Nightlife-Guru: "Jump Or Die" im Picc 106

Nightlife-Guru

"Jump Or Die" war wohl die größte Überraschung des Partywochenendes: Was als Skizzenwettkampf im kleinen Kreis anfing, endete erst am frühen Morgen in der Eckkneipe Picc 106 im Stühlinger. Der fudder-Nightlife Guru hat sich durchgequetscht.

 



(Die Jungs) an der Tür...

...standen in diesem Fall hinterm Tresen: Picc 106-Besitzer Adib ist Vielen noch als Rauswerfer in diversen Freiburger Clubs bekannt und zapft an diesem Abend selber Bier für seine Gäste. Der Eingang ist für jeden frei und umsonst – sofern er es schafft, die etwas launischen Türen am Eingang zu öffnen.

Inneneinrichtung & Deko

Eckkneipen-Charme meets Graffiti: Zünftige Holztische, dazu passende Massiv-Stühle und einladende Ledersofas, die vielleicht in einem früheren Leben einmal cremefarben waren. Fast lebensgroß trohnt Elvis eindimensional über dem Schankraum an der Wand, in direkter Nachbarschaft zum Sin-City-Plakat und in Sichtweite von Bob Marley.



Dazwischen Sticker von lokalen Graffiti-Größen und zugereisten Dosen-Künstlern. Das absolute Highlight: Videosequenzen und Fotos von Wholetrains bis Murals, von Bahnhöfen bei Tage bis Hauswänden in der Nacht.

Wer war da?

Nachdem die Pumper-Posse (siehe "Aufregerle") sich verzogen hat, können sich die Skizzenbattle-Teilnehmer breit machen. Natürlich nur im übertragenden Sinne, rein Hosentechnisch. Ansonsten ist das Publikum nämlich zunächst zwar eher männlich, aber schmalschultrig, zwischen 15 und 25 Jahren jung. Später am Abend pendelt sich der Schnitt bei gefühlten 27 Jahren ein, immer noch breite Hosen, wenig Stylogehabe. Erfreulich: Die Frauenquote ist erstaunlich hoch, ebenso die durchschnittliche Attraktivität.

Party-Atmosphäre & Klangwaren-TÜV


Nach dem offiziellen Teil – Skizzenbattle, die Jury zieht sich zurück, Siegerehrung – deutet alles auf eine chillige Kopf-nick-Party hin: Gediegener Old-School-Hip Hop, ein bisschen chartverdächtiger Arschwackel-Rap. Aber die zunächst überschaubare Graffitigemeinde ist so sehr damit beschäftigt, sich selbst in den Videos an der Wand zu feiern, dass die Füße erstaunlich still stehen.

Erst gegen 23.30 Uhr füllt sich der zusehends enger werdende Laden mit entspanntem Partyvolk, leger-attraktive Leute in entspannter Feierlaune. Auch der Rhythmus aus den Lautsprechern ändert sich: Statt Bass und Beat gibt’s den Rest des Abends Tanzbares aus dem Elektrobaukasten der Cheezery Corporation.

 

Catering & Getränke

Das Picc 106 kann sicher nicht durch die exklusive Auswahl an Getränken bestechen. Dafür aber durch die Preise für handfeste und bewährte Alkoholika und Soft Drinks: Wo sonst kriegt man im Freiburger Nachtleben noch ein Becks für 2,40 Euro? Für alle Hungrigen bleibt nur der Griff in die Erdnusstüte oder der Gang zum Dönermann um die Ecke.

 

Auf dem Klo um halb Vier...



...sind die Wände noch erstaunlich jungfräulich. Keine Tags und Throw Ups an den Wänden, nur ein paar Sticker deuten auf das Motto des Abends hin.

 

Aufregerle

Hartnäckig bis unfreundlich zeigt sich eine Gruppe dickarmiger haarloser Männer, die durch betont langsames Jägi-Trinken den Start in die Partynacht nach hinten verschieben. Erst als die Truppe gegen viertel nach zehn abhaut, kann die Arena für den Battle aufgebaut werden.

Aufheiterle



Der Battle selbst hat richtig Laune gemacht - auch der Jury. Die Teilnehmer mussten sich in vier verschiedenen Kategorien messen: Zwei Throw Ups (Begriffe: Picc 106 und Crazy) in jeweils 2 Minuten aufs Papier bringen, den zweiten davon mit links.

Beim "Um-die-Wette-Taggen" - das Wort Jesus war vorgegeben - musste der ein oder andere hämisches Gelächter einstecken. Für die Königsdisziplin, das Stylen, hatten die Jungs dann schon 15 Minuten Zeit. Wer die Buchstaben von "Dream" am besten per Fineliner oder Filzstift zeichnen konnte, hatte gute Noten sicher. Die besten hatte übrigens der Freiburger "Ask 4", dicht gefolgt von "Coek 197", ebenfalls ein local hero.

 

Fazit



Alle, die offen für Neues sind, sich von Klischees nicht abschrecken lassen und abgehen können, waren im Picc 106 richtig. Ein Überraschungserfolg mit Kultpotential.

Mehr dazu:

fudder.de: The Picc - Weg vom Eckkneipen-Image