Ohne Plan und ohne Geld: O.J. On The Run machen Straßenmusik in der Freiburger Innenstadt

Jana Mack

Die zwei Briten Oli und James bereisen die Welt, um auf der Straße Musik zu machen. Nun spielen sie in Freiburg. Wovor sind sie auf der Flucht – und warum bleiben sie ausgerechnet hier länger?

"And here’s to yoooou, Mrs. Robinson", schallt es laut durch die Kajo. Zwei junge Engländer stehen am Bertoldsbrunnen und geben alles. Oli trägt Vollbart, Sonnenbrille und Flip Flops – während er Gitarre spielt, wippt er mit seinem Oberkörper schwungvoll hin und her. James’ weißes Shirt strahlt im Sonnenlicht, er spielt Ukulele.


Vereinzelt verweilen Passanten und hören zu. Eine junge Mutter wirft ein paar Euro in den aufgeklappten Gitarrenkoffer, in dem ein Pappschild aufgestellt ist. "O.J. On The Run" steht darauf. Zwei junge Schülerinnen bleiben stehen, lauschen und himmeln schüchtern in Richtung der Musiker.

Gestartet sind Oli (26) und James (24) vor zwei Jahren in England mit jeweils Eintausend Euro. Ihr Plan war es, ein Jahr lang durch Europa zu reisen. Auf Campingplätzen und fremden Sofas zu übernachten, ganz ohne ein bestimmtes Ziel. Doch das Geld ging schneller aus als geplant. Da beide schon seit ihrer frühesten Kindheit miteinander musizieren, kamen sie auf die Idee, sich durch Straßenmusik etwas dazu zu verdienen. Seitdem reisen sie durch Europa und bleiben immer genau so lange in einer Stadt, wie sie möchten.



Fudder: "On the run" bedeutet soviel wie "Auf der Flucht sein". Vor wem oder was wollt Ihr denn fliehen?
Oli: Naja, im Grunde genommen fliehen wir vor unserem alten Leben. Vor England und vor allem auch vor unseren langweiligen Jobs im Supermarkt. Der ursprüngliche Plan war es, einfach so loszuziehen. Ohne Plan und ohne Geld. Das funktioniert – mal mehr und mal weniger gut.
James: Wir spielen auf der Straße, aber auch in Bars oder auf Hochzeiten. Menschen schreiben uns über unsere Facebook-Seite an und buchen uns – nächste Woche spielen wir zum Beispiel auf einer Bootshochzeit, das wird lustig. Wir haben keine Ahnung, wie lange wir das so machen werden… Von Tag zu Tag zu leben. Aber im Moment funktioniert es ganz gut für uns.

Fudder: Ihr covert akustisch von Jack Johnson zu Britney Spears. Habt Ihr auch eigene Songs?
James: Wir spielen eine Mischung aus Pop- und Rocksongs. Wir haben keine feste Songliste, die wir jedes Mal spielen. Wir schauen einfach, was die Leute mögen und das spielen wir dann. Und ja, wir haben tatsächlich auch angefangen, eigene Songs zu schreiben. Es ist schwer zu beschreiben, was für eine Art von Musik das ist. Unsere Lieder sollen andere Menschen dazu bringen, mitzusingen und zu tanzen. Wir verkaufen unser Album auf der Straße und würden auch nie einen Plattenvertrag unterschreiben.
Oli: Wir lieben die Freiheit selbst aussuchen zu können, was wir spielen und wo wir spielen. Ich glaube, so lange uns das, was wir tun, glücklich macht, brauchen wir nicht den Erfolg großer Stars. Unsere Vorbilder sind allesamt Musiker, die tun, was sie lieben. Und denen egal ist, was andere Menschen über sie denken – Radiohead zum Beispiel.

Fudder: Ihr wollt eine Weile bei uns in Freiburg bleiben. Was hat es Euch genau an dieser Stadt angetan?
James: Die Stadt ist natürlich wahnsinnig schön. Die kleinen Gässchen in der Altstadt und besonders der Wald, den man von überall aus sehen kann. Aber ich denke, was Freiburg wirklich ausmacht, sind die Menschen. Das Publikum in Freiburg ist total vielfältig. Da gibt es zum einen die jungen Menschen wie Studenten und Schüler. Aber gleichzeitig auch das alte Ehepaar, das stehenbleibt und uns gespannt zuhört.
Oli: Und es gibt so viele unterschiedliche Straßenmusiker hier. An jeder Ecke kannst du eine andere Art von Musik hören – nicht immer nur diesen einen alten Mann mit seiner Ziehharmonika.
James: Das soziale Miteinander hier ist uns besonders aufgefallen. In der Innenstadt sitzen abends Menschen zusammen und trinken gemeinsam Bier und Wein. Das kennen wir so gar nicht von anderen Städten wie Köln oder Berlin. In den großen Städten gibt es nicht dieses Gemeinschaftsgefühl. Jeder ist so entspannt und freundlich hier. Gerade deshalb können wir uns gut vorstellen, ein bisschen länger in Freiburg zu bleiben.