Online-Fundraising aus Freiburg: Spendenfreun.de

Sebastian Heilemann

Spendensammeln im Internet ist in. Auf Portalen wie betterplace.org, spenden.de, helpdirect.org haben auch kleine Projekte und Organisationen die Chance, Spender zu finden. Der Freiburger Student Jens Vedder ist der Gründer von spendenfreun.de und sammelt Spenden für Freiburger Projekte. Eine Besonderheit: 100 Prozent der Spenden sollen dort ankommen, wo sie sollen.

Im Kindergarten Purzelbaum werden Kinder mit Behinderung, autistischen Zügen oder Entwicklungsverzögerung betreut. Das Projekt MediNetz unterstützt Menschen, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, das Patenschaftprojekt Miteinander soll benachteiligten Kindern ehrenamtliche Paten vermitteln und eine Obdachlosenfußballmannschaft soll Wohnungslosen helfen, ihr Leben zu strukturieren.


Eins haben diese vier gemeinnützigen Projekte gemeinsam. Sie sind alle in und um Freiburg verwurzelt - und zur Zeit präsentieren sich alle Projekte auf spendefreun.de und hoffen auf willige Spender.

Jens Vedder, 26, ist der Gründer und Geschäftsführer der Internetplattform, die sich auf Projekte aus der Region beschränkt. "Der regionale Bezug zu den Projekten ist sehr wichtig, weil der Spender sich selbst auch mal vor Ort  ein Bild vom Projekt machen kann", sagt Jens.

Auf Spendenfreun.de kann der Spender ein Projekt seiner Wahl unterstützen und den Spendenstand live beobachten. Überwiesen wird das Geld über ein Onlineformular per Bankeinzug.

Eine Besonderheit des Portals: seine schlanke Organisation. Alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Außerdem wird die Plattform von mehreren Unternehmen unterstützt, deren Spenden die laufenden Kosten decken. 100 Prozent der Privatspenden kommen also bei den Projekten an, und werden nicht für Verwaltungsaufgaben verwendet; die Projekte zahlen keine Gebühren an Spendenfreun.de. "Wenn jemand etwas von seinem Geld abgeben möchte, für das er gearbeit hat, dann muss das Geld einfach zu 100 Prozent ankommen", findet Jens.

Das Portal ist durch die Suche nach einem Thema für Jens Bachelorarbeit entstanden. Als ein Bekannter sich bei ihm über den Umgang großer Organisationen mit Spendengeldern beschwert und ankündigt, nicht mehr spenden zu wollen, sieht Jens Handlungsbedarf.

"Es gibt Menschen, die gerne Spenden möchten, und auf der anderen Seite Pädagogen mit vielen guten Ideen", sagt Jens. "Irgendwie muss man die ja zusammenbringen!" In seiner Bachelorarbeit entwickelte er so die Idee der Internetplattform. "Ich wollte einfach etwas sinnvolles machen." Er beginnt mit einer fiktiven Spendenseite. Mit rund 50 Freunden spielt er den Spendenablauf durch. Es funktioniert so gut, dass Jens von seinem Professor ermutigt wird, die fiktive Seite in ein reales Projekt zu verwandeln.

Bei einer Umfage zu seiner Bachelorabeit stellte Jens fest, dass die Spendenbereischaft stark von Faktoren wie Transparenz und der Nachvollziehbarkeit des Geldflusses abhängen. "Das eine große Organisation Verwaltungskosten hat, ist doch jedem klar. Aber das wird einfach nicht kommuniziert." Das große Problem sei, dass die großen Spendenorganisationen immer noch wirtschaftlich arbeiten müssen - das sei einfach ein falscher Ansatz, sagt Jens.

Noch ist das Volumen von Spendenfreunde klein: seit dem Start 2011 haben 71 Spender für drei realisierte Projekte rund 3800 Euro gespendet. Einen Projekantrag kann jedes gemeinnützige Projekt stellen. Eine zehnköpfige Projektjury, die aus Erziehern und Pädagogen besteht, entscheidet dann nach Kriterien wie Gemeinnützigkeit, Dringlichkeit und Spendenvolumen.

Die Anzahl der Projekte soll aber übersichtlich bleiben; so können die  Projekte schneller realisiert werden. Sobald eines der Projekte abgeschlossen ist, rückt das nächste nach. "Wenn ein Projekt direkt zu Anfang 10.000 Euro benötigt, ist die Realisierung momentan relativ unwahrscheinlich", sagt Jens. Deshalb wünscht er sich für die Zukunft vor allem Dauerspender. Bei einem Volumen von 1000 Euro könne ein Projekt im Monat realisiert werden.

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