Nightlife-Guru: Orson Wells im White Rabbit

Nightlife-Guru

"... tut etwas weh, steigert aber mit der Zeit das sexuelle Verlangen." So klang nach Aussage unseres Nightlife-Gurus die Musik am Samstagabend beim Strange Life Club im White Rabbit. Wen er dort getroffen und warum er nur ein Bier getrunken hat, erfahrt ihr in seinem Nachtbericht.



An der Tür

Hinter der Tür, im Halbdunkel des Eingangs. Zwei Jungs sitzen, zwei weitere Jungs lehnen an einem Kassentischchen. Einer rückt seine Wollmütze zurecht. Ein anderer bettet ein Häufchen Tabak auf ein Zigarettenpapier. Nummer drei und Nummer vier stehen einfach nur dabei. Sie schauen auf ihre Smartphones. Da drängt ein größerer Pulk von jungen Leuten rein. Sie umarmen die Jungs an der Abendkasse. Davor oder danach verknoten sie die Hände so possee-like. Es wird laut.

 

Inneneinrichtung und Deko

 
Die Veranstalter des Strange Life Clubs sind dafür bekannt, das White Rabbit mit visuellen Effekten eine Traumlandschaft umzugestalten. Mal schleppten sie tonnenweise Bambus an und verwandelten das Kellergewölbe in eine subtropische Höhle. Dann wieder hängten sie Dreiecke und Vierecke aus Leuchtstoffröhren an Decken und Wänden auf und ließen den Raum im Neonpink und -lila der Achtziger Jahre leuchten.

Dieses Mal spannten sie Schnurbahnen kreuz und quer über die Tanzfläche; sie zogen Schnüre von einer Ecke der Bar zur anderen, mal parallel, dann wieder versetzt zu den Seitenwänden, so dass das Schnurgeflecht die Gestalt eines Kristalls annahm. Dieses Werk beleuchteten sie mit Schwarzlicht, was für einen visuellen Rausch und Schwindel-Effekte sorgte. Geil!

 

Wer war da?

 
Der erste Eindruck: Das Publikum des Strange Life Club ist sehr "male", besteht also aus Typen zwischen 18 und 28, die erst an der Bar, später am Rand der Tanzfläche stehen, die wenigen Mädels anstarren und sich dann gegenseitig unter Druck setzen, eines dieser Mädels anzusprechen.

Wenig später auf der Tanzfläche: Indiemädchen mit Häkelmützchen und Hornbrille tanzen neben Halbwüchsigen mit Flatcap und Bling Bling-Stecker. Ein brauner Wuschelkopf bounct mit einem blonden Sidecut. Der Soziologiestudent - Norwegerpulli, Cordjacke, Herbert Spencer-Gedächtnisbart - teilt sein Bier mit einem Perlohrringmädchen.

 

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

 
Die Freiburger House- und Techno-Szene, ist mir seit einiger Zeit musikalisch viel zu seicht, zu weichgespült und zu sehr von einem Fusion-Spirit angehaucht - was auch immer das sein mag. Wo früher noch Bassdrums bollerten, pluckern heute am Laptop arrangierte Preset-Beats mit symphonischen Daily Soap-Soundscapes im Hintergrund. Dazu noch Saxophon und irgendwas zum Mitsingen. Eine Musik, deren Hörer, wahrscheinlich auch deren Produzenten man früher auf dem Pausenhof oder im Schullandheim täglich verkloppt hätte. Heute geht das ja nicht mehr. Man bildet einen Kreis und muss den großen Zeh fühlen. Entsprechend auch die Musik.

Anders dagegen beim Strange Life Club. Syrtaki, einer der Residents, legt erstens mit Vinyl auf und spielt zweitens Stücke mit Bauchdruckbässen, muskulösen Chords und messerscharfen Snares. Ihr Klang erinnert ein wenig an das schneidende Geräusch des Rohrstockspankings - tut etwas weh, steigert aber mit der Zeit das sexuelle Verlangen. Aber House und Techno sind ja auch Genre mit freigeistigem, freizügigem Hintergrund.

Beau Wanzer - Outside Auto

Quelle: YouTube


Später tritt Orson Wells an die Decks. Der Frankfurter sieht mit seiner Drahtgestell-Brille ein wenig aus wie Roman Flügel. Seine Platten entfachen ein 808- und 909-Gewitter. Bässe röhren, Kickdrums krachen, Snare- und Rimshot-Regen prasselt auf die Tanzenden. Zwischendurch zucken grelle Acid-Blitze. Die Jungs und Mädels auf der Tanzfläche stampfen mit den Beinen und wedeln mit den Armen. Der Tanzschweiß perlt ihnen von der Stirn. Rave!

 

An der Bar

 
Augustiner Hell, 0,5, 3 Euro. Mehr ist nicht drin. So viel Monat war noch nie am Ende des Geldes.

 

Auf dem Klo um halb drei

 
Ich werde einfach den Eindruck nicht los, dass von Besuch zu Besuch weniger Urinale benutzbar sind. Da besteht ein Nachbesserungsbedarf.

 

Aufregerle

 
Die prekäre Situation auf dem Klo.

 

Aufheiterle

 
Auf dem Nachhauseweg, im Nachtbus. Zwei Mädels steigen ein und setzen sich zu mir. Sie fragen mich, wo ich feiern war, erzählen mir, dass sie im "Dreieck" und letztens in Schmitz Katze waren. Dort habe ein Disc Jockey aufgelegt, der "voll alt" gewesen sei, mindestens wie ihre Eltern. "So alt und immer noch Party machen ist doch peinlich", lautete ihr Fazit. Ach, Mädels...

 

Fazit

 
Geile Deko, geile DJs, geiler Sound. Wer Orson Wells im White Rabbit verpasst hat, kann ihn heute Abend bei tageins im Waldsee noch einmal erleben.

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