Offene Zweierbeziehung

Christian Heigel

Eine Paarbeziehung, in der beide fremdgehen – und das mit dem Wissen des Partners: Kann das gutgehen? In Dario Fos Komödie "Offene Zweierbeziehung" mündet diese Frage in einen handfesten Beziehungskrach. Im Wallgrabentheater hat das Stück am Donnerstag Premiere. Regisseur Tim Lucas über die höchst chaotischen Proben zum Stück.



Herr Lucas, Sie sind gerade in der Endphase der Proben. Weil die beiden Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski und Claudia Hübbecker an unterschiedlichen Orten tätig sind, proben Sie abwechselnd in Freiburg und in Düsseldorf. Mündet das nicht im Chaos?

Es ist schon ein ziemliches Himmelfahrtskommando. Logistisch ist es ein Problem, das Ganze auf die Beine zu bringen. Aber darin liegt Charme, darin liegt ein bisschen Punk und unglaublich viel Freiheit, zu sagen: Wir machen es trotz all der Probleme, weil wir Bock drauf haben.

„Offene Zweierbeziehung“ klingt zunächst nicht so nach Punk. Das Stück von Dario Fo zählt zu den Klassikern der Boulevardkomödie.

Es ist die Beziehungs-Boulevardkomödie schlechthin. Der Witz ist aus den 1980er Jahren und heute nicht mehr zeitgemäß. Das Thema ist: "Er will fremdvögeln, sie will das nicht, spielt ihm vor, sie hätte auch jemanden, daraufhin bringt er sich im Original um. Da habe ich gesagt: Das geht nicht. Heute bringt sich deswegen keiner mehr um.



Wer weiß.

Wir haben viel ausgemüllt und die Dialoge umgeschrieben. Wir sind dann sehr schnell bei den ganzen Talkshows gelandet, „Vera am Mittag“ und so. Am Anfang wird es wahrscheinlich ein Moderatorenpaar geben, die Zuschauer sind das Publikum und dann geht es um die Frage: „Hat die offene Zweierbeziehung eine Chance?“ Und das Paar wird sich dann 60 oder 75 Minuten lang gepflegt streiten. Das hat ein bisschen was Voyeuristisches. Es ist ja immer sehr lustig, anderen Leuten beim Streiten zuzugucken. Und vermutlich kommen dann am Ende wieder die Moderatoren: „Morgen sehen Sie dann das Thema: Hat die Offene Dreierbeziehung eine Chance?“ (lacht). Aber das wissen wir alles noch nicht so genau.

Heißt das, dass der Schluss noch völlig offen ist? Macht Sie das nicht nervös, so kurz vor der Premiere?

Vor der Premiere werde ich nicht schlafen, aber das gehört dazu. Danach werde ich vermutlich sehr müde sein, aber auch sehr erleichtert. Die Arbeitsweise zwischen uns Dreien ist einfach toll. Weil die beiden einfach tolle Schauspieler sind. Da entsteht was und da tut man gut daran, darauf zu vertrauen. Der Tod einer jeden Probensituation ist doch, wenn du da mit fertigen Bildern hineingehst. Es ist viel schöner, wenn jeder seine eigene Ideen mitbringt und wir dann gemeinsam ausprobieren und ausmisten und gucken: Was funktioniert, was funktioniert nicht?



Klingt nach purer Harmonie. Gibt es denn gar keine Auseinandersetzungen während der Proben? Würde ja zum Stück passen.

Wir können uns alles an den Kopf werfen, weil wir uns so gut verstehen. Da ist einfach kein Ego-Müll dazwischen, sondern es geht um die Sache. Häufig hört das Proben abends um elf auf und um zwei krieg' ich noch einen Anruf: Wäre das nicht noch eine Idee? Oder ich rufe an. Wir ringen ja gemeinsam um den besten Weg. Und manchmal ist es so, dass wir unterschiedliche Auffassungen haben und dann probieren wir das einfach aus und schauen, was passt und was passt nicht. Eine Voraussetzung dafür ist natürlich, dass du dir ein gutes Team suchst, mit dem das auch wirklich möglich ist. Ich bin auch als Regisseur besser, wenn mir etwas entgegengesetzt wird. Das beflügelt mich. Ich brauche keine Leute, die das tun, was ich für richtig halte.

Mehr dazu:

Web: Wallgraben Theater

Was: Offene Zweierbeziehung von Dario Fo und Franca Rama, mit: Miguel Abrantes Ostrowski und Claudia Hübbecker, Regie: Tim Lucas
Wann:
Donnerstag, 9. Juli bis Sonntag, 12. Juli 2009, jeweils 20 Uhr
Wo: Wallgraben-Theater, Rathausgasse 5a
Eintritt: Normalpreis 17 €, Schüler, Studenten, Arbeitslose, Zivis 12,60 €, Kuratoriumsmitglieder 14,80 €, Kuratoriumsmitglieder ermäßigt 11,50 €, contomaxx 14,80 €, contomaxx ermäßigt 11,50 €