Nightlife-Guru: Nightlite im Jos Fritz Cafe

Nightlife-Guru

Ausstellung, Lesung und Party in einem? Geil, dachte sich unser Nightlife-Guru und ging am Samstagabend schnurstracks ins Jos Fritz Cafe. Und? Haben die Schnittchen gemundet?



Die Jungs an der Tür ...

... sind nicht da, aber keiner vermisst sie – das traurige Schicksal von Türstehern! Heute Abend  kommt jeder ins Jos Fritz, und auch noch kostenlos. Um 20:30 Uhr – auf diese Uhrzeit ist der Beginn der Veranstaltung angesetzt – ist es noch sehr ruhig im Eingangsbereich. Wer jetzt schon da ist, bekommt ein Glas Sekt zur Begrüßung und hat genügend Zeit und Platz, um sich die Bilder anzusehen. „Nightlite“ ist eine Fotoausstellung, Lesung und Party zugleich. Der Mann dahinter: Jason Brown. Er hat die Fotos geschossen und liest aus seinem gerade in Eigenregie veröffentlichtem Roman „Using Toonies“.

Wer war da?

Nach und nach füllt sich der Laden, und die Gäste tappen von einem Foto zum nächsten, Sekt in der Hand und den Kopf im Nacken. Die Ausstellungsstücke sind leider nicht besonders groß und hängen ein Stück zu weit oben, da wäre durchaus mehr rauszuholen gewesen. Die kunst- und partyinteressierten Besucher sind zwischen Mitte dreißig und Anfang vierzig, alle dem Anlass entsprechend sehr légère chic und intellektuell angezogen. Keiner scheint so richtig zu wissen, was genau hier auf ihn zukommen wird ...

Inneneinrichtung und Deko

Das Jos Fritz ist – wie den meisten Freiburgern sicher bekannt – ein äußerst ansprechender Veranstaltungsort. Die Luft ist mild und duftet nach Frühlingsgrillern, und die Besucher der Ausstellung tummeln sich, nachdem sie einen Blick auf die Fotos geworfen haben, zum Großteil im Außenbereich des Cafés. Dort kann man im Schein bunter Lichterketten gemütlich eine Zigarette rauchen. Einrichtung und Dekoration drinnen sind eher zurückhaltend.

Die Leinwände hängen, mit dünnen Metallschnüren befestigt, an weißen Wänden. Unter jedem Foto findet sich der Titel, schlichtes Schwarz auf schlichtem Weiß. Dafür ist es umso rätselhafter, was die Namen der Bilder wohl mit dem abgelichteten Gewirr aus Farben und Formen zu tun haben sollen.

Sämtliche Fotos sind auf die selbe Weise entstanden: Eine Digitalkamera, Dunkelheit, ein paar elektrische Lichter, eine offene Linse. Bei einem normalen Schnappschuss bleibt die Linse einer Kamera nur sehr kurz offen. Wenn man die Aufnahmezeit verlängert, hält die Kamera auch Bewegungen fest; sie werden zu surrealistischen Schlieren auf dem Foto. Fotografiert man nun mit dieser Technik im Dunkeln, entsteht ein hübsches, buntes Gewirr aus farbigen Linien. Eine nette Idee, aber auch nicht wirklich etwas Besonderes. Schade, dass Jason nicht auch noch ein paar andere Motive ausgestellt hat.



Catering und Getränke

Für den nötigen alkoholischen Weichspüler ist bestens gesorgt. Neben dem Begrüßungssekt kann man natürlich auch noch frei aus der Karte des Jos Fritz wählen. An stilechten Schnittchen und gelierten Gummipinguinen mangelt es ebenfalls nicht. Jason Brown, der offenbar keine ruhige Minute zu hat und von Gast zu Gast hüpft, immer auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten, scheint zum Party-Geben geboren zu sein.



Atmosphäre und Klangwaren-TÜV

Gegen 21 Uhr wird es langsam richtig voll. Die wenigen Sitzgelegenheiten sind schnell besetzt und die gespannten Besucher drücken sich stehend in einem Halbkreis um den Künstler herum, der das nun Mikrofon ergreift. Er begrüßt alle herzlich – er scheint so gut wie jeden der Gäste persönlich und mit Namen zu kennen – und erzählt ein wenig, dann liest er aus seinem Roman vor.

Als auch dieser Programmpunkt abgehakt ist, gibt es Musik: DJ Oli Bolz von Baden FM legt auf. Sein Programm reicht von Fatboy Slim bis zu Adele und enthält gefühlt alle Partyhits, die im letzten Jahr in den Charts waren. Das mag für manche ein positives Kriterium sein – für mich ist es eher ein negatives. Es scheint aber den Geschmack vieler der Anwesenden zu treffen, denn die Stimmung ist locker und fröhlich, und es gibt schnell ein paar gut gelaunte Tänzer.

Um halb 10 auf dem Klo ...

... obwohl das Jos Fritz wohl die bestbemalten Klotüren der Stadt hat, ist dieser Bereich des Ladens leider völlig ausgestorben. In der Hoffnung, hier vielleicht noch etwas zu finden, was der Veranstaltung ein bisschen mehr Ecken und Kanten gibt, lungere ich eine Weile zwischen weißem Porzellan und gelben Kacheln herum, dann gebe ich enttäuscht auf.

Aufregerle

Vor allem der literarische Aspekt des Abends kam leider viel zu kurz. Die Lesung dauerte maximal zehn Minuten, es gab keine Gelegenheit zur Diskussion, und Jason, der eigentlich eine sehr gute Erzählstimme hat, las in einem Tempo, als ob er von der Polizei verfolgt würde. „Using Toonies“ handelt von einem Amerikaner, der für einen Job nach Kanada geht; soviel wissen wir jetzt.

Der kurze Ausschnitt, der vorgelesen wurde, erzählte von einem Besuch auf einer Gay-Pride-Parade. Ein nettes Thema, und der schriftstellerische Tonfall wirkte vielversprechend, aber leider ging das alles irgendwie zwischen Sekt, Schnittchen und Duffy unter.



Aufheiterle

Unter den Gästen gab es einen, der ganz besonders schön war. Eine – vor allem in Freiburger Universitätskreisen – sehr berühmte Person des öffentlichen Lebens, mit einer ausgeprägten Amerika-Affinität und einem stadtweit bekannten Sinn für gute Kleidung, (mehr wollen wir hier nicht verraten) erschien auf der Ausstellung in einem äußerst ansehnlichen Schottenrock und Turnschuhen. Sehr schön, so macht man Röcke für Männer salonfähig!

Fazit

„Nightlite“ – eine Symbiose aus Kunst, Literatur und Party – war eine gute Idee. In Freiburg gibt es ganz sicher auch das richtige Publikum dafür. Leider gab es die ein oder andere Sache, die besser hätte sein können: größere Leinwände, vielfältigere Ausstellungsstücke, mehr Zeit für den Roman – aber das kann ja beim nächsten Mal verbessert werden. Zwei Sachen muss man Jason lassen: Er zieht sein Ding durch, schafft sich selbstbewusst eine Platform für eine Kunst – und er weiß, dass Kunst nicht unbedingt in staubige Museen gehört, sondern auch am Samstagabend auf eine Party.

Mehr dazu:

  • fudder: http://fudder.de titel="">Nightlife-Guru: Erotik-Lesung im Teng