Offene Geheimtipps: Kristoffer Ragnstam und Somepeople im Waldsee

Alexander Ochs

Überzeugende Lokalmatadoren und eine, na klar, coole schwedische Band spielen im Waldsee. Und wer kommt? Keine Sau. An alle, die nicht da waren, die Ansage: Leute, ihr habt echt was verpasst! Etwas Großartiges. Meint Alex.



"Komm, wir gehen jetzt einfach los, ohne was zu sagen", beginnt Somepeople-Sängerin Steffi Karn fast schon programmatisch das Set.


Denn es fällt auf: viel zu wenig Konzertfans haben an diesem Vorfeiertagabend den Weg ins Waldsee gefunden. Der Bandname Somepeople bekommt da einen ganz anderen Klang: Das Quartett aus Freiburg hat wirklich nur vor einigen Leuten gespielt, schade, schade, schade.

Im kleinen, kuscheligen Rahmen zauberte die gut eingespielte Band eine stimmungsvolle Atmosphäre ins heute Abend zu große Waldsee. Die Band überzeugte mit guten Texten („Die Frage nach der Antwort“) und mal jazzig, mal funky, mal rockig angehauchtem, gut gemachtem Pop, einer Sängerin mit toller Stimme sowie einem souverän und dosiert aufspielendem Drummer. Zwischen den Stühlen oder zwischen den Stilen müsste sich Benni „Die Maschine“ am Schlagwerk eigentlich vorkommen, spielt der einfallsreiche Teufelskerl doch sonst bei der Hardrock-Combo Black Fuel.

Ruhige, gefühlvolle Nummern wechseln sich ab mit energiegeladenen Songs wie „Taxifahrer“ ("Es geht um einen Riesenpenner, den ich mal in Hamburg kennengelernt habe", so Steffi) oder „Aggressiv“. Da kann es schon mal vorkommen, dass Steffi Karn, meist mit geschlossenen Augen, dasselbe Wort Nina-Hagen-like zehn oder zwanzig Mal hintereinander wiederholt. Aber mit einer anderen Nuance, mal liebevoll intoniert, kratzbürstig fauchend, mal inbrünstig gesungen, mal herauskrakeelt, gebrüllt, skandiert.

Ein offener Geheimtipp, den heute Abend leider kaum einer hören wollte, sehen sollte.



Dasselbe trifft auf den Schweden Kristoffer Ragnstam zu. Mit viel Vorschusslorbeeren bedacht, legen die Jungs aus Göteborg schon beim Soundcheck dermaßen los, dass ein Raunen durch den Osten der Stadt geht. Bildlich gesprochen. Und das kommt nicht von ungefähr.

Dass sie mit Ironie, Energie und Melodie gesegnet sind, zeigen der in einen dicken Parka eingepackte Ragnstam und seine Band Electric 4 gleich zu Beginn. Come closer, it’s a rock show, erklärt der Schwede un- und doch geduldig dem Publikum. Und ein paar Songs später sind so gut wie alle am Tanzen oder Sich-sonstwie-Bewegen. Es hätten x-mal mehr sein können, so gut war die Stimmung.

Und die Musik! Wie meinte der sympathische Frontmann? "Would you like to pretend that it’s 2000 people here?" Yes!

Sehr straight, sehr geradeaus servieren die fünf Musiker – Bass, Keys, Drums und doppelte Gitarre – ihre Sixties- und Seventies-inspirierten Sahneschnittchen. Locker leicht aufgeschlagen, gern auch mal rockig und dezent psychedelisch (wenn das denn geht) und abwechslungsreich kommen die Songs daher. (Assoziationen: Beck. Moneybrother. Pelle Carlberg.) Ein Song kommt nur mit Piano und ein, zwei Stimmen aus. Ein anderer klirrt vor wabernden Gitarren, aber immer noch im tanzbaren Rahmen. Und irgendwann muss der Parka der Jacke weichen – und die Jacke dem T-Shirt.

Kurzum: ein kurzes, knackiges Set von einer runden Stunde. Eine richtig runde Sache war es für alle, die dabei waren. Nur nicht für den Veranstalter SoundGoRound. Die Unwägbarkeiten des Freiburger Musikbusiness.



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