Nightlife-Guru: Pimp my Style im Kagan

Nightlife-Guru

Am vergangenen Samstag war Model-Booker und Germanys Next Topmodel-Juror Peyman Amin in Freiburg am Start und hat unter dem Motto "Pimp my Style" das Kagan in einen Schönheitssalon verwandelt. Dabei hat er versucht, die zwölf teilnehmenden Kandidatinnen zu Schönheitsköniginnen zu machen. Der Pimpguru - beurteilt von unserem Nightlife-Guru.



An der Tür

„Keine Turnschuhe, Alder! Die lassen niemanden mit Turnschuhen rein!“ Das Gesicht eines jungen Mannes, der vor mir in der meterlangen Schlange steht, ist zornesrot. Seine Frau mache bei dieser Veranstaltung mit, und jetzt werde er abgewiesen. Verstohlen blicke ich zu Boden, denn auch ich trage Sneakers. Jedoch stehe ich ein freundliches „Guten Abend“ und eine einladende Handbewegung später in der Lobby des Solar-Tower am Freiburger Hauptbahnhof. Mein Glas Begrüßungssekt muss ich mir allerdings von einem teilnahmslos wirkenden Model selbst abholen. O-Saft-Trinker haben’s besser. Sie werden von einem unwiderstehlich lächelnden Charme-Bolzen bedient.

Inneneinrichtung / Deko

Die Veranstalter der heutigen Club- und Eventnacht zeigen sich ersichtlich bemüht, den zwölf „Pimp my Style“-Finalistinnen einen Auftritt unter Echtbedingungen zu ermöglichen. Ein extra Laufsteg über die gesamte Floorlänge, Lichtmontagen, deren heißes Licht einem den Schweiß auf die Stirn treibt und Leinwände für Videoprojektionen wurden herangekarrt. Ansonsten ist das Kagan wohltuend zurückhaltend dekoriert.



Wer war da?

So heterogen habe ich die Crowd des Kagan selten erlebt. Die Kandidatinnen fahren mit einer riesigen Gefolgschaft auf, Mama und Papa sowie Omi und Opi inklusive. Nicht wenige Mädels sehen aus, als ob sie zuvor beim Friseur und in der Maske vorbeigeschaut haben. Vielleicht angetrieben durch die Hoffnung, Peyman Amin werde sie heute Abend entdecken. Bei einigen durfte sicherlich die allerbeste Freundin ran. Das sah dann weniger gut aus. Geckenhaft wirken drei Mittdreißiger, das Haar zur modischen Sportlerglatze frisiert. Sie tragen das gleiche Hemd von Tommy Hilfiger. Allein in der Farbgebung unterscheidet es sich.



Partyatmosphäre

Dicht an dicht sitze ich mit meiner Begleitung und einer unüberschaubaren Vielzahl von Gästen in der Lounge. Wir werden mit einem Endlos-Video zugedröhnt. Es soll uns die Veranstalter, Sponsoren und Finalistinnen von „Pimp my Stlye“ vorstellen. Niemand schaut jedoch so richtig hin. Zu angeregt wird über Wochenendausflüge, Urlaubspläne und die Leute am Nachbartisch geplaudert. Irgendwann, völlig unerwartet, ist es soweit. Eine Unruhe geht durch die Menge und wir steigen die Treppenstufen hinauf in den 18. Stock.

Wo bleibt die Begrüßung? Wer führt durch den Abend? Diese Fragen bleiben auch in der Folgezeit unbeantwortet. Zum gefühlten achten Mal wird das Vorstellungs-Video gezeigt. Dazu legt ein DJ Schrammelbeats als Hintergrundbeschallung auf und vergeigt selbst mit Software manche Übergänge.

Keine Anmoderation sondern Blitzlichtgewitter und infernalisches Gekreische kündigen Peyman Amin, den Booker, Topmodel-Juror und Stargast dieser Nacht an. In Begleitung mehrerer Bodyguards betritt er den Raum. Er wirkt nach außen sehr gelöst und erinnert an Italiens Radsport-Idol Marco Pantani auf der Fahrt zur L’Alpe d’Huez.

Ganz Medienmann winkt er in die Menge, grinst wie Jim Carey und nimmt Platz. Jetzt endlich betritt die Veranstalterin, Riccarda Kräuter-Schächtele, den Raum. Eintönig begrüßt sie uns Gäste, die Jury und insbesondere Peyman Amin. Noch einmal gibt’s das Video zu sehen. Dann geht’s endlich los mit dem Schaulaufen der Finalistinnen.

Die Show selbst vollzieht sich stets in ein und derselben szenischen Vorgabe. Eine Teilnehmerin betritt äußerlich ganz erneuert den Laufsteg, schreitet ihn zweimal ab, wirft sich in Pose und gibt anschließend einen selbstgewählten Song zum Besten. Wahrscheinlich Vollplayback. So vielfältig die Verkleidungen – glamourös wie eine Drag Queen oder verwegen wie ein Gothic-Vamp – so herkömmlich ist das gesangliche Repertoire mit Britney Spears, Kate Perry oder Lady Gaga.



Catering / Getränkekarte

Auch im Kagan wird gesoffen, was die Bar hergibt. Franceks Fanclub kübelt Rosésekt, die anderen halten sich an Bier, Cocktails oder Longdrinks. Anerkennung verdient heute Abend insbesondere das Barpersonal, das unermüdlich Beinarbeit leistet. Ein kurzer Wink genügt, wenige Augenblicke später nimmt ein dienstbarer Geist den Getränkewunsch entgegen und der Drink wird serviert, wo immer man gerade steht. Bei so viel Dienstleistung zahle ich die 6.90 € für einen Gin Tonic gerne.



Aufregerle

Bereits nach kurzer Zeit treibt mir der eingeschränkte Wortschatz von Frau Kräuter-Schächtele ein müdes Gähnen ins Gesicht. Klammert sie sich schon an ihren Moderationskärtchen fest, könnte wenigstens ihre Sprache abwechslungsreicher sein. Bei jeder Finalistin dieselben Worte, langweiliger geht’s kaum. Auch die wiederholte Vorführung des Vorstellungsvideos sorgt für schlaftrunkene Augen, die sich der fortschreitenden Veranstaltung verwehren.



Aufheiterle

Peyman Amin zeigt sich den ganzen Abend mit Aussagen wie „Gebt Gas Leute, ich trinke gerne Alkohol!“ partyhungrig. Auch bringt er die Veranstalterin in Verlegenheit, als er eine Kandidatin fragt, warum sie auf dem Vorher-Bild „wie Sonnenbrand“ aussehe. Dass es sich um eine bewusst unvorteilhafte Beleuchtung handele, um den Vorher-/Nachher-Effekt zu verstärken, will Frau Kräuter-Schächtele nicht im Raum stehen lassen. „Äh, nein, selbstverständlich nicht“, stammelt sie ins Mikrofon.

Fazit

Für Events mit einem gewissen Glam- und Gossip-Faktor ist das Kagan eine Bank, nicht zuletzt aufgrund seiner gut organisierten Tür und einem belastbaren Barpersonal. Ohne Peyman Amin, der sich redselig und wortgewandt zeigt, und der Abend wäre im durchschnittlichen Mittelmaß versunken.

Mehr dazu:

fudder.de: Serie Nightlife Guru
fudder.de: Wer wird Germanys Next Topmodel? Video-Umfrage

Foto-Galerie: Martin Neumann

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