Nightlife-Guru: Tatort in der MensaBar

Nightlife-Guru

Der Internationale Club des Studentenwerks überträgt in der MensaBar allsonntäglich den Tatort. Und weil unser Nightlife-Guru noch nichts zu Abend gegessen hatte, begab er sich gestern spontan dortin. Was er aufgetischt bekam? Einen Teller Suppe und eine kleine Portion Spießigkeit und Gemütlichkeit.



Die Jungs an der Tür

In Jacke und Kapuze gehüllt stehen spärlich ein paar Wartende vor dem Eingang der Mensa. Es ist kurz vor 20 Uhr. Glücklich sind die, die schon vollzählig sind und hineingehen dürfen. Dezemberwetter. Am Eingang sitzt eine junge Dame an einem kleinen Tisch und kassiert 2 Euro. Wie selbstverständlich drückt sie auch jedem einen weißen Zettel in die Hand: „Für den Mörder.“

Wer war da?

Kurz vor Beginn des Tatorts dann sehr viele: junge Leute, wahrscheinlich weit weg von zu Hause, alle auf der Suche nach einer kleinen Portion Spießigkeit und Gemütlichkeit. Meist Gruppen. Paare scheinen es eher vorzuziehen, den Tatort in trauter Zweisamkeit daheim anzusehen - jedenfalls sehe ich kaum ein haltendes oder gehaltenes Händchen.

Inneneinrichtung und Deko

Halt die Mensabar. Schwierig, hier so was wie Wohnzimmerromantik reinzuzaubern. Aber man gibt sich Mühe. Mal abgesehen von den orangefarbenen Plastikstühlen, entsteht tatsächlich im Flimmern des Films ein Gefühl des Daheimseins. Die dicht aneinandergestellten Stuhlreihen schaffen Nähe. Auf den Tresen der Bar flackern sogar Kerzen. Aber schließlich ist ja auch Zweiter Advent ...



Programmcheck

Das Programm wird erwartungsgemäß durch den Tatort bestimmt. Eine nette Einstimmung gibt es dennoch vorneweg. Während im Hintergrund die letzten Sekunden der Tagesschau laufen (das Wetter), tritt ein gut gelauntes Mitglied des Internationalen Clubs auf die Bühne, schnappt sich ein Mikro und erklärt die Spielregeln des kleinen Ratespiels. Es gibt nämlich was zu gewinnen! Eine halbe Stunde vor Schluss darf jeder auf den weißen Zettel, den es an der Kasse gab, seinen Tipp für den Mörder abgeben. Wer richtig liegt, hat am Ende die Chance, sich seine Unicard mit 6 Euro aufwerten zu lassen. Der zweite Gewinner bekommt immerhin auch noch 3 Euro gutgeschrieben.

Und dann kommt der große Moment: Die Lichter gehen aus, der Sound wird aufgedreht und alle folgen erwartungsvoll der berühmten, wohlbekannten Melodie von Klaus Doldinger. Einmal noch abschalten, bevor sich der Montag mit Riesenschritten nähert.

Auf dem Klo

Da war wohl niemand. Wer geht schon bei einem Krimi ohne Werbeunterbrechung auf die Toilette?

Aufregerle

Was ist noch heimeliger als der Tatort? Richtig – Suppe. Nach einer guten Stunde ist von irgendwo vorne links ein „Die Suppe ist jetzt fertig“ zu hören. Gerade als man sich fast ein bisschen wie daheim fühlt, wird dieses Gefühl jäh unterbrochen. Wie auf Kommando stehen fast alle auf und sprinten zur Suppenausgabe. Schnell bildet sich eine Menschenreihe, die sich am gesamtem Tresenverlauf entlangschlängelt. Wenn dann alle ihre Suppe ausgelöffelt haben, werden die Schüsseln auf den Boden gestellt. So kommt es, dass ungefähr alle fünf Minuten jemand mit seinen Füßen dagegenscheppert. Ist nämlich erst einmal die Unruhe da, stehen immer wieder Leute auf, um sich an der Bar Bier oder Cola zu kaufen.



Anregerle

Paradoxerweise auch die Suppe. Hat man sie erstmal in der Hand und atmet den warmen Geruch von flüssigem Gemüse ein, kommen Bilder von Kamin, Wärme und Elternhaus in einem hoch. Ein fast perfektes Tatorterlebnis. Nach Ende des Krimis werden auf der Bühne noch schnell die Gewinner gezogen, was sehr lustig ist, weil niemand so richtig weiß, wer diesmal eigentlich der Mörder ist. Es werden verschiedene Lösungsmöglichkeiten im Publikum herumgerufen, bis man sich dann einigt: der Chauffeur soll es wohl gewesen sein.

Fazit

Wer die Faszination des Tatorts einmal hautnah miterleben möchte, ist hier genau richtig. Junge, internetaffine Menschen kommen zusammen, um ein wahres Fernseh-Urgestein zu erleben. Dabei geht es vielleicht gar nicht so sehr um die Handlung an sich, sondern vor allem um das Erleben eines Rituals, das wohl viele von zu Hause aus kennen.

Durch das kleine Rahmenprogramm bekommt die Veranstaltung auch etwas Event-Charakter. Die gute Bild – und Soundqualität, und natürlich auch die Suppe, machen die 2 Euro Aufwandsentschädigung wett. Man bekommt ganz einfach einen netten, unkomplizierten Abend unter Leuten geboten.