Nightlife-Guru: Vollmondschwimmen im Basler Bachgrabenbad

Nightlife-Guru

Nachts ins Freibad einzubrechen, nur um bei Vollmond die 50-Meter-Bahn entlang zu kraulen, war unserem tendenziell hasenfüßigem Nightlife-Guru schon immer zu riskant. Deshalb freute er sich um so mehr, als das Basler Bachgrabenbad am Mittwoch zum Vollmondschwimmen einlud. Und? Is' so was geil?



Jungs und Mädels an der Tür

Die Dame im Kassenhäuschen bestätigt, dass an diesem Sommerabend länger geöffnet ist und kassiert die 6 Schweizer Franken Eintritt ein. Das Rückgeld gibt sie mit einer Bewegung raus, die mich erahnen lässt, dass so ein Sommer am Eingang eines Freibads zwar nicht viel Abwechslung, dafür aber Routine bringt. Der begleitende Gesichtsausdruck gibt nicht final preis, ob sie Abwechslung vorgezogen hätte. Ist ja auch schon spät, vielleicht ist es die ungewohnte Arbeitszeit.

Einrichtung und Deko

Da liegt es vor uns: Das Gartenbad Bachgraben, in seiner vollen Größe (das größte Freibad der Schweiz, nimmt man nur solche, die nicht an einem Gewässer liegen), keine herumrennenden Kinder, keine gestressten Eltern und niemand verliert Pommes, auf die wir barfuß treten könnten. Weil niemand da ist.

Na gut, ein junger Mann schlüpft vor der Wand aus Spinden in seine Jeans und zwei Männer in Uniformen der Security-Firma spazieren gemütlich über die Wiese, langweilig verdientes Geld.



Zweckmäßige Bauten, die die Eleganz der 1960er erahnen lassen, ein Kunstwerk aus Beton, Bäume groß und klein und dazwischen viel Gras empfangen uns. Wohin mit der Decke, wenn man alle Optionen offen hat? Die Entscheidung fällt im Einklang mit der kulturell erlernten „öffentlichen Distanz“ von einer handvoll Metern zum nächsten Handtuch, nicht zu nah, aber mit der Versicherung, nicht allein zu sein.

Ich sehe mich um und suche die Deko. Ich finde Fackeln, einmal rund um das Schwimmerbecken geht die flackernde Reihe und spendet Licht, ohne vom Wesentlichen abzulenken.

Wer war da?

Das Wesentliche ist der Schwimmsport, das wird schnell klar. Wer um diese Zeit in der Badi - so sagt man hier - ist, meint es ernst: ein kühler Spätsommerabend, abseits des beschwimmbaren Rheins, an dessen innerstädtischem Ufer zeitgleich wahrscheinlich die Ghettoblaster um die Wette blasten, eine bewusste Entscheidung für möglichst viele ungestört geschwommene Bahnen im 50-Meter-Becken.

Ein paar Jungs, bei denen die Pubertät zaghaft anklingelt, springen vom 3-Meter-Brett, ältere Damen halten sich mit gelenkschonendem Wassersport fit, und Pärchen genießen die Ruhe vor dem Kinderkriegen.



Eine Familie wird gesichtet, nicht zuletzt dank des neonlachsfarbenen Bikinioberteils der Tochter. Sollte man vielleicht einführen für Veranstaltungen, die in der Dämmerung stattfinden, dann gibt es weniger Durchsagen, in denen die kleine Melanie beim Bademeister auf ihre Eltern wartet. Alternativ der kleine Torben. Okay, Schweizer Kinder heißen anders. Back to topic.

Partyatmosphäre und Klangwagen-TÜV

I believe I was promised a party. Aber eigentlich war ich nur grundlos voreingenommen, denn eine Party wurde an keiner Stelle angekündigt. Die Atmosphäre ist entspannt, ruhig, ein lauer Sommerabend, an dem man keine Bekanntschaften machen will, sondern mit bereits Bekannten Schach spielt und sich anschweigt. Auch mal angenehm.

Das beruhigende Plätschern aus dem Pool vermischt sich mit Leierkastenmusik [sic!], die vom Restaurant über das Gelände dringt. Verstörend, bis man sich der Situation hingibt und in beiläufigem Wehmut anerkennt, dass früher alles besser war.

Natürlich muss ich den Leierkastenmann erst sehen, bevor ich es glaube. Er steht auf der offenen Restaurantterrasse und ist echt. Immer für eine Überraschung gut, diese Welt.

Catering und Getränke

Es gibt verschiedene Arten von Würsten, sogar urdeutsche Currywurst hat ihren Weg auf die Karte des eidgenössischen Kiosks gefunden, daneben Eis am Stiel, die Pflicht-Pommes und den üblichen Süßkram, vor dem Grundschulkinder ihr Taschengeld in Frösche und Schlangen umrechnen und der Verkäuferin Gelegenheit bieten, ihre Geduld unter Beweis zu stellen.

Gemischte Tüte ftw! Aber für mich gibt es heute nur Eistee. Kalte Ovomaltine und die gewohnte Palette eines Soft-Drink-Monopolisten stehen auch zur Auswahl.



Aufregerle

Der Tag war heiß, doch mit Sonnenuntergang kühlt es schnell ab und leicht bekleidet im feuchten Gras Baumsilhouetten von langsam laufenden Menschen Unterscheiden macht nur mittel-spaß. Für eine Erkältung ist es zu früh! Die Temperaturgottheiten erhören mich nicht.

Aufheiterle

Eine gemischte Gruppe aus jungen Rentnern und kurz vor der Pensionierung stehenden Arbeitnehmern sitzt auf der Terrasse des Restaurants und lacht einen Mann mit Maske aus. Er erzählt, seine Frau habe sie ihm gekauft, er sei schöner so. Elegant gelöst. Nicht. Aber gelöst.

Um 22 Uhr auf dem Klo

Aus dem nächtlich-dunklen Garten stolpere ich in das das von Neonlicht geflutete WC und versuche, nicht zu erblinden. Ich bilde mir ein, das wäre im Rahmen des Möglichen, da sonst nichts Spannendes passiert.



Fazit

Letztendlich muss ich zugeben, dass mir die Unaufgeregtheit, mit der sich die Badbetreiber einen möglichen Event entgehen lassen, sehr sympathisch ist. Es ist Vollmond, man kann schwimmen, das Restaurant hat geöffnet. Wer Getränke konsumieren will, deren Kronkorken aus einer schnöden Wiese beim barfuß Durchrennen eine Mutprobe machen, sollte eine passendere Location finden.

Auch, wer Freibad nur mit Handymusik auf voller Lautstärke kann, ist hier falsch. Entspannte Schwimmerinnen und Schwimmer, die auch um zehn noch eintrudeln, haben hier die schöne Gelegenheit, ganz ohne Strafanzeige nachts zu Schwimmen.

Wie viele diese Möglichkeit nutzen, kann ich schwer beurteilen, da es bald so dunkel ist, dass ich mir ebensogut vorstellen kann, mir das Bad mit der handvoll Leuten zu teilen, die schon bei meiner Ankunft da war, wie auch die Vorstellung realistisch ist, dass in jedem Gebüsch ein Spanner sitzt und sich langweilt.

Sehr entspannt verlasse ich die Badi Bachgraben. Für die Vollmondbar bin ich leider zu durchgefroren.