Nightlife-Guru: Tunnel Noize bei Tiengen

Nightlife-Guru

Ja, es gibt sie noch, diese geilen, inoffiziellen Technopartys, irgendwo in der Pampa, erreichbar nur über Mundpropaganda oder krude Handzettel. Solch einen hat auch unser Nightlife-Guru in die Finger bekommen. Wohin er Samstagnacht fahren sollte, darüber musste er dann nicht mehr lange nachdenken.



Der Weg zur Tür

Schwierig ist nicht, an den Mädels an der Kasse vorbeizukommen, sondern den Partyort überhaupt erst zu finden. Alles, was wir haben, ist ein winziger, schlecht kopierter Schwarzweiß-Flyer mit einer recht interpretationsfähigen Wegbeschreibung für die Location. Wir fahren gegen Mitternacht in Freiburg mit dem Fahrrad los, Richtung Tiengen, lassen das Keidelbad rechts liegen, überqueren die Autobahn und biegen dann irgendwann ab ins Maisfeld.

Freunde von Stephen King-Romanen kommen in den Nebelbänken, die unsere Velolichter nur etwas einen Meter weit durchdringen, voll auf ihre Kosten. Angsthasen pfeifen alte Eiffel 65-Hits, um einer mittleren Panikattacke zu entgehen. Nach einigem Hin und Her und aufmerksamem Hinhorchen finden wir die Location: Ein stillgelegter Fußgängertunnel unter einer Schnellstraße.

Wir schieben die olivgrüne Abdeckplane beiseite und werden von drei netten Mädels angegrinst: "Fünf Euro, bitte!"



Inneinrichtung & Deko

Der Tunnel ist knapp hundert Meter lang und vielleicht zehn Schritte breit. Die Wände sind von Graffiti bedeckt. An den Wänden stehen vereinzelte Bierbänke. Die Tanzfläche befindet sich im hinteren Drittel des Tunnels, direkt anschließend kommt die Bar. Der andere Ausgang des Tunnels ist nur für die Veranstalter begehbar. Die Beleuchtung, ein paar Discolichter, dimmt angenehm minimal, dazu Kerzen.

Wer war da?

Eine altersmäßig wie charakterlich gut durchmischte Partycrew, am Anfang etwa 50 Leute, zur Peaktime gut 100. Ein paar gestylte Ravechicks mit Markenklamotten, ein paar Verstrahlte, eine Handvoll Veteranskis, Glatzen mit Sonnenbrillen. ein Rollifahrer, Technofreunde aus dem Elsass und ein cooler Typ, den der fudder-Leser aus einer der letzten Stilfragen kennt.

Partyatmo & Klangwaren-TÜV

An den Plattentellern stehen bekannte Gesichter aus der Freiburger Technoszene, außerdem ein lässiger DJ aus Hamburg (Kevin G.?), der lustig an den Fadern rumfuddelt und erste Höhepunkte auf den Tunnelschotter (=Tanzboden) zaubert. Auch das Set von Knochenmarc kann sich hören lassen.

Sky and Sand von Paul Kalkbrenner bildet den vielleicht wärmsten Moment der Party, die ansonsten geprägt ist von eher härterem Sound, Tunnel Noize eben. Die Schranzgrenze wird aber nie überschritten (oder vielleicht erst nach Sonnenaufgang, den wir aber nicht mehr mitbekommen). Man bleibt im Bereich der gepflegten, elektronischen Hypnose. Ein heißes Pendel, das in dieser wunderbaren Augustnacht über die Tiengener Felder schwingt.



Catering

Bier, stramm gemixte Vodkabulls und Wasser in Halbliterflaschen, alles zu zivilen Preisen. Auf der improvisierten Bar stehen Schalen mit Traubenzucker.

Morgens um halb drei auf dem Klo

Klo is nich, ab in den Mais!

Aufregerle

Die allzu Aufgedrehten, die auch jedes Mädel ernsthaft fragen: "Eh, bisch du der Olli?"

Aufheiterle

All night long.

Fazit

Vielen Dank an die Organisatoren dieser wunderbaren Old School Party, die ja eigentlich eine Geburstagsfete war. Baden braucht mehr von solchen Geschichten! Man verließ den Tunnel mit einem Strahlen im Herzen, das weitaus heller ist als all die teuren Lichtanlagen der Freiburger Cityclubs.

Mehr dazu:

[Fotos: Simone Höhl]