Nightlife-Guru: T-Club @ Freiburg-Bar

Nightlife-Guru

"T-Club - The return of house" stand gestern Abend auf dem Veranstaltungskalender der Freiburg Bar. In Erwartung eines Abends mit Oliver Sylo und DJane Ana S! Deluxe hinter den Plattentellern fand sich unser Guru im Club in der KaJo ein - und wurde leider enttäuscht. Denn der Thursday-Club fiel aus. Wie's bei dem Nicht-Event war:


 

An der Tür...

Kein Selector in bemerkenswerter, Filme zitierender Aufmachung, der mich schon von weitem seinem prüfenden Blick unterzieht. Keine Gruppe aufgetusster ich-finde-mich-sexy-Mädchen, die hysterisch in ihr Handy schreien. Keine Raucher. Ohne Probleme betrete ich die Freiburg-Bar.

Inneneinrichtung & Deko

Die Betreiber der Freiburg-Bar sind sichtlich bemüht, es ihren Gästen so gemütlich und stylisch zugleich zu machen, ohne deren Stilvorstellung, wie es in einer Bar auszusehen hat, zu erschüttern. Klassischer Tresen mit ein paar Barhockern, Holzgarnitur, ein bisschen rustikal, alles wirkt sehr rot, plüschig und puffig. Das gedämpfte Licht trägt ein Übriges dazu bei. Es soll eine behagliche Atmosphäre schaffen.

Tut es auch. Man müsste nur noch rauchen dürfen. Denn erst durch die vielen Rauch- und Staubpartikel in der Luft entsteht dieser diffuse Lichtschein, in dem die Gäste allmählich versinken, je fortgeschrittener die Stunde. Dem ist jedoch nicht so. Ich erkenne deutlich das Gesicht meines Gegenübers.

Wer war da?

"Apparently, I didn't feel ready to kiss him..." Diese Worte entstammen dem zarten Kirschmund einer jungen Frau mit brünettem, lockigem Haar. Sie ist Anfang zwanzig, trägt ein kurzes Jeansröckchen und einen schwarzen Rollkragen-Sweater. Ihr Blick ist melancholisch, schwermütig, ich glaube, Tränenglanz in ihren Augen zu erkennen. Ihre Freundin hingegen ist blond. Sie trägt ein wenig zu weit ausgefallene Khaki-Hosen und eine dieser Sport-Multifunktionsjacken. US-amerikanische (Austausch-)Studentinnen, die sich zurückgezogen haben, um sich über Jungs auszutauschen. In diesem Fall über den einen Kerl, den die Frau mit dem Kirschmund nicht beziehungsweise noch nicht zu küssen bereit war.

Sie fasziniert mich so sehr, dass ich beinahe den Rest der Crowd vergesse. Ein paar Vollbartträger mit übergrossen Breitrandbrillen lehnen am Tresen. Ein muskulöser Endzwanziger in schwarzem Longsleeve-Shirt, das ein silberfarbenes Tribal-Muster überzieht, sitzt auf einem Barhocker. Die Frau neben ihm passt sehr gut zu seinen Tribals. Ü-Dreissiger in schwarzen Hemden, zugeknöpft bis an den Adamsapfel hoch sind auch vorhanden genauso wie ein paar Studi-Mädels vom Typ "Bille": zarte Nickelbrille mit rötlich schimmerndem Gestell, ordentlich zurückgekämmtes, zum Pferdeschwanz gebundenes Haupthaar, Jeans, Bluse, braune Lederschuhe, dem Wetter angepasst.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

Von Fern dringt ein leises Zischen an mein Ohr. Es schwillt an und verunmöglicht mir, am Gespräch der beiden Ami-Mädels passiv teilzuhaben. Das Zischen vermischt sich mit einem crispen Knacken, einem dumpfen Ploppen und Bässen voll rustikal-rumpelnder Schroffheit. Hört sich mit der Zeit irgendwie nach Carsten Nikolai, Frank Bretschneider und dem ganzen Raster/Noton-Kram an. Macht durchaus Sinn, die Partynacht mit einem Sound zu starten, der auch ein ganz gewöhnliches Umgebungsgeräusch sein könnte. Ist es in diesem Fall auch. Die Gastro-Spülmaschine arbeitet auf Hochtouren.

Glockenähnliche, gläsern transparente, zerbrechliche Klangwolken ziehen auf und vermengen sich mit diesem experimentellen Rauschen. Das ist doch nicht etwa Hendrik Weber, der unter seinem Pantha du Prince-Alias eine starke Affinität zu ephemerem Glöckchengeläut entwickelt hat? Würde mich schwer verwundern, zugleich aber auch freuen, seine Musik am heutigen Abend zu hören. Die Quelle dieser Geräusche ist jedoch eine Angestellte der Freiburg-Bar, die leergetrunkene Bier-und Cocktailgläser abräumt und zusammenstellt.

Auf einmal erfüllen Synthesizer den Raum. Viele Synthesizer. Süssliche Synthesizer. Darüber erklingt eine knödlige Stimme. Eine Mischung aus Vangelis, Enigma und Herbert Grönemeyer. Der Barkeeper dreht die Lautstärke hoch. Irgendwer muss ja für die clubtaugliche Atmosphäre sorgen. Oliver Sylo und DJane Ana S! Deluxe werden heute Abend nämlich nicht mehr aufkreuzen. Die Rückkehr zur House-Musik wurde vertagt. Organisatorische Probleme, erfahre ich später. Also kein 80er-Jahre Acid House wie "Acid Tracks" von Phuture. Auch kein Jersey-Garage-Klassiker wie "The Shelter" von Kerri Chandler.

Catering & Getränke

3,80 Euro für ein Heineken in der Flasche? Du lieber Gott! Muss wohl eine limited edition mit handgeklebtem Etikett sein, das mir da ausgehändigt wird. Entsetzt schaue ich den Barkeeper an. Er mich übrigens auch. Hat wahrscheinlich Angst, dass ich die Zeche nicht bezahlen werde. 4,50 Euro kostet der Martini. Bianco, rosso, was auch immer. Pur. Genauso auch der Vodka. Kein Kampfpreis. Aber dafür sollten die Drinks auch wenigstens gekühlt sein. Mein Bier ist fusswarm. Deswegen bekommen's auch die Osterglocken.

Auf dem Klo um halb zwölf

Mir geht langsam auf die Nerven, dass auf Freiburgs Clubtoiletten nie etwas passiert. Keine schlüpfrigen Gespräche, kein Sex. Noch nicht einmal Lines werden gezogen. Langweilig.

Aufregerle

Die nicht stattgefundene Party. Das Nicht-Event. In Zeiten sozialer Netzwerkplattformen könnten Ladenbetreiber, Veranstalter oder DJ einen kurzen Hinweis geben, dass das Event nicht stattfinden wird. So musste ich meine Wohnung verlassen, mit Menschen reden und hätte in dieser Zeit besser ein Buch lesen können.

Aufheiterle

Etwa fünf, sechs Leute, die nach mir die Freiburg-Bar betreten, fragen nach der House-Party. Dem Anschein nach herrscht in Freiburg eine grosse Nachfrage nach dieser komischen Musik. Beim sechsten (oder siebten) Gast knallt ihm der Barkeeper ein "Heute keine House-Party" vor den Latz. "Ich will auch nur ein Bier trinken", antwortet dieser völlig verwirrt.

Fazit

Wer donnerstags auf der Suche nach Gemütlichkeit ist, wie sie nur in Deutschland gelebt werden kann, ist in der Freiburg-Bar bestens aufgehoben.

Mehr dazu:


    [Foto: fudder-Archiv]