Nightlife-Guru: Howard Donald beim BigCityBeats Summer Jam

Nightlife-Guru & Dominic Rock

Nightlife-Guru zum Dritten: Während sich im Kamikaze Freiburger Szenegrößen entblößten, legte im Theater Take That-Boy Howard Donald auf. Unser Nightlife-Guru unterzog auch diese Party einem gnadenlosen Check. Domi knipste derweil Fotos.



Die Jungs an der Tür

Kurz nach halb elf.  In der Auffahrt zum Stadttheater. Erwartet hatte ich sich drängende Menschentrauben, die in den Genuss eines Earlybird-Tickets für 7 Euro kommen wollen. Stattdessen eine fast beängstigende Leere und Ruhe. Lediglich der „Staff“, Techniker, Caterer, Security, wuseln geschäftig hin und her. Letztere sind noch nicht wach. Meine Tasche wird höchst oberflächlich in Augenschein genommen. Stunden später allerdings werde ich beiseite genommen und die Tasche eingehend auf ihren Inhalt überprüft.

Inneneinrichtung & Deko

Weckte das Plakat in mir die Hoffnung, zwischen Palmen, Liegestühlen oder gar Hängematten und auf tonnenweise herangekarrtem feinen Quarzsand abfeiern zu können, herrscht auf dem Vorplatz sowie im Foyer des Stadttheaters nackte Nüchternheit.

Lediglich eine Diskokugel dreht sich behäbig an einer Aufhängung, hoch über dem Mittelportal des Haupteingangs. Der erfahrene Freiburger Partygänger kennt sie bereits von zahlreichen vorangegangenen (Endless) Events. Weitere extravagante Specials suche ich vergebens. Less ist nicht immer more.

So kann ich mit ein paar Jungs aus der benachbarten Schweiz mitfühlen, welche für die Deko nur ein kurzes „huärä schäbig“ übrig haben.

Wer war da?

Insgesamt sehr heterogenes Publikum. Vom Freiburg-Tourist bis hin zum Anwohner von Nebenan. Von Anfang an fallen auf: Grüppchen und Gruppen junger Mädels. Sie sind zu jung, um die Trennung der Boygroup Take That beweint zu haben und tragen die wichtigsten Must-haves des Sommers 2008 aus Orsay, Pimkie und Forever 18 auf.

Zu Beginn sitzen sie fast alle auf den Treppenstufen. Ich fühle mich wie in der grossen Pause auf dem Schulhof. In krassem Gegensatz dazu die zahlreiche erschienenen Vertreter der ersten Post-Beatles-Generation.



Besonders sticht ins Auge ein Rudel Männer, die ich zunächst für Angestellte eines Entsorgungsunternehmens halte. Jedoch trägt Orange heute Abend nicht nur die Müllabfuhr, sondern auch Junggesellen auf Abschied.

Party-Atmosphäre

Howard Donald steht hinter drei Pioneer CDJ-1000 MK3, richtet seinen athletischen Oberkörper auf, breitet die Arme aus. Und wir, die Crowd, recken ihm unsere Hände entgegen. Bittend, flehentlich, hilfesuchend. Wir verlangen nach wuchtig pumpenden Kickdrums, röhrenden Basslines, funkigen Riffs. Howard Donald reizt uns mit Loops und Effekten bis zum Äussersten, und gibt’s uns – endlich. Dirty, filthy, dreckig, schmutzig. Hüften kreisen, Füsse stampfen, Leiber zucken (mehr oder weniger) im Takt.



Wir feiern ihn und uns bei Temperaturen nahe dem Siedepunkt frenetisch ab. Rhythmische Bierhalter sehe ich kaum.

Catering & Getränke

Drei Bars, im Aussenbereich, Foyer, und Mezzanine des Stadttheaters versorgen die Party-People. Die laue Sommernacht und die Hitze auf der Tanzfläche sorgen rund um die Uhr für durstige Kehlen und dehydrierte Körper, doch auch zur Peak-Time werde ich rasch bedient.

Zum Glück gibt’s diesmal keine Southern Comfort- oder ähnliche Spirituosen-Promotion, die schrottige Give-aways wie Strohhüte verteilt.

Auf dem Klo um halb vier...

…will ich nicht gewesen sein. Und schon gar nicht will ich wissen, in welch desolatem Zustand die – zu wenigen – Dixi-Klos zu diesem Zeitpunkt waren.

Klangwaren-TÜV

Noch von weitem sind die Bässe aus dem Stadttheater zu vernehmen. Wuchtig und gewaltig ist das Klangbild der Anlage, doch für meinen Geschmack – jedenfalls als Howard Donald auflegt – zu undifferenziert.

Shaddy, das Freiburger DJ-Urgestein, packt aus seiner unerschöpflichen Sammlung zunächst „House, House and more fu**ing House“, mit der Zeit auch technoide Schmankerl auf die Plattenteller. Für (meine) Höhepunkte des Abends sorgen die deepe Hymne „Lovelee Dae“ von Blaze, das funkgeladene „Testify“ von UBP pres. Jay Williams, Gabriel Anandas minimalistische „Doppelwhipper“ sowie das experimentelle „Moving Like A Train“ von (Matthew) Herbert.

Howard Donald darf sich glücklich schätzen, eine auf den Punkt aufgewärmte Crowd zu übernehmen und mit seiner Definition elektronischer (Tanz-)Musik zu bedienen. Er schiebt ausschliesslich Silberlinge mit (sehr angesagtem?) Electro-House in die CD-Player, Clubtunes eines Lucien Foort, Martijn Ten Velden, der „Swedish House Mafia“, und, und, und. Abfahrt insbesondere, als er sein eigenes Werk, das tief röhrende „Going Home“ einspielt.

Lichtwaren-TÜV

Auch wenn (diesmal noch) kein technical wizard für die Lichteffekte verantwortlich zeichnete, gefällt mir am Samstagabend das Spiel von Licht und Farbe, Schichtungen und Überschneidungen um ein Vielfaches besser, als noch bei Tiefschwarz im Februar. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass diesmal die Lichterwand des Foyers nicht mit einer Bar verbaut ist.

Aufheiterle

Kaum stehe ich auf der Tanzfläche, inmitten ausgelassenen tanzender und verschwitzter Menschen, umschliessen zwei Arme meinen Oberkörper. Ein weiblicher Körper schmiegt sich an meinen Rücken. Sanft löse ich mich aus der Umarmung, drehe mich um, und blicke in das verstrahlte Gesicht eines blonden Rauschgoldengels. „Sorry, hab’ Dich mit meinem Freund verwechselt“, haucht sie mir ins Ohr, küsst mich auf die Wange und verschwindet in der Menge. Schade eigentlich.



Aufregerle

Pfand-Rückgeld gibt’s „nur gegen Pfandmarke“. Doch an keiner Bar erhalte ich Plastikchip oder Kartonstreifen und so frage ich mich, ob überhaupt Pfandmarken ausgegeben wurden.

Fazit

Ferienzeit ist Partyzeit. Der „Big City Beats Summer Club“ mit Howard Donald stillte das Verlangen der Masse nach exstatischem Tanzen, der Nightlife-Guru wünscht sich für’s nächste Mal ein ausgefeilteres Lichtkonzept sowie (viel mehr) Deko-Extras.

Foto-Galerie: Dominic Rock

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.