Ömer Toprak kämpft für sein Comeback

David Weigend

Ömer Toprak hat heute das erste Mal öffentlich über die Folgen seines schweren Kartunfalls im Juni gesprochen. Er hat sieben Operationen hinter sich, eine steht noch an. "Aber ich bin recht optimistisch, dass es klappen wird mit meinem Comeback." Wir auch.



"Es war nicht ohne"

Man sieht ihm nicht an, was er durchgemacht hat. Ömer Toprak wirkt heiter und zuversichtlich. Er sitzt im Presseraum vom SC Freiburg, trägt ein graues Longsleeve, Jeans und Turnschuhe. "Mir geht es eigentlich richtig gut", ist das erste, was er den vielen anwesenden Journalisten in die Mikrofone diktiert und dies ist jener positive Grundton, den er während des gesamten Gesprächs anschlägt.

Ömer, das Stehauf-Männchen – diesen Eindruck vermittelt der deutsch-türkische Abwehrspieler an diesem nebligen Oktobermittag: "Ich kann locker joggen und Krafttraining machen, habe relativ wenig Schmerzen. Ich bin zufrieden damit, wie sich meine Beweglichkeit entwickelt. Aber es dauert einfach noch ne Weile. Mit Fußballspielen hat das noch wenig zu tun."

Über die Ursache seines Leids, den Unfall auf der Kartbahn in Umkirch, will er nicht sprechen. "Ich finde, es bringt auch nichts, darüber nachzudenken, wie und ob dieser Unfall hätte vermieden werden können. Dadurch wird es nicht besser."

Seine Verletzungen und Verbrennungen, die vom Aufprall zweier Karts resultierten, waren schlimm. Sieben Mal wurde er operiert, die Ärzte führten an ihm Transplantationen mit Eigenhaut durch. Toprak sagt, er sei froh, dass er überhaupt wieder gehen könne. "Es war wirklich nicht ohne."

Knackpunkt: Der rechte Fuß

Entscheidend für das mögliche Comeback von Toprak wird sein, wie gut der Heilungsprozess im Sprunggelenk voranschreitet und wie die Narben am rechten Fuß verheilen. Dazu kommt, dass das Gelenk in den zwei Monaten, in denen Toprak ans Bett gefesselt war, ein wenig versteifte. Auch heute noch schmerzt die Stelle ab und zu. Wahrscheinlich steht noch eine Operation am Fußgelenk an.

Mutmacher

Vom Bett kam Toprak nach zwei Monaten in den Rollstuhl, und als er wieder gehen konnte, begann der Patient das Rehaprogramm in der Klinik, täglich von 8 Uhr bis 13.30 Uhr: Narbenmassage, Lymphdrainagen, Krankengymnastik. Während dieser Zeit erfuhr Toprak große Unterstützung von allen Seiten: Trainer, Ärzte, Familie, Freunde. Auch jene Freunde, die am Unfall beteiligt waren, haben Ömer regelmäßig besucht und Mut gemacht. "Ich bin morgens aufgestanden und habe erstmal ins Internet geschaut, ins Forum von Tim Schütz. Die vielen Genesungswünsche haben mir wahnsinnig gut getan."



Ömer Toprak, eines der größten Talente, das bisher aus der SC-Fußballschule hervorging, hat einen Alptraum durchlebt, den er mittlerweile, wie er sagt, ganz gut verdaut hat. "Ich bin recht optimistisch, dass es wieder klappt mit dem Fußballspielen. Nur wann, das kann ich leider nicht sagen. Auch kein Arzt. Ich setze mir keine Frist."

Blick nach vorne, nicht zurück

Es gab eine kurze Phase, in der Toprak Angst hatte, dass es mit dem Fußballspielen nicht mehr klappen könnte. Diese Phase sei überwunden. Toprak musste lernen, seinen Lebensrhythmus komplett umzustellen. Vom Jungprofi, der morgens in die Schule geht, mittags trainiert und um 19 Uhr nach Hause kommt, zum Verletzten, der ans Bett gefesselt ist und sich ablenken und seine Gedanken ordnen muss.

Und es gelingt ihm in dieser kritischen Phase, die Gedanken, die ihn in eine Depression hätten bringen können, auszublenden. Auch die Kartbahn, auf der er mit einem anderen Fahrzeug zusammenstieß, so dass ein Tank explodierte und Ömers Körper Feuer fing, den Ort also, an dem das Unglück seinen Lauf nahm, hat Toprak im Nachhinein nicht mehr besucht.



Langsam kam Toprak zurück ins Leben: Noch im Bett baute er die Armmuskulatur wieder auf, mit Terabandübungen, er sah sich die SC-Spiele im Fernsehen an. Inzwischen ist er schon so fit, dass er die Kameraden in der Kabine besucht und es ihn durchaus juckt, wieder mitzutrainieren.

Aber er weiß, dass er noch nicht so weit ist. Und wenn es nicht klappen wird? "Es gibt keinen Plan B. Aber ich könnte mir vorstellen, parallel zum Aufbautraining ein Studium zu beginnen", sagt Toprak. Erstmal will er noch seine mündliche Abiturprüfung in Spanisch nachholen. Und ein Jahr lang die Sonne meiden, denn die verträgt seine Haut noch nicht.

Vielleicht gibt es sogar so etwas wie eine positive Erkenntnis, die Toprak aus dem "Albtraum" gezogen hat. "Als ich in der Unfallklinik war", sagt er, "habe ich Schlimmes gesehen. Ich habe gesehen, wie es mir hätte ergehen können. Ich bin froh und dankbar für jeden Tag, an dem ich wieder Sport machen kann."

[Fotos: Weigend, Rock]

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