Nightlife-Guru: Ruef on Fire im Ruefetto

Nightlife-Guru

Unser Nightlifeguru ist am Samstagabend in den Gewölbekeller des Café Ruef hinabgestiegen und hat sich ein Bild gemacht von der Veranstaltung "Ruef on Fire". Zwischen Rap und Ganjaheulern fand er verhinderte Karmagängerinnen, sexuelle Tyrannosaurier, aber nicht den versprochenen Funk.



Die Jungs an der Tür

Ich komme um 22:52 Uhr an, mit einer ergonomisch geformten Blondine im Arm und einer entsetzlichen Rasur in der Fresse. Ich schenke den zwei schwarzjackigen Jungs an der Tür mein bestes Josh-Homme-Lächeln – trust your instincts and let me in – und es funktioniert: gegen Zahlung von 4 € lassen sie mich rein und beweisen damit betrüblich laxe Standards. Darüber hinaus ist an ihnen rein gar nichts auszusetzen.



Inneneinrichtung

Drinnen besteht die Deko zu diesem Zeitpunkt aus abgezählten 17 Gästen und wenig sonst. Das Ruefetto an sich zeichnet sich ja durch ein eher gediegenes Natursteinambiente aus, in dem zum Beispiel mein Uropa durchaus ein Bierchen auf den Kaiser trinken könnte.

Heute Nacht gibt es zusätzlich die üblichen Ruefetto-Flyer und -Plakate, eine Discokugel im angefressenen Todessterndesign sowie, im Verbindungsgang zwischen Raucher- und Nichtraucherteil, eine wirklich trippige Lichtinstallation in rotgrünblau sowie im Raucherraum diverse Lichterketten.



Wer war da?

Ich verschwinde erstmal wieder und diskutiere bei Freunden über einem Wodka die kritische Theorie (gelogen). Als ich wiederkomme hat sich der Laden ganz erfreulich gefüllt. Die anwesenden Früh- und Mittzwanziger, einige mögen auch noch im Teenageralter sein, sind leger gekleidet und tragen Schirmmütze zum – falls Bartwuchs schon vorhanden – Dreitagebart.

Gegen Ende werden die Anwesenden im Schnitt etwas älter und wesentlich diverser – einerseits tauchen vereinzelte Rastaträger auf, andererseits trägt der eine oder andere Neuzugang zum etwas schickeren Outfit etwas Gel im Haar.



Party-Atmosphäre und Klangwaren-TÜV

Das Ruefetto bespielt heute beide Floors. Im Raucherraum spielt DJ Napoleon (heißt nicht wirklich so) auf seinem Feldherrenbierkasten stehend überwiegend knochentrockenen Rap von Digital Underground bis Ol’ Dirty Bastard, Reggae im weitesten Sinne läuft – aus unerfindlichen Gründen im Nichtraucherraum – auf der anderen Seite. Gegen Ende wird gottseidank auch auf dem Reggaefloor gekifft und die Welt, bzw. genauer mein Weltbild, ist gerettet.

Der in der Vorankündigung versprochene Funk fällt scheinbar aus, jedenfalls habe ich keinen mitbekommen. Auf dem Rapfloor ist es fast durchgehend etwas weniger voll und ein bisschen relaxter.

Gegen zwei spielt der DJ auf dem Rapfloor etwas ruhigere Tracks mit zurückgenommenen Vocals und es entsteht fast Loungeatmosphäre, was auch an der grauenhaften Luft liegen kann. Auf dem Reggaefloor geht es zu dieser Zeit wesentlich ausgelassener zu. Das DJ-Team beweist Geschmack und verzichtet auf allzu abgehangene Ganjaheuler, ein paar Beispiele lausiger deutschsprachiger Texte rutschen allerdings durch. Später fallen die Genregrenzen zugunsten von „alles was Laune macht“. Bei „Happy Happy Remmidemmi“ wird lauthals mitgesungen, zusätzliche Leute wuseln aus dem Verbindungsgang wie besoffene Partyameisen. Als Shaggys „Mr. Boombastic“ anläuft, wechsle ich dann doch lieber wieder kurz den Raum.



Getränke und Catering

Der Getränkeausschank ist personell aus meiner Sicht unterbesetzt, was die Wartezeiten ein bisschen lang werden lässt. Man könnte sich vielleicht überlegen, zusätzlich zu den schon vorhandenen Helden der Arbeit noch einen oder zwei weitere Barkeeper einzuteilen.

Auf dem Klo um halb Vier

Um halb vier ist, wie letzte Woche in der Freiburg Bar, schon geschlossen. Eine Stunde zuvor war aber die Hölle los. Die Stimmung ist auch hier offen und ausgelassen, ich unterhalte mich mit irgendwem über Finnland, Burma (oder war es Bhutan?), Berufswahl und irgendwas anderes. Die Atmosphäre ist eher entspannt, wie auch draußen.

Auf den Tanzflächen und in den Gängen sind ein paar sexuelle Tyrannosaurier damit beschäftigt, sehr feucht und sehr besoffen rumzuknutschen, was von außen betrachtet selten erfreulich aussieht. Als die Party kurz nach drei endet, sind noch ordentlich Leute da.

Aufregerle

Wie letzte Woche wieder die Öffnungszeiten, nur andersrum: Warum ist um elf noch keiner da?



Aufheiterle

„Ich dachte wir gehen ins Karma?!“ Mädchenträume zerbröseln unvermittelt in einem Keller an der Kartäuserstraße. Ich schreibe ein Haiku.

Fazit

Eine schöne Feier, vielleicht ein bisschen langsam im Start und dadurch dann dank Sperrzeit abrupt im Ende – viele Leute hätten gerne noch ne halbe Stunde drangehängt. Aber sehr fröhlich, solange es ging. Während der Feier angenehme Stimmung, offen und freundlich. Preise waren okay, an der Musik gabs auch nichts zu kritteln – die schräge Partymucke gegen Ende passte völlig zur Stimmung. Der auf den ersten Blick ungewöhnliche Musikmix – Rap und Reggae – funktionierte letztlich gut, die DJs wussten, was sie taten. Daumen hoch!