Nightlife-Guru: Electronic Sensation im Alten Stinnes Areal

Nightlife-Guru

Mädels in zu enger Leggins, durchsichtigem Top und New Balance: Der Nightlife-Guru war auf der Mai-Party im Stinnes und hat statt echten Ravern junge Hipster-Mädels getroffen. Sonstige Aufreger: ein Kerl, der Schweißtropfen trinkt, und ziemlich krasse Techno-Sets von Marika Rossa.

 

Die Jungs an der Tür

 
Als sich der Nightlife-Guru in der Nacht zum Ersten Mai in die Schlange am Eingang des Stinnes-Geländes einreiht, ist er sofort positiv überrascht: Die Schlange wird aufgeteilt in Hard-Tickets, Internet-Tickets, Abendkasse und Gästeliste. Das beschleunigt alles immens, und ich bin superschnell wieder im Trockenen, denn es regnet in Strömen.

Ein älterer Kerl mit Panzerkette um den Hals versucht den Türsteher dazu zu überreden, seinen minderjährigen Kumpel reinzulassen, der leider seinen Ausweis “vergessen” hat. Der Türsteher reagiert äußerst gelassen mit einem Nein.

An der Garderobe

Eine Never-Ending-Schlange. Ich stehe eine gefühlte halbe Stunde an, gebe meine Jacke und die meiner Begleitung ab, die beide auf einen Bügel gehängt werden, um Platz zu sparen. ich zahle zwei Euro. Beim kurzen Blick auf die Uhr fällt mir auf, dass ich gerade mal zehn Minuten gebraucht habe. Okay, das geht ja noch. Jetzt aber ab ins Getümmel.

Wer war da ?

Als ich die Techno-Hallen des Stinnes-Areals gegen halb eins betrete, ist der Laden gerammelt voll. Eines wird dem Nightlife-Guru schnell klar: Hier haben sich heute Abend die Techno-Jünger des Dreiländerecks versammelt. Ich höre Schweizerdeutsch und Französisch.

Mit der Bezeichnung Techno-Jünger meine ich jedoch nicht den klassischen Raver mit Glatze, bunten Klamotten, Sportschuhen und Wasserfalsche. Heute Nacht sind es vor allem die etwas unauffälligeren Mädels und Jungs. Dazu kommen muskelbepackte, vor Testosteron strotzende Kerle in G-Star-Hosen, die sich zum Teil fühlen, als hätten sie den Laden gepachtet.

Ihnen dicht auf den Fersen sind Mädels in zu enger Leggins, halb durchsichtigem Top und New-Balance-Sneakern.

Wo sind die Raver?
Wo sind die wirklichen Techno-Jünger, die ich heute Nacht hier erwartet habe?

Ich begebe mich also auf die Suche, schließlich gibt es heute fünf Floors. Ich quetsche mich über den Hangar-Floor, wo gerade Format B sein Set spielt. Dann durch einen hell erleuchteten Gang hinüber zum Club-Floor. Hier bietet sich mir ein ähnliches Bild: kleine, unauffällige Mädels, die sicher fünf Jahre älter sind als ich und von zwei bis vier Kerlen begleitet auf dem Dancefloor und drumherum stehen oder tanzen.

Nächstes Ziel: der TV-Floor. Hier ist um diese Uhrzeit nicht viel los. Auf der Tanzfläche ist noch ordentlich Platz, drum herum stehen viele mit Getränk in der Hand und unterhalten sich. Dass ich auf dem als “Deep Melo” deklarierten Floor keine Raver finde, ist mir klar. Dafür sehe ich viele jüngere Mädels, die sich schick gemacht haben. Die Haare geglättet, lange Ketten mit Anhängern dran, helle Oberteile mit zum Teil leichtem Rückenausschnitt, dunkle Hosen. Neben den typischen Airmax sieht man halbhohe Stiefel oder Vans.



Nachdem ich mich an der Bar mit einem Red Bull versorgt habe, ziehe ich weiter mit dem Ziel “Tanzcafe” - hier beginnt Rampue gleich sein Set. Dass es viele Floors, Außenbereiche und lange Gänge gibt, entzerrt das Gedränge immens, das gefällt dem Nightlife-Guru. Ich wähle jedoch den beschwerlichen Weg durch den Hangar - und bleibe einfach dort, denn das ständige Durchgekämpfe, um einem Floor zu überqueren, ist mir jetzt einfach zu anstrengend.

Zu späterer Stunde, so um halb drei Uhr, versuche ich mein Glück erneut. Ich begebe mich auf den Club-Floor; Daniel Portman spielt hier gerade sein Techno-Set. Um mich herum das alt bekannte Bild: schwitzende, überwiegend männliche Menschen in grauen, schwarzen und weißen T-Shirts, silberne Kettchen um den Hals, Gel in den Haaren (falls vorhanden).

Links vor mir tanzen zwei blonde jüngere Mädels, die hier wirken wie die Weiße Frau in einem Käfig voller Mini-King-Kongs. Sie drehen sich ständig nach links und rechts und wirken, als könnten sie es nicht wahr haben, dass sie hier keiner antanzt.

Neben mir tanzt ein Kerl oben ohne. Er hat schwarze Dread-Locks, einen Bart und tausende Bändel an den Armen. Obwohl der Techno brettert, bewegt er sich nur langsam hin und her. Der Oberkörper schwankt von rechts nach links, die Arme hoch und runter, die Beine in einseitigen Kniebeugen. Wow!

Kurz nach drei begebe ich mich raus in den Garten. Auf dem Weg dorthin begegnen mir gleich vier Glatzköpfe in Tank-Tops. Yes! Es gibt sie doch noch, die Techno-Jünger des Stinnes-Areals.

Deko

Auf den ruhigeren deepen Floors “Tanzcafe”, “TV” und in den Gängen dorthin hängen neonfarbene, spinnennetzartige Stoffinstallationen an der Decke. Über dem TV-Dance-Floor hängen kristallartige Zapfen, die aussehen, als wäre man in einer hell erleuchteten Tropfsteinhöle.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Die Partyatmosphäre ist gut, die Leute wollen feiern und die Sau rauslassen. Dass das Stinnes-Areal ein Techno-Bunker ist, brauche ich nicht extra zu erklären. Auf den einzelnen Floors, inmitten der tanzenden Menge ist die Partystimmung richtig gut, ausgelassen und sehr euphorisch. Abseits davon kann es schon mal eklig werden, wenn ein Kerl auf dem Gang sitzt, den Kopf auf den Beinen und sich nicht all zu oft bewegt.

Nachdem Daniel Portmann sein krachendes Set beendet hat, das die Menge so richtig zum Ausrasten bringt, sieht man auf der DJ-Kanzel nur noch eine rosafarbene Mütze sich hin und her bewegen, die von zwei Kopfhörern umklammert wird. Klarer Fall: Das ist Marika Rossa.

Schon während die Menge für Daniel Portmann lauthals schreit, applaudiert und der Künstler dem Publikum mit erhobenen Händen dankt, schrallert eine kratzende Melodie durch die Boxentürme.
Und dann geht’s los: Nebel, Strobo, Bass und Hi-Hat bringen die Crowd innerhalb von Sekunden in Extase. Das ändert sich jetzt auch nicht mehr sonderlich, denn Marika Rossa spielt ein kompromissloses Techno-Set. Die Hi-Hat spitz und knallig, die Bässe hart und schnell.

Der Nighlife-Guru genießt diese Szenerie von glücklich tanzenden Menschen, schöner Musik, drückender Anlage, Blitzlichtgewitter und in bunte Farben getauchte Dancefloors - egal auf welchem der fünf er sich befindet.

Gegen 4 Uhr wechsle ich auf den Hangar, hier knallt Boris Brechja ein Monster-Set raus. Zwischen kreischenden, bebenden Synthies, polternden, drückenden Bässen, die einen zum Tanzen zwingen, kommen melodische Parts, die zwar selten, aber wenn sie dann da sind, eine wunderbare Verschnaufpause bieten.



An der Bar …

... missmutige Barkeeper, kühle Getränke, nervige Bonkassen, schnelle Bedienung.

Auf dem Klo um 3 …

... ist die Schlange vor den Toilettenkabinen bei den Männer gleich lang wie bei den Frauen.

Aufheiterle

Der Schweiß tropft von der Decke. Ein Kerl neben mir macht den Mund auf, streckt die Zunge raus und genießt. Na lecker.



Aufregerle

Es ist Tanz in den Mai, alle wollen feiern. Also seid nett zueinander und rastet nicht aus, wenn zwei sich mal aus Versehen anremplen.

Fazit

Geile Mukke, super Organisation, schöne Party. Der Nightlife-Guru hatte viel Spaß.

Mehr dazu: