht, ist das perfekte Synonym für Bilderbuchs Hedonismus. "Ich war immer, immer / Ein Junge mit Ideen / Ein Junge ohne Ziel / Ein Junge braucht / Sneakers for free", heißt es im dazugehörigen Song. Pose oder Position? Das bleibt wie immer bei Bilderbuch offen. Mit dem Funk aber ist es der Band ernst. "Gemma!" ruft Sänger Maurice Ernst – und weiter geht es mit der Expedition in eine musikalische Welt, die ihren Zauber nicht verloren hat, aber doch retro ist. So beantwortet auch das Konzert die Frage nicht, die "Magic" aufgeworfen hat: Kommt danach noch was? Oder hat sich Band in eine Sackgasse manövriert?



Chinese Man zeigen danach, wie Tanzmusik mit Perspektive aussieht. Das französische Klangtüftlerkollektiv bedient sich zwar auch in der Vergangenheit. Der Dub-House von Rockers Hifi und der TripHop, also die Neunziger, haben ihre Spuren hinterlassen. Beides verschmelzen Chinese Man geschickt mit Reggae, fernöstlichen Klängen, Rap und spektakulären Animationen. HipHop und was daraus entsteht, das zeigt sich deutlich, ist der Pop der Gegenwart. Das muss auch Funky Austria anerkennen.