Nightlife-Guru: Tanztee mit Mr. Smith im Finkenschlag

Nightlife-Guru

Nach der Redshape-Sause im Drifter's in der Nacht auf Samstag verlangte es den Nightlife-Guru am Rest des Wochenendes nach aktiver Erholung. So verschlug es ihn am Sonntagnachmittag nach Haslach, wo das Freiburger Tanzkollektiv pvc vergangen Sommer seine neue Heimat im 'Finkenschlag' gefunden hat. Auf dem Programm: "Tanztee mit Mr. Smith". Wie's dem Nightlife-Guru diese Tanzfläche gefallen hat:



Die Jungs an der Tür

Unter strahlend blauem Himmel und bei eisiger Kälte empfängt Haslach mich und meine Begletung an diesem schönen Sonntag Nachmittag. Unübersehbar zwischen den schmucklosen Einfamilien- und Reihenhäuschen der Damaschkestraße liegt der Finkenschlag.

Der Eingang wird von einem enormen Bretterbau umrahmt – ein Überbleibsel einer früheren Veranstaltung. Ihren roten Teppich rollt die Außenstelle des Freiburger Theaters heute für Tanzbegeisterte von nah und fern aus. Hereinspaziert also, zum „Tanztee mit Mr. Smith“! Türsteher? Hier doch nicht. Denn erstens ist der Eintritt kostenlos und zweitens ist jeder willkommen. Alter, Outfit und Herkunft spielen keine Rolle, die Begegnung mit dem Anderen ist Teil des Konzepts.

Inneneinrichtung und Deko

...variieren hier von Mal zu Mal. Die Deko im Finkenschlag setzt sich aus Überbleibseln aktueller und vergangener Veranstaltungen zusammen und bietet immer etwas Neues zum Entdecken. Heute: Fotos und kurze Texte der jungen TänzerInnen der School of Life and Dance, die am Vorabend Premiere feierten. Dazu jede Menge Schaumstoffvögel, die kopfüber von der Decke hängen, ein rosa Plüschsofa zum Ausruhen und ein bisschen Grünzeug fürs Auge. Für die motivierten Tänzer besonders wichtig: das Vorbild in Form einer Videoprojektion. Ein Schwarz-Weiß-Film aus den Dreißigern von Regisseur und Choreograph Busby Berkeley sorgt für kunstvolle Inspiration und macht Lust, nun endlich selbst das Tanzbein zu schwingen.

Wer war da?

Tanzfans von weit und fern. Wer aus der Haslacher Nachbarschaft und wer von der anderen Seite des Bermudadreiecks stammt, ist schwer auszumachen. Tatsache ist jedoch, dass meine Begleitung und ich das Durchschnittsalter deutlich senken. Schade eigentlich, denn der Nachmittag soll laut Programm generationsübergreifend sein. Aber der Tanztee ist, wie alle Events im Finkenschlag, halt jedes Mal anders – erklären mir die, die nicht zum ersten Mal da sind und es dementsprechend wissen müssen. Letztes Mal fühlten sich die Vertreter der Generation 50+ einsam, dieses Mal ist es eher anders herum.

Immerhin kann man so einiges lernen, denn bei mehr als dreißig Jahren Erfahrung im Gesellschaftstanz sitzen die Schritte und es wirbelt nur so über die Tanzfläche. Neben den tanzwütigen Gästen ist natürlich auch „Mr. Smith“ persönlich mit von der Partie: Der Choreograph der Freiburger Tanzkompanie pvc sorgt dafür, dass auch die Alten Hasen des Paartanzes noch etwas Neues lernen.

Programmcheck

Der Finkenschlag ist keine herkömmliche Tanzschule und der Tanztee auch keine Tanzstunde. Es geht nicht darum, Schrittkombination um Schrittkombination zu lernen, sondern ein Gespür für die Musik und die Bewegung zu entwickeln. Deshalb sind Vorkenntnisse auch nicht zwingend erforderlich. Ich bin eher in anderen Formen der Bewegung auf Tanzflächen geschult, und trotzdem habe selbst ich am Ende des Nachmittags das Gefühl, dem Tango näher gekommen zu sein.

Einen Partner mitzubringen ist sicherlich von Vorteil. Es geht aber auch ohne, denn eigentlich soll jeder mal mit jedem tanzen. Und die Musik? Variiert genauso wie Deko und Publikum im Finkenschlag, also regelmäßig. Dieses Mal gibt's viel Tango, etwas Swing und ein bisschen Latin-Flair.



Auf dem Klo

...gibt's ein Klo, einen silbernen Mülleimer und viele bunte Bilder, signiert vom kleinen Lyam: abstrakte Kunst in Tusche und Wachsmaler mit sorgfältig gesetzten Glitzereffekten.

Catering und Getränkekarte

Das „Tee“ im Titel der Veranstaltung kommt nicht zu kurz. Wer das müde Tanzbein ausruhen möchte, der macht es sich in einem der Retro-Sessel gemütlich und erholt sich bei Tee, Kaffee und Stollen. Das ganze serviert in fein-goldenen Tässchen, wie hübsch!

Aufregerle

Die Spiegel! Damit die engen Räumlichkeiten der ehemaligen Kneipe ein wenig Ballsaal-Flair annehmen, lehnen ringsum mannshohe Spiegelwände. Da es bei zeitweilig einem Dutzend Menschen im Tanzrausch recht eng auf der Tanzfläche wird, ist das Anecken vorprogrammiert. Dreimal müssen an diesem Nachmittag Tänzer vor den angriffslustigen Spiegeln gerettet werden! Gut, dass im Finkenschlag vieles provisorisch ist. Denn so sind auch die Spiegel keine echten, sondern mit Folie beklebte – und daher nur mehr oder weniger spiegelnde – Attrappen.

Aufheiterle

Der Tanz an sich. Denn er ist eine tolle Möglichkeit, dem Alltag zu entwischen, loszulassen und den Kopf frei zu bekommen. Es dauert einen Moment, bis man sich auf die Musik und den unbekannten Tanzpartner eingelassen hat, aber dann kann man sich wunderbar tragen lassen und geht schließlich deutlich beschwingter nach Hause, als man gekommen ist.

Fazit

Für alle, die Spaß an Tanz und Bewegung haben, oder einfach Lust, etwas Neues auszuprobieren, ist der Tanztee unbedingt zu empfehlen. In der Haslacher Nachbarschaft nimmt diese alte Traditionneue Formen an und ermöglicht, den Sonntag Nachmittag auf andere Art und Weise zu verbringen. Gleichzeitig eine gute Gelegenheit, um den Finkenschlag und die Arbeit von pvc in Haslach kennenzulernen.