Nightlife-Guru: Pacha Club-Tour im Kagan

Nightlife-Guru

Zum zweiten Mal in Folge beehrte die Pacha Club-Tour am Samstag Freiburgs Rooftop Club, das Kagan. Der fudder-Nightlifeguru war mit dabei und hat Club und Partylabel auf Herz, Nieren und Lungen getestet.



(Die Jungs) An der Tür

Ein flexibles Personenleitsystem soll Zustrom und Abmarsch der heute zu erwartenden Menschenmengen regeln. Es teilt den Eingang in zwei Bereiche: Gästeliste und gemeine Laufkundschaft. Zu letzterer zähle auch ich, denn mein Weg führt direkt zur Kasse.

Zehn Euro später darf ich die Eingangshalle des Freiburger Solar Tower betreten und meine Jacke an der Garderobe – umsonst – abgeben. „Zehn Euro? Füan Vaitl René? Pfuidaifinuamoi, des is ja gscheid teuer!“ Vergeblich versuche ich, die Stimme meiner Münchner Großmutter aus meinem Hinterkopf zu verdrängen.

Inneneinrichtung & Deko

Die Inneneinrichtung des Kagan soll durch ihre Form- und Farbgestaltung zurückhaltende Modernität vermitteln. Doch mittlerweile macht das Weiß der Ledersitzmöbel durch jahrelange Benutzung einen leicht abgegriffenen Eindruck und auch der Boden der Tanzfläche würde zu einer Tiefenreinigung nicht Nein sagen.

Vor diesen kaum vermeidbaren Altersspuren lenkt heute Abend das Wahrzeichen der Marke Pacha ab: die zwei Kirschen, für deren rote Farbe viele Schildläuse ihr Leben lassen mussten, werden mittels Beamer an die Wände und eigens angebrachte (Spannbett-)Tücher geworfen.

Wer war da?

Für einen kurzen Augenblick sehne ich mich zurück in die Zeit, als – unter anderem – ein Jan Ullrich nach seinen Trainingsfahrten regelmäßig im Kagan nach Erholung suchte. Und vielleicht habe ich auch noch eine veraltete Ausgabe des Freiburger „Promi-Führers“, denn bekannte Gesichter der Freiburger Metaprominenz bekomme ich heute Abend leider nicht serviert. Denn im Verlauf der letzten Jahre hat sich das Kagan zu einem wichtigen Rückzugsgebiet der Arsch- und Schultergeweihträgerinnen entwickelt.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

Zusammen mit zwei Jungs und zwei Mädels fahre ich erwartungsvoll nach oben. Erste Reaktion: „Hmmm…verfahren?“

Den Rand der Tanzfläche säumen Jungs und Mädels, die sich für den heutigen Abend in Schale geworfen haben. Ohne ein Hemd von La Martina, einer Tasche von Louis Vuitton und einem Schal von Chanel, die Echtheit einmal unterstellt, geht hier gar nichts. Dementsprechend behutsam lassen die Schönen der Nacht die Party angehen.

„Destination Calabria“ von Alex Gaudino, “White Horse” von Wonderland Avenue und der Konsenshit schlechthin, “Body Language”  tragen auch nicht wirklich zu Ausgelassenheit und Ungezwungenheit bei.

Gefühlte drei Stunden später betritt der Münchner Pacha-Resident René Vaitl das Kagan und wird an seinen Arbeitsplatz, CDJs und Mischpult, geleitet. In seinem Schlepptau zwei leichtbekleidete Mädels, wohl die Pacha Dancers. Prydas "Pjanoo"  ist ihr Startsignal. Kaum erklingt der Track, bewegen sie sich zwar rhythmisch zu den Beats, doch nicht synchron. Und keine fünf Minuten später lehnt eine Tänzerin an der Säule, trinkt „Acqua Panna“ und sieht ziemlich mitgenommen aus. Immerhin: jetzt ist die Tanzfläche gerammelt voll, das Münchner Kindl präsentiert seine in diesem Sommer eingespielte CD, und vereinzelt wagt sich ein Pärchen, die Szene des Promo-Plakates nachzuspielen. Doch noch ein wenig Sex in der Luft.

Den Live-Auftritt von Angelissa Wong a Soy verpasse ich. Zu dieser Zeit halte ich mich in der Räucherkammer auf.

Catering & Getränke

Drei Bars, eine in der Lounge in der 17. Etage, zwei unmittelbar an die darüber liegende Tanzfläche angrenzend, gewährleisten eine Schnellversorgung mit dem wichtigen Ethanolkraftstoff. 3,40 für ein Freiburger, 3,90 für ein Heineken und 80,- für das Pacha Special, eine Flasche Veuve Cliquot oder Moët & Chandon. Angesichts dieser Preise schone ich mich jedoch und fahre den ganzen Abend über sehr sparsam.

Auf dem Klo um halb vier

…herrscht Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Und spätestens jetzt weiß ich, dass des Pachas legendäre Kirschen nicht aphrodisierend wirken und weder Ekstase oder Sex befördern.

Aufregerle

Mein Lieblingsplatz des Abends: die Smoker’s Lounge. Hier sitze ich gerne und betrachte Freiburg bei Nacht. Jäh unterbrochen wird meine Ruhe durch einen Mitdreißiger, groß gewachsen, der Bauchansatz unterm Hemd bleibt nicht unbemerkt. Er grüßt, setzt sich zu mir, fragt nach Feuer und ehe ich mich’s versehe, versucht er, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Ein Verkaufsgespräch. Altersvorsorge. Ist dieser Menschenschlag denn in Dauereinsatz?

Aufheiterle

„Hey, jeder hat ein anderes Gesicht, weisch, und jeder hat auch andere Nerven. Der Stecher weiß schon, wo er dich treffen muss…“ Drei Ladies, die mehr auf Glitzer denn Glamour schauen, versuchen der Vierten im Bunde, die Angst vor einem Zungenpiercing zu nehmen.

Fazit

Wer gerne zu kommerziell angehauchter elektronischer Musik tanzt und beim Getränk nicht aufs Geld achten muss, ist an diesem Abend im Kagan bestens aufgehoben.

Mehr dazu:

fudder.de: Foto-Galerie Pacha Club-Tour im Kagan