Nightlife-Guru: Rap Attack im Basement

Nightlife-Guru

Seit Ende letzten Jahres macht eine neue Freiburger Partylocation von sich Reden: Das Basement a.k.a. Franziskaner Keller am Rathausplatz. Gestern war dort die Rap Attack zu Gast und versprach Klassiker und Oldies des Kopfnick-Genres. Da wurde unser Nightlife-Guru doch glatt nostalgisch, kramte sein Basecap und seine Baggies aus und machte sich auf den Weg in die Altstadt. Ob er dort wohl die Drei Heiligen Rap-Könige traf?



Der Junge an der Tür …

… ist der Veranstalter selbst: Rusty, vom Digital Dub Jam. Der Tisch, hinter dem er stoisch sitzt, sieht aus wie der Infostand einer mittelgroßen Freikirche: Zahlreiche bunte Flyer weisen auf andere, mutmaßlich ähnliche Veranstaltungen des Nachtmachers hin. Als leidenschaftlicher Handzettelsammler greife ich unschüchtern zu und packe mir meine Männerhandtasche voll.
„Fünf Euro?“ frage ich und zücke mein Portemonnaie. Er nickt. Ich zahle. Stempel. Und weiter.

Inneneinrichtung & Deko

Der Weg zum Franziskaner Keller ist ein Genuss, liegt dieser doch mitten in der Altstadt, direkt bei St. Martin. Hier trugen seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die Bettelmönche ihre scholastischen Battles aus; hier liefen sie der dominikanischen Konkurrenz über den Weg, die ihr Headquarter nur einen Steinwurf entfernt bezogen hatten – am Predigertor. Freiburg glich South Central: Die monastischen Crips und Bloods schnitten sich wo’s nur ging.

Um den biederen „Keller“ partytauglich zu machen, hat man ihn ins Englische übersetzt und nennt ihn jungforsch „Basement“. In Berlin-Neukölln hätte man den alten Namen beibehalten, haftet doch zur Zeit vor allem dem Verschrobenen die Coolness an. Vielleicht wollte man damit aber auch den magischen Partydreisatz der House-Legende Kerri Chandler zitieren: „A Basement, A Red Light, A Feelin’.“

Erster Eindruck: Hm, na ja, weiß nich’. Zweiter Eindruck: Geile Partylocation.

Links ist das DJ-Pult aufgebaut, rechts befindet sich die Bar, dazwischen wird getanzt. Als Lounge (ehemals: Knutschecke) fungieren die Bereiche vorne und hinten rechts. Die Grundeinrichtung des Ladens geht in Richtung möchtegern-mediterran meets Volkshochschulkurskunst meets Old-School-Bierwerbung – wobei Letztere heute mit schwarzem Stoff verhangen ist. Dieses Ambiente, das seine Inspiration maßgeblich aus den italienischen Restaurants der 1980er bezieht, wird durch eine Diskokugel, eine Lichtorgel und ein paar farbige Scheinwerfer unprätentiös aufgepeppt.



Das Ergebnis: Ich habe nicht das Gefühl, von Licht- und Nebeleffekten eingelullt zu werden. Hier steht die Party im Mittelpunkt, das heißt: die Mucke und die Leute.

Party-Atmo & Klangwaren-TÜV

„Rap Attack“ lautet die Devise, und versprochen werden mir „Rap Classics und Oldskool Hiphop“. Dazu passt der altschulische B-Boy-Character des Mainzer Graffiti-Königs CAN2 auf dem Veranstaltungsplakat. Nostalgie. So müssen sich meine Eltern fühlen, wenn sie in die Waldbühne zu den Stones gehen.

Um Zwölf ist noch wenig los, aber die verfrühten Heads nutzen die Gelegenheit, um ein bisschen rumzuposen und sich schon mal warm zubouncen. Aus den Lautsprechern tönt die Rock Steady Crew und wie bei der latein-amerikanischen Rueda wird ein Kreis gebildet. Zwei, drei Jungs deuten ihre Breakdance-Skills an, und schrägerweise brilliert vor allem derjenige mit der David-Beckham-Zwiebelfrise.

Hinter den Plattentellern: DJ Comp a.k.a. DJ F-DicZ, Stolencutz, Ay Caramba Kid und Nile. Das DJ-Team gibt sich vorerst easy und verweist mit Grandmaster Flashs „Message“ auf dessen Freiburg-Gig am 20. Januar im Kagan. Mit Ol’ Dirty Bastard und Notorious B.I.G. folgt ein Hiphop-Allerseelen; nur die Heiligen Drei Rap-Könige Run DMC vermisse ich – aber wahrscheinlich bin ich da grad draußen, eine rauchen.



Der Keller füllt sich und irgendwann trauen sich auch die ersten Mädels auf die Tanzfläche. Um sich in der Männerdomäne Hiphop zu behaupten, müssen die zarten Wesen aggro und selbstbewusst auftreten. Im wahrsten Wortsinne stürmen sie das Parkett und fangen sogleich an, sich geschmeidig – auch gegeneinander – zu bewegen. Der Chauvi-Crowd verschlägt’s die Körpersprache, als ob jemand den Freeze-Button gedrückt hat.

Gegen Eins fahren die DJs die Crème de la Crème des deutschen Sprechgesangs auf, und nicht nur mein Herz beschleunigt auf 88 Beats in der Minute. Stieber Twins, Creutzfeld & Jakob, Eins Zwo – you name it! Wie die Tentakeln einer riesenhaften Oktopussy umschlingt mich dieser wehmütige Rückblick und bemächtigt sich meiner. Ich fange an mit dem Kopf zu nicken, spastmatisch mit den Händen rumzufuchteln und längst vergessene Texte vor mich hinzubrabbeln: Ich sehe aus wie ein Mitglied der Church of God, das gerade vom Heiligen Geist penetriert wurde.
Gegen Zwei werden die Bässe dann richtig fett: Sound-Geschütze à la Gang Starr werden aufgefahren und animieren den proppevollen Saal zum Popo-Pogo.

Ladies und Gents feiern gediegen, die Vibes sind positiv, kein Beef in Sicht.

Wer war da?

Eher junge Homies mit Ausreißern nach oben. Keine ausgrenzenden Rap-Dogmatiker sondern postmodern-tolerante Happy-Hiphopster, die gemeinsam mit Anzug tragenden Pianisten und schluffigen Normalos das Jetzt feiern. Selbst der alte, langhaarige Metallica-Adept am Tresen wird akzeptiert, und das Rieselfeld Hartreim Projekt fügt sich harmonisch in das mit Sprühlack gefertigte Style-Leben.



Interessant: Die Buchse hängt längst nicht mehr so tief wie einst. Eher liest sich die hiesige Hosenmode wie ein Kompromiss zwischen den zeltartigen Baggies von gestern und den hautengen Cheap Mondays von heute: leger aber nicht übertrieben. Außerdem wird nicht mehr zwingend erwartet, eine Hiphop-Kippa zu tragen – also Basecap, Beanie, Schiebermütze oder sonstige Kopfbedeckung. Das öffnet die Szene und gibt Andersartigen das Gefühl, dabei sein zu dürfen.

Natürlich ist weiterhin alles Extra-Large, und Kleidungsstücke wie Hoodies und Sneakers gehören immer noch zur Grundausstattung eines jeden Gläubigen.

Catering

Die Bar ist sowohl personell als auch alktechnisch gut besetzt. Schnell, freundlich, bestimmte Longdrinks: 3,50 EUR, kleines Beck’s: 2,40 EUR, Weine: um die 4 EUR, Wasser und Coke: um die 2 EUR.



Morgens um 2 aufm Klo

„Ey, isch weiß überhaupt nisch, wer du bisch!“
„Ey, Alter, du hast meinem Kumpel die Nase gebrochen, Alter!“
„Ey, wie, deinem Kumpel die Nase gebrochen? Ey, isch kenn disch gar nisch! Ey, schau dir doch mal meine Hand an: DIE isch gebrochen!“
„Ey, Alter, hör’ dir doch mal selbst zu, Alter! Alter, du laberst nur Scheiße, Alter! Alter, mit dir kann man nich’ mal normal reden, Alter!“
„Ey, wie? Isch weiß überhaupt nisch, wer du bisch?“
„Ey, Alter! Alter, Meinem Kumpel, dem Tobi, dem Sprüher, Alter! Alter, die Nase gebrochen, Alter!“

Ich spüle und geh wieder Richtung meine-kleine-heile-Welt.

Aufheiterle

So’n kleiner, gedrungener Typ macht mich dumm von der Seite an: „Jetzt mach ma’ hier nich’ so auf real!“ Was soll der Scheiß, denk ich mir und will dem Typen schon voll eins auf die Fresse geben – da löst er den Scherz (hihi) auf: „Du bist doch ’n Kumpel vom X! Ich bin der Y!“ Und da fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren. Gelächter, Shakehands, Prosit.

Fazit

Das Basement alias Franziskaner Keller mausert sich seit Ende letzten Jahres zu einer attraktiven Partystätte. Bitte mehr davon! Und: Hiphop’s Not Dead!