Nightlife-Guru: Tour de France im E-Werk

Nightlife-Guru

Eine Tour durch die Musikgeschichte Frankreichs, von Pink Martini bis MC Solaar: Der Münchner DJ Thomas Bohnet versteht sich als Botschafter unserer linksrheinischen Nachbarn. Im E-Werk ging er am Freitag auf "Voyage Voyage", unser Nightlife Guru war einer der wenigen Passagiere.



Die Jungs an der Tür

Das ist ja einfach: Wer verstanden hat, an welcher Glastür gedrückt und an welcher gezogen wird, der ist auch schon drin im Clubbing à la française. Türsteher gibt’s heute Abend nicht, dafür eine nette junge Dame an der Kasse, die sehr charmant um die - für Freiburg - happigen sieben Euro Eintritt bittet.

Dafür bekommen wir ein Sternchen aufs Handgelenk und die Garderobe ist umsonst. Im Laufe des Abends wurde der Eintrittspreis auf fünf Euro gesenkt, was für die, die früh kamen echt ärgerlich, aber ansonsten eine gute Idee war.



Inneneinrichtung/Deko

Hier kann man atmen. Das E-Werk ist mit seinen hohen Räumen, den Stahlträgern und den weiß getünchten Betonwänden in seiner Klarheit immer wieder angenehm. Keine bedrückenden Kellergewölbe, in denen schwitzende Massen um die Restvorkommnisse an Sauerstoff konkurrieren müssen.

Trotz des kühlen Industrialstyles lässt einen die Location nicht kalt. Zwei Leuchter aus Goldpailletten sind die dominierende Lichtquelle, die gleichzeitig für Lichtreflexionen an den leeren Wänden sorgt. Ihr warm blitzendes Licht wird von Kerzenschein unterstützt. Auch hier folgt man dem industriellen, fabrikativen Stil.

Gerne lässt man sich in die schwarzen, und weißen ledernen Sitzgelegenheiten fallen pour prendre un deuxième tour.



Wer war da?

Am Anfang so gut wie niemand. Nach und nach trudelt die frankophile Gemeinschaft Freiburgs ein – wir wussten nicht, dass die so klein ist! Wo sind sie denn alle? Im Urlaub in Frankreich, oder was? Wer in der Uni je ein romanistisches Seminar besuchte, in der Schule den Französischleistungskurs belegte oder seine seitdem versunkenen Sprachkenntnisse in einem VHS-Kurs aufbessern wollte, kennt das Phänomen: 75 bis 80 Prozent der Anwesenden sind weiblich!

Da macht der Tour de France-Abend keine Ausnahme. Hier tanzt Frau. Außerdem fällt das eher gehobene Alter auf. Es ist das savoir vivre, das diese Gruppe schätzt und vereint. Viele Studenten und Lebensstudenten. Leicht bohémien, im Sinne von Künstlerwelt, verbummeltem Genie aber ohne Arroganz – liebenswürdig.



Catering und Getränke

Dass an einem Abend mit französischer Musik im E-Werk portugiesischer Wein angeboten wird, ist schon ein Armutszeugnis. Da wäre ein bisschen Mitdenken von Seiten der Organisatoren schön gewesen. Außerdem stehen der unausweichliche badische Spätburgunder und ein Italiener auf der Standard-Karte. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Mehrheit Bier für 2,50 Euro trinkt.

Der portugiesische Wein kostete 4 Euro, die beiden anderen 3,50 Euro. Gin Tonic gibt es für 4,50 Euro, wird aber nur selten bestellt.



Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Party? Davon ist zunächst herzlich wenig zu spüren. Schließlich, immerhin doch noch vor Mitternacht, lassen sich einige von dem beharrlichen Tanz einer Einzelkämpferin auf der Tanzfläche anstecken. DJ Thomas Bohnet hatte alles dabei: Louise Attaque, Cali, natürlich "Voyage Voyage" von Desireless und einige aktuelle Elektro-Stücke. Und jeder, der nun berechtigterweise stutzt, sei hier eines Besseren belehrt: Ja, Robbie Williams spricht auch französisch oder singt es zumindest. Sein Hit heißt dann ganz einfach L’Amour suprême!

Eine ausgelassen tanzende Menge braut sich an diesem Abend allerdings nicht zusammen. Zwar ist die Stimmung gut und die Klassiker werden dankbar angenommen, doch der Raum ist zu groß oder die Zahl der Besucher zu gering. Wo ist die frankophile Szene Freiburgs?

Das fragt sich auch Thomas Bohnet, der ausschließlich CDs auflegt. Hin und wieder verlässt er seinen Platz, um sich ein kühles Bier zu holen. So richtig ins Schwitzen kommt allerdings niemand.



Auf dem Klo um halb drei

Nicht viel los hier, was zu erwarten war. Abenteuerlich ist allerdings der Weg zu den Toiletten, durch eine schwere Stahltür und vorbei an Kellerabteilen.

Aufregerle

Ab 2 Uhr wird es leerer auf der Tanzfläche. Die ersten packen ihre Jacken und gehen. Warum jetzt schon?

Fazit

Es hätte ein gelungener Abend werden können: schöne Location, gutes Publikum – nur eben zu wenig. Schade, denn die Reise durch die französische Musikszene war durchaus gelungen. Vielleicht lag es am stolzen Preis und der widersprüchlichen Datumsangabe in der Badischen Zeitung. Dem sympathischen DJ Thomas Bohnet hätten wir mehr Publikum gewünscht.

Mehr dazu:

fudder.de: Serie Nightlifegurus