Nightlife-Guru: Rosenmontags-Galama im Tapa & Sœhne

Nightlife-Guru

Ein Hauch von Urbanität weht durch jene Location am Freiburger Hauptbahnhof. Bis vor kurzem hieß sie noch "Holla die Waldfee" jetzt heißt sie "Tapa & Sœhne". Am Rosenmontag lud man zum Pre-Opening zur Fasnet ein - da durfte unser Nightlife-Guru natürlich nicht fehlen.

 

An der Tür ...

... steht ein stadtbekannter Bouncer. Er wartet auf Arbeit, lies: Er wartet auf Gäste. Wo bleiben sie nur, die Krankenschwestern, Cowgirls, Polizisten und Hästräger? Wo trifft sich die Freiburger Fasnet-Szene sonst so zu Rosenmontags-Après-Partys?

Inneneinrichtung und Deko

Betritt man das Tapa & Sœhne, ziehen zwei Dinge Aufmerksamkeit auf sich: Große Sitzsäcke der Marke Fatboy in den Farben Weiß, Grün-Limette und Camouflage, sowie von innen ausgeleuchtete Bäume, die in gelbem und blau-purpurfarbenem Licht erstrahlen.

Die Fatboys kommen gut an. Wer sich darin niedergelassen hat, will gar nicht mehr aufstehen. Die Decke des Raumes ist abgehängt mit einem Schneetarnnetz, in das LED-Lämpchen Glühwurm-Effekte zaubern. Leider ist es – wie so oft in Freiburger Bars und Clubs – zu hell. Licht kann nur im Dunkeln wirken.



Ansonsten hat sich zum Vorgänger Holla die Waldfee nicht viel verändert. Der weitläufige Raum mit uneingeschränktem Blick auf das Bahnhofsvorfeld wirkt einladend, aber auch etwas kühl. Wie der Speisesaal, der er mal war.

Wer war da?

Zwei Frauen, kaum dem Teenager-Alter entwachsen, sitzen mir gegenüber. Sie tragen enganliegende, braune Cordjeans, kleinblumig gemusterte Blusen und halten das Haupthaar mit einer schwarzen Kopfbinde zusammen. Der Großstadt-Hippie-Look steht ihnen ausgesprochen gut. Einzig die dunkelblaue Longchamp-Tasche stört das homogene Bild und lässt den Rückschluss zu, dass beide außerhalb der Rosenmontagszeit einen ganz anderen Look pflegen.

Neben diesen stehen, sitzen oder liegen Jungs und Mädels gesetzteren Alters in allerlei alberner Verkleidung: Ein Mann in Schaftstiefel, Kniebundhose und goldbestickter Jacke stellt wohl einen Marschall der K-und-K-Monarchie dar; eine Frau trägt ein grünes Sackkleid, Gartenhandschuhe und einen Fugenkittspritze, um als Chirurgin durchzugehen; eine dralle Blondine mit zusammengeschnürten und nach oben gepressten Brüsten sowie ein Mann im weißen Kaftan und mit Pailletten bestickter Mütze dürfen dabei nicht fehlen. Zu ihnen gesellen sich mit Daniel S., Robert Heart und Südpunkt Vertreter der regionalen DJ-Szene sowie zwei, drei neugierige Eröffnungsgäste.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Rosenmontag, abends um halb neun, kaum Gäste, doch das Repertoire des DJs umfasst keine zarten Töne und leisen Klänge. Er spielt druckvoll pumpenden House, wie man ihn aus dem Cocoon in Frankfurt oder dem Pacha auf Ibiza her kennt: Mit Saxophon gespielte Melodiebögen, lateinamerikanische Vocals und die Kick-Drum im Viervierteltakt.

Die dralle Blondine tanzt ein paar Schritte dazu, dann lässt sie’s wieder sein. Wahrscheinlich ist die Corsage doch ein wenig zu eng geschnürt und lässt nur wenig Sauerstoff in die Lungen. Die übrigen Gäste lehnen an der Wand, prosten sich mit Bier, Sekt und Cuba Libre zu oder stehen an der Bar um selbiges zu bestellen. Der DJ-Wechsel bewirkt leider keinen Stimmungswechsel, höchstens bei den Jungs am Mischpult selbst, die mit großer Spielfreude in die Effektkiste greifen. Daraus kramen sie Reverb, Flanger und Delay hervor und bringen sie fleißig zum Einsatz, am liebsten alle zusammen.

Reminiszenzen an den F-Club.

An der Bar ...

... gibt es Bier eines regionalen Herstellers zu drei Euro die Flasche. Colahaltige und weitere Erfrischungsgetränke kosten Zweifünfzig.

 

Auf dem Klo um halb neun ...

... begegnet mir der „Araber“. „Ey, lach mal, Stock aus’m Arsch“, schreit er mich an, und ich weiß, weshalb ich Veranstaltungen am Fasnetmendig bisher immer gemieden habe.

Aufheiterle

Zur Karnevals- und Fasnet-Zeit ist doch alles heiter, ausgelassen und lustig.

Aufregerle

Ach ...

Fazit

Das Rosenmontags-Galama Pre-Opening hat einen Vorgeschmack auf das gegeben, was es ab März im Tapa & Sœhne geben wird - allerdings unter den erschwerten Bedingungen der Fasnet. Das Freiburger, vor allem auch das Fasnetpublikum ist zu sehr eingefahren auf Altbewährtes und Bekanntes.

Schade, denn das Tapa & Sœhne hat durchaus seinen Reiz. Die Lage in Bahnhofsnähe verleiht dem Ort einen Hauch von Urbanität, und die Lichter der vorbeifahrenden Züge wecken Erinnerungen an ausgiebiges Feiern an der Spree. Das Potenzial des Ortes sollte nicht ungenutzt bleiben.