Nightlife-Guru: Super Schwarzes Freiburg im Hans-Bunte-Areal

Nightlife-Guru

Wenn er an "Gothic" denkt, denkt der Nightlife-Guru an Marilyn Manson – er ist nicht so drin in der Thematik. Am Samstag hat er sich trotzdem seine schwärzesten Klamotten rausgesucht und ist zum Hans-Bunte gefahren. Natürlich mit dem Fahrrad.

Mein einziger Kontakt mit der Gothic-Szene bisher bestand darin, mir die Musikvideos von Marilyn Manson anzusehen. Meistens erschrecke ich, wenn mir eine gruftige Gestalt in Schwarz entgegenkommt. Ich habe mir im Vorfeld sagen lassen, dass die Gothic-Szene schwer zu greifen sei und deshalb fast alle einfach von der "Schwarzen Szene" sprächen. Darunter fallen laut Internet Musikgenres und Subkulturen wie Gothic Rock, Alternative, EBM, Industrial oder Futurepop und einiges mehr. Auch Mittelalter- und Fetisch Anhänger finden in der Gothic-Szene wohl ihre Bestimmung – Hauptsache Anti-Mainstream.


Gewappnet mit den schwärzesten Klamotten, die mein Kleiderschrank hergab, fühle ich mich bereit, mal so richtig düster auf den Putz zu hauen. Ich mache mich also auf den Weg und rolle mit dem Fahrrad auf der gefühlt nie endenden Hans-Bunte-Straße durch das Industriegebiet Nord. Es riecht nach gegrilltem Menschenfleisch, vielleicht sind es auch nur verbrannte Würstchen – ich bin auf alles gefasst.

Mit Gasmaske im Baumarkt-Keller

Das Ticket habe ich online bereits im Vorfeld ergattert, für über zehn Euro gewiss kein Schnäppchen. Kontrolliert wird am Eingang nicht besonders. Mit dem Riesen-Ansturm rechnet wahrscheinlich niemand.

Apropos Eingang: Wer hat eigentlich noch den Durchblick, ob man sich nun im "Hans-Bunte", im "Dom-Nightclub" oder womöglich sogar noch im "Alten Stinnes" befindet? Vielleicht ist es auch Sinn der Sache, Verwirrung zu stiften. Denn spätestens als ich die steilen Treppenstufen unter den Toom-Baumarkt hinabsteige, beschreibt Verwirrung ziemlich genau meine Gefühlslage. Vor mir an der Garderobe entdecke ich den ersten Partygast mit Gasmaske. Ich habe noch nie verstanden, warum sich Menschen freiwillig so etwas über den Kopf stülpen und verstehe es immer noch nicht. Gepaart mit einem Paar Kontaktlinsen ist es jedoch ziemlich furchteinflößend.

Wer war da?

Ein kurzer Lagecheck bestätigt jegliche Klischees. Tattoos, Lederriemen, lange Röcke und vor allem Schwarz so weit das Auge reicht. Den Altersdurchschnitt schätze ich nach kurzer Analyse auf knapp über 30. Unter die meist gemäßigten Steampunkern, wie ich sie jetzt mal nennen mag, haben sich auch ein paar echt gruselige Gestalten gemischt. Eine Partygästin erinnert mich erschreckend stark an Bellatrix Lestrange bei ihrem Angriff auf den Orden des Phönix im fünften Harry-Potter-Teil. Lediglich der Zauberstab fehlt in der Hand.



An der Theke

Erwartet hatte ich eigentlich schaurige Drinks aus Stierhörnern, Met aus Tonkrügen oder schwarzgefärbte Longdrinks. Doch in den Kühlschränken stapelt sich nur Bier, Bier, Bier. Und Softdrinks. Auf aufwendige Cocktails wird verzichtet. Da bin ich wohl einem Klischee verfallen.

Inneneinrichtung und Musik

Man muss ehrlich eingestehen, dass die Veranstalter mit dem "Hans-Bunte-Areal" eine richtig gute Wahl getroffen haben. Düstere Underground-Atmosphäre, viele dunkle Ecken und vor allem ganz viel Platz. Der ist auch bitternötig, denn der Tanzstil eines Großteils der Gäste ist sehr vereinnahmend und ekstatisch. Das ist angesichts der Musik aber auch kein Wunder. Düster-technoide Klänge mischen sich neben Heavy Metal, Jumpstyle und ganz viel Bass.

Bei manchen Liedern wird mir selbst nach mehreren Minuten angestrengten Zuhörens immer noch nicht deutlich, ob der Interpret auf Deutsch, Englisch oder sonst einer Sprache singt. Den Leuten scheint das jedoch zu gefallen, denn sie nicken kurz anerkennend, wenn der DJ zum Übergang ansetzt und verfallen dann sofort wieder in Trance. Es ist auf eine gewisse Art und Weise bewundernswert, wie sich manch einer total gehen lassen kann und jegliche Kontrolle über sich verliert – und das obwohl der Großteil nicht sonderlich betrunken zu sein scheint. Richtig voll wird es erst zu später Stunde auf der Tanzfläche, doch ich beschließe relativ bald, den Heimweg anzutreten.

Fazit

Den gesamten Abend werde ich mit verwirrten Blicken gelöchert. Ich beginne zu verstehen, wie sich die Partygäste wohl in der Öffentlichkeit fühlen, wenn sie von Passanten gemustert werden. Mit der Hoffnung, keiner der gruftigen Gestalten auf dem Heimweg in der Dunkelheit zu begegnen verlasse ich die Veranstaltung etwas verwirrt, mit ein wenig Bewunderung und vor allem ganz vielen Fragen. Es hat sich wieder einmal bewiesen, dass sich Geschmäcker unterscheiden können wie Tag und Nacht. Ich fühle mich ein bisschen Mainstream, aber eigentlich finde ich das auch gar nicht so schlecht.