Zweiter Wahlgang

OB-Wahl in Freiburg: Wird Monika Stein zurückziehen?

Joachim Röderer

Nach dem Überraschungsergebnis bei der ersten Runde der Freiburger OB-Wahl positionieren sich Kandidaten und Unterstützer für Wahlgang zwei. Eine wichtige Rolle spielt, wie sich Monika Stein und ihr Linksbündnis entscheiden.

Noch ist offen, wer bei der OB-Wahl neben dem von der SPD unterstützten Martin Horn, Überraschungssieger am Sonntag, und dem auf Platz zwei abgerutschten Amtsinhaber Dieter Salomon (Grüne) in den zweiten Wahlgang zieht. 3,4 Prozentpunkte liegen die beiden Führenden auseinander. Stiege Monika Stein aus, würden ihre 26,2 Prozent an Stimmen frei. Als wahrscheinlichere Option gilt aber im Moment, dass die Kandidatin nach ihrem starken Ergebnis weitermacht.




In Parteien, Fraktionen und Unterstützerkreisen wurde am Montag nach dem ersten Wahlgang viel diskutiert und telefoniert. Sowohl Horn als auch Salomon haben angekündigt, Gespräche mit Monika Stein zu führen. Diese Gespräche haben offenbar am Montag bereits begonnen. Die Kandidatin will sich danach mit ihrem Bündnis zusammensetzen und am Mittwoch die Entscheidung treffen. An dem Tag endet um 18 Uhr die Bewerbungsfrist für den zweiten Durchgang.



Im Vorfeld habe es keine Absprachen mit anderen Kandidaten gegeben, heißt es aus Steins Umfeld. Drei Optionen gelten als realistisch: Monika Stein bleibt im Rennen – oder sie zieht zurück mit Wahlempfehlung für Martin Horn oder, Variante drei, ohne Empfehlung. Ihr Bündnis hat sich gegen OB Salomon positioniert, aber viele können sich offenbar auch mit Herausforderer Horn nicht anfreunden. Im Team Stein heißt es: Nach Salomons Aussage "Ich habe die Botschaft verstanden" müsse der Amtsinhaber erklären, was er verstanden habe. Und Horn müsse endlich konkreter werden und klare Aussagen jenseits von Floskeln machen.

"Wir stehen vor einer der schwierigsten Entscheidungen, die wir jemals treffen mussten" Irene Vogel
"Wir stehen vor einer der schwierigsten Entscheidungen, die wir jemals treffen mussten", sagt Irene Vogel, Stadträtin der Unabhängigen Frauen und Teil des Stein-Bündnisses. Sie ist skeptisch, ob im zweiten Wahlgang am 6. Mai ein noch besseres Ergebnis drin ist. Aber es spreche auch einiges für das Weitermachen. "Das ist die persönliche Entscheidung der Kandidatin", meint Michael Moos, Fraktionschef der Unabhängigen Listen. Auch er setzt auf die Gespräche. Bei den Facebook-Debatten der Stein-Unterstützer lässt sich eine Tendenz zum Weitermachen herauslesen. Eine prominente Stimme hat sich jedoch anders positioniert: "Jetzt mit voller Kraft Martin Horn unterstützen. Der Wechsel ist nötig und machbar", kommentierte am Montag bei Facebook Günter Rausch. Das ist der linke OB-Kandidat aus dem Jahr 2010.

"Er geht auf jeden Fall als Favorit ins Rennen" Julien Bender
Im Lager von Martin Horn geht man davon aus, dass der Herausforderer den zweiten Wahlgang auch gewinnen kann, wenn Stein dabei bleibt: "Er geht auf jeden Fall als Favorit ins Rennen", so SPD-Kreisvorsitzender Julien Bender. Mit Monika Stein werde es Gespräche geben. Sie sei professionell genug, ihre eigene Entscheidung zu treffen, so Bender. Die Wechselstimmung sei jedenfalls da.
Wie stehen die Chancen für Martin Horn und Dieter Salomon im zweiten Wahlgang? Welche Rolle spielt Monika Stein? Fragen an den Politologen Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung. Mehr dazu

Der grüne Kreisverband spürt nach dem Schock vom Sonntag eine Art Hallo-wach-Effekt: "Der Kampfgeist ist erwacht", beschreibt Kreisvorsitzende Ella Müller das Vorhaben, die Wahl noch zu drehen. Es gehe darum, wer die Stadt führen könne und wer der Verantwortung gewachsen sei. Beim CDU-Kreisverband stimme man sich intern ab, so Vorsitzender Peter Kleefass. Es gehe darum die Sachebene in den Vordergrund zu rücken und wohl auch um eine mögliche Unterstützung des Amtsinhabers.



Was machen die übrigen Kandidaten? Bei Anton Behringer (3,7 Prozent) steht nach eigener Aussage die Ampel auf Grün. Stephan Wermter (2,6 Prozent) überlegt noch, hat aber seine Kandidatenseite bei Facebook bereits gelöscht. Manfred Kröber (1,4 Prozent) denkt darüber nach, sich aus "innergrüner Solidarität" für OB Salomon auszusprechen.



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