Online-Videotheken im Test

Philip Pötsch

Vor einigen Monaten haben wir auf fudder die Freiburger Automaten-Videotheken unter die Lupe genommen haben. Heute testen wir einen alternativen Bezugsweg, auf dem ihr euch DVDs beschaffen könnt: Online-Videotheken. In diesen virtuellen Video-Shops können sich Filmfans DVDs ausleihen und per Post nach Hause schicken lassen. Unser Mitarbeiter Philip Pötsch hat sechs Anbieter getestet.



Die Idee ist einfach und stammt aus den USA. Dort ist das Prinzip der Online-Videothek, die ihre DVDs direkt per Post zum Nutzer nach Hause schickt, schon seit länger Zeit ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Seit 2003 gibt es auch in Deutschland Unternehmen, die diesen Service anbieten. Der Versand der DVDs per Post hat zwei bedeutende Vorteile für den Film-Fan: Zum einen erfolgt die Bestellung am eigenen PC - man muss also nicht das Haus verlassen, um den Film zu bekommen. Zweitens sind Online-Videotheken häufig auch günstiger, wenn man eine DVD einige Tage behält, da hier im Gegensatz zur stationären Videothek nicht tageweise oder - wie bei den Automatenvideotheken - pro Stunde abgerechnet wird.


Die Online-Videotheken bieten unterschiedliche Abrechnungsmodelle an. Vereinzelt kann man noch die Filmflatrate antreffen, so oft wie noch vor einigen Monaten findet man sie leider kaum noch. Im Normalfall zahlt man inzwischen einen bestimmten Grundpreis und bezahlt dann pro DVD-Sendung einen Zusatzbetrag für den Versand - so hat man die Kosten jederzeit im Blick. Andere Anbieter bieten alternativ ein festes Paket: Hier zahlt man einen Pauschalbetrag und kann sich hierfür eine bestimmte Anzahl DVDs pro Monat ausleihen. Der Vorteil: Man muss nicht pro Lieferung zahlen, hat aber auch nur eine begrenzte Anzahl von Silberlingen pro Monat.

Welches Modell ist das Richtige für mich?

Zunächst sollte man sich überlegen wie viele DVDs man pro Monat überhaupt ausleihen möchte. Dann fällt die Wahl eines Anbieters und Pakets schon mal leichter. In den Preistabellen (unten) habe ich sechs große Online-Videotheken aus der Perspektive zweier Nutzergruppen untersucht: aus der Pespektive der Wenignutzer, die sich mit 4 DVDs im Monat zufrieden geben. Und aus der Perspektive der Vielnutzer, die 15 oder mehr Scheiben in ihrem Briefkasten haben möchten.



Testsieger im Bereich Wenignutzer: A-Movies



Testsieger im Bereich Vielnutzer: A-Movies
- Bei Netleih sind im größten Paket nur 14 DVDs inklusive
- ** myMovies hat unsere Preisanfrage nicht beantwortet

Die Auswahl an Filmen

Die Auswahl ist bei allen Online-Videotheken sehr groß. Vereinzelt kann es natürlich vorkommen, dass ein Film nicht im Sortiment vorhanden ist, und man in dem Falle auf eine andere Videothek zurückgreifen muss. Aber im Normalfall haben alle Videotheken aktuelle Blockbuster und auch alte Klassiker im Katalog. Amango zum Beispiel hat laut eigenen Angaben 13.000 Filmtitel mit mehr als 200.000 Kopien im Lager. Bei aktuellen Top-Titeln haben die Verleiher durchschnittlich 1.000 DVDs vorrätig, können so also sehr viele Kunden auf einmal mit demselben Film bedienen.

Die FSK18-Titel-Auswahl (und -Ansicht!) ist bei allen Anbietern erst nach einer Volljährigkeitsüberprüfung durch das PostIdent-Verfahren der Deutschen Post möglich, das die Kunden bei einigen Anbietern selber bezahlen müssen (Kosten: ca. 20 Euro). Pro Lieferung fallen eventuell noch mal knapp 4 Euro an, wenn Minderjährige im Haushalt wohnen und der Film dem Kunden persönlich ausgehändigt werden muss.

Netleih hat eine eigene Tochterseite für Pornofilmchen eingerichtet, die im fudder-Test allerdings unberücksichtigt bliebt ;).

Praxistest (Amango, Amazon und Netleih)

Die drei Großen Anbieter Amango, Amazon und Netleih habe ich selber in der Praxis getestet und dabei besonders die Lieferzeiten, die Auswahl an Filmen und die Zahlungsmöglichkeiten analysiert.

Bestellung und Versand: Der Versand läuft bei allen Videotheken nahezu identisch ab. Man wählt online aus einem großen Katalog aus und legt die gewünschten Titel in seiner Wunschliste (links) ab. Je nach Verfügbarkeit werden die Filme dann von oben nach unten an den Nutzer geschickt. Der Versand erfolgt in speziellen Umschlägen, bei denen ein Teil des Umschlags meist an einer perforierten Linie abgetrennt und so die Rückadresse freigelegt wird. Da die Umschläge vorfranktiert sind, kann man diese in jeden Postbriefkasten werfen. Die DVDs selber liegen in einer kleinen Papierhülle, die sicher in den Umschlägen verstaut werden kann.

Amango ist eine der ersten Online-Videotheken in Deutschland. Der Versand lief im Test sehr zügig ab, auch wenn man weniger als die empfohlenen 20 Titel in der Wunschliste hat. Wenn ein Silberling bei Amango ankommt, wird meist am gleichen Tag noch die nächste an den Nutzer geschickt. Nach eigenen Angaben rotieren bei Amango täglich 35.000 DVDs, landen also gar nicht erst im Lager. So hat man nach zwei Tagen schon den nächsten Film im Briefkasten.

Auch bei Netleih verläuft ein Tausch recht schnell. Obwohl die Wunschliste nur 6 Titel enthielt und vor Wartezeiten aufgrund der wenigen verfügbaren Kopien gewarnt wurde, kam die erste Lieferung schon nach nur einem Tag an. Netleih bietet nur den Versand von zwei DVDs gleichzeitig an, deshalb sollte man immer auf die Verfügbarkeit der einzelnen Titel achten, damit man nicht tagelang warten muss.

Seit mehr als einem Jahr verleiht auch der Online-Shop Amazon DVDs mit vier verschiedenen Paketen. Egal, welches man bucht, bekommt man für DVD-Käufe einen Rabatt von 5%. Je nachdem, welche Titel ein Verleihrecht haben, kann man den Großteil des DVD-Katalogs von Amazon auch ausleihen. Die DVDs rotieren hier auch sehr schnell und nach zwei bis drei Tagen liegt die nächste im Briefkasten. Bei Amazon hat man außerdem die Option auch dann weitere DVDs ausleihen, wenn das gebuchte Monatskontingent bereits ausgeschöpft ist. Jede zusätzliche DVD kostet 2,99 Euro, es wird also schnell relativ teuer.

Wie wird bezahlt?

Als Zahlungsmöglichkeiten bieten die meisten Online-Videotheken das Lastschriftverfahren. Eine Bezahlung per Kreditkarte ist bei vielen auch möglich.

Fazit

Ein großer Vorteil der Online-Videotheken ist der Preis. Da man die Filme solange behalten kann, wie man möchte, sind sie oft günstiger als der Verleih bei den klassischen stationären Videotheken (von den Benzinkosten einmal abgesehen ;)). Ein Nachteil der Online-Videotheken besteht allerdings darin, dass man auf die bestellten Filme eine Zeit lang warten muss. Wer sich spontan für den Abend ein Video ausleihen möchte, muss nach wie vor in der Ladenvideothek vorbeischauen.

Jedem der sich dafür interessiert, empfehle ich, dass sich die unterschiedlichen Online-Videotheken einmal selber anzuschauen und die Gratistests, die viele Dienste anbieten, in Anspruch zu nehmen. Erst dann kann man sich wirklich sicher für einen Anbieter entscheiden.

Mehr dazu:

Die Webauftritte der großen Online-Videotheken:
  • Amango (14 Tage gratis testen)
  • Amazon (1 Monat gratis testen)
  • InVDeo (14 Tage gratis testen)