Nightlife-Guru: Ihringer Weinfescht

Nightlife-Guru

Der Nightlife-Guru ist ein Biertrinker. Als er das letzte Mal Wein trank, war ihm so schlecht, dass er sich schwor, nie wieder Wein zu trinken. Was am Flaschenpreis von 1,99 Euro gelegen haben könnte. Auf dem Weinfescht in Ihringen wagte er nun einen zweiten Versuch. Ob die Konvertierung gelang:



Wer war da?

Von 16-jährigen Halbstarken, die versuchen, sich vor 24 Uhr mit unetikettierten Vodka-O-Flaschen am Punchball-Stand in den Rauschhimmel zu katapultieren, bis zum Alt-Winzer, der die Gelegenheit nutzt, um mal wieder richtig auf den Putz zu hauen und vielleicht noch einmal einen Flirt mit der Jugendliebe anzugehen, ist eigentlich das gesamte Spektrum vertreten. Alkis aller Regionen, vereinigt euch.

An der Theke

Kaum ankommen, bin ich bereits nass geschwitzt. Ich kämpfe mich durch die touristengeprägte Menschenmenge, werde dabei in norddeutschem Dialekt mit „Aha, ein Franzose“ angelallt (bedankte mich zuvor mit „Merci“ für das Durchlassen), erreiche dann aber leicht verwirrt die Straßentheke einer der zahlreich vertretenen Winzer.

Ich bin kein Weintrinker. Ich trinke Bier. Eigentlich. Wein habe ich zuletzt vor einigen Jahren getrunken. Damals habe ich mir geschworen, nie wieder einen Finger an einen Tropfen davon zu legen. Lag wahrscheinlich aber auch daran, dass die Flasche damals nur 1,99€ kostete.

Jetzt bin ich bereit: Wo könnte ich besser konvertieren als hier? Beim Blick auf die Karte folgt dann aber die Ernüchterung. 20 verschiedene Weine, was nun? Grundwissen reicht hier wohl nicht aus, dachte wohl doch tatsächlich, ich könnte mich hier einfach zwischen Weiß- und Rotwein entscheiden. Die reizende Dame hinter der Theke erkennt mein Verdutzen und kommt mir, bevor ich wieder umdrehe und „Weinsorten“ googeln muss, zuvor und schenkt mir ein paar „Probierele“ ein. Ich entscheide mich für einen Weißburgunder, nicht zu teuer, aber auch kein Ramsch und ganz schön trinkbar (Fazit 3:00 Uhr: ZU trinkbar!)

Links neben mir, ein Mitt-40er, der die Dame lauthals verflucht, nachdem er sie zuvor mit „Ey Fräulein“ ansäuselte und sie ihm folglich das Glas nur ganz knapp über den Eichstrich füllt. Wahrscheinlich besser so...

Atmosphäre

Grandios! Gegen 22 Uhr immer noch an die 25°C, kurze Hosen, so weit das Auge reicht, kalter Wein und überall strahlt mir die Motivation zu trinken entgegen. Anstoßen mit völlig fremden Leuten wird nach anfänglicher Befremdung zur Gewohnheit. In Kooperation mit meiner Begleitung erreicht die Flasche Weißburgunder kein hohes Lebensalter, schnell folgt ihr Bruder, der Grauburgunder.



Einrichtung und Deko

Heimelige Höfe, geschmückte Straßentheken, wahrlich eine perfekte Inszenierung des 6000-Seelen-Winzerdorfes. Der „Vergnügungspark“ mit blendenden Leuchtreklamen und Charts-Playlisten aus der Boxauto-Musikanlage wird geschickt abgegrenzt und dient tatsächlich nur als U-18 Anlaufstelle. Ab und zu begegnen einem die Teens auch auf der Hauptstraße, wahrscheinlich um sich bei Mama Festgeld abzuholen.

Aufheiterle

Ein wahnsinniges Steak im Weckle, gekrönt mit massig Zwiebeln und Kräuterbutter. Zerstörte jegliche Flirt-Hoffnungen, schmeckte aber wie der Himmel auf Erden. Gepaart mit einem Glas „Kalte Sophie“. Perfekt.



Aufregerle

Gegen 2 Uhr schlug das Wetter um. Gewitterschauspiel am Himmel, Platzregen. Ein jeder packte seine Sachen und flüchtete ins Trockene. Blöd nur, dass um 2:30 mein letzter Bus fuhr und ich gewissermaßen regenallergisch bin. Naja, mir gefiel es inzwischen eh so gut, dass ich beschloss, hier zu bleiben. Freundlich wurde ich unter eine Straßentheke gelassen, um nicht nass zu werden und kann so auch die 3. Flasche des Abends erwerben. Außerdem wage ich mich an ein Glas Rotwein. Passiert so schnell nicht wieder.

Auf dem Klo

Einer der großen Vorteile des Beerensaftes ist, wie ich feststelle, dass er nicht, wie etwa sein Verwandter, das Bier, zum andauerndem Aufsuchen von Toiletten führt.  

Fazit

Es ist Sonntagmorgen. Leicht neben der Spur wache ich auf. Doch wo sind die Kopfschmerzen? Kann das sein? Träume ich? Ich glaube, Ihringer Wein wirkt tatsächlich Wunder, muss wohl nächstes Jahr wieder kommen. Und in Zukunft mehr Wein trinken!

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