NMUN: 20 Freiburger simulieren Politik

Philipp Aubreville

Man könnte Frank Sinatra bemühen oder Udo Jürgens, man kann das Kind aber auch einfach beim Namen nennen: New York. Die US-Metropole ist für 20 Freiburger Studenten der Abschluss- und Höhepunkt eines arbeitsamen Wintersemesters: Im April bereisen sie den Big Apple als Delegation der National Model United Nations (NMUN), um mit 4000 anderen Hochschülern den Alltag der Vereinten Nationen (UN) auf einer Konferenz zu simulieren.



"Klar, dass das Ganze in New York stattfindet, spielt natürlich auch eine Rolle." Maximilian Vogelmann studiert Soziologie und BWL und ist eines der Mitglieder der diesjährigen Freiburger Delegation der NMUN. Der ausschlaggebende Grund, an dem Planspiel der Vereinten Nationen teilzunehmen, sei jedoch ein anderer: "Als Soziologe ist man sehr theoriegeprägt. Bei NMUN lernen wir zwar auch einiges erstmal nur theoretisch, können und müssen es dann aber auch in die Praxis umsetzen."




Diese Umsetzung hört sich in ihrer konkreten Ausformung zunächst nach ziemlichem Rumgelaber an: Die Delegationen, die jeweils ein bestimmtes Land vertreten, treffen sich hierbei in verschiedenen Komitees wie dem Sicherheitsrat oder der Generalversammlung, um über "Themen der Weltpolitik" zu diskutieren – auf Englisch.



Allerdings hat diese Diskussion über "Themen der Weltpolitik" nicht viel mit dem teilweise aus universitären Seminaren bekannten Gestammel zu tun, die sich vielleicht mit dem Bonmot des Freiburger Historikers Ulrich Herbert – "Viel Meinung, wenig Ahnung" – umschreiben ließen: Um die Konferenz möglichst authentisch zu gestalten, müssen die aktuellen Positionen des jeweiligen Landes herausgearbeitet und präsentiert werden – und das setzt enorme Recherchearbeit voraus.



Die Freiburger Delegation vertritt in diesem Jahr Südafrika und beschäftigt sich entsprechend intensiv mit den außenpolitischen Standpunkten des Landes – kein leichtes Unterfangen, da Machtkämpfe innerhalb der Regierungspartei erst kürzlich zu einem Sturz des Präsidenten Thabo Mbeki führten. Sein Nachfolger Kgalema Motlanthe muss sich bereits im April den Neuwahlen stellen. Nicht gerade beste Voraussetzungen für klare Positionen.



Zum neunten Mal in Folge macht sich eine Freiburger Delegation auf den Weg nach New York. In dieser Tradition will man nicht nur inhaltlich vor Blamagen geschützt sein: In zwei wöchentlichen Sitzungen und einem Blockseminar lernen die 20 Studierenden auch rhetorische Kniffe und diplomatische Verhaltensweisen. Zusätzliche Arbeit macht die notwendige Organisation des New-York-Aufenthalts in Eigenregie. In vier Untergruppen beschäftigt sich die Delegation mit Öffentlichkeitsarbeit und vor allem mit der Finanzierung: 1600 Euro pro Nase kosten Flug, Unterkunft und Verpflegung sowie die Teilnahme an einem deutschen Planspiel zur Vorbereitung in Frankfurt.

"Zwar werden die Kosten zum Teil von der Universität und Stiftungen getragen, um das Ganze für uns finanzierbar zu machen, benötigen wir aber weitere Einnahmequellen", sagt Geschichtsstudentin Sara Weydner. Sie arbeitet im PR-Team der Delegation, die am 23. Januar eine NMUN-Party im Peterhofkeller veranstaltet.



Darüber hinaus versucht eine für Fundraising zuständige Gruppe Sponsoren und Förderer zu gewinnen: "Die Sponsoren investieren in den Nachwuchs und somit in die Zukunft. Sie erhalten außerdem die Möglichkeit, sich auf unserer alljährlichen Universitätspräsentation und auf unserer Homepage vorzustellen."

Die Teilnahme am Planspiel und seine Vorbereitung ist also arbeitsintensiv. Die zusätzliche Belastung lohne sich aber, findet Rebekka Großmann, die vergangenes Jahr nach New York reiste: "Der Aufenthalt bei den UN war eine einzigartige Erfahrung. Ich kann nur empfehlen, ebenfalls an dem Planspiel teilzunehmen!"

Das Sammeln von Erfahrungen ist neben einer Portion Idealismus auch die Motivation der diesjährigen Delegations-Mitglieder: "Die Vereinten Nationen stellen sich den größten Herausforderungen unserer Zeit: Friedenssicherung und Schaffung gerechter Lebensbedingungen. NMUN ermöglicht mir, mitzuerleben, wie diese anspruchsvollen Ziele verfolgt werden", sagt Politikstudentin Mareike Well.



Wer sich im kommenden Jahr ebenfalls einmal auf diplomatischem Parkett bewegen möchte, kann sich im Sommersemester bei einer Infoveranstaltung der Delegation informieren und gegebenenfalls bewerben. Mitmachen kann theoretisch jeder. So sind auch in diesem Jahr neben "typischen" Studiengängen wie denen der Rechts- und Geisteswissenschaften Studenten der Medizin oder Mikrosystemtechnik vertreten.

Mehr dazu:

Web: NMUN 2009 Delegation Freiburg
Was: NMUN-Party: Elektro, Cocktails, Wein aus Südafrika
Wann: Freitag, 23. Januar 2009, 21 Uhr
Wo: Peterhofkeller, Niemensstr. 10