Nightlife-Guru: Dubwohnzimmer @ White Rabbit

Nightlife-Guru

Alle zwei Wochen Dienstags wird der allseits beliebte Hasenbau zum Dubwohnzimmer. Klar, dass unser Nightlife-Guru die Veranstaltung von Selectah Easy T Jam mal unter die Lupe nehmen musste. Wie's war:



Die Jungs an der Tür

Ein paar ausgetretene Kippen, ein zerknitterter Flyer und dichte Staubflocken liegen auf den Steinfliesen im Eingangsbereich zum White Rabbit. Niemand sitzt auf den Treppenstufen. Niemand steht draussen und raucht. Auch ein Rastarambo oder sonst eine Art von Türsteher, der mir den Zutritt verwehren könnte, ist nicht zu sehen. Stille umfängt mich. Sie wird ab und zu unterbrochen von einem sanften Basswummern, das durch die dicke Holztür des Kellerklubs hindurchdringt.

Inneneinrichtung und Deko

Das White Rabbit ist heute Abend Rückzugsort und Fluchtburg der regionalen Jah Warriors. Brennende Ölfässer, herumliegende Gummireifen, alte Lattenzaunbretter mit rostigen Reißnägeln und andere Gegenstände, die zur Grundausstattung eines dem Klischee entsprechenden „shelters“ gehören, fehlen allerdings.

Die Reggae-Community bevorzugt den nüchternen, geradlinigen Einrichtungsstil des Hasenbaus. Über dem Rückbuffet hängen zwei, drei Plakate. Vorankündigungen bevorstehender Konzerte. Das T-Shirt mit Schwarz-Weiß-Konterfei von Pischko fehlt jedoch. Wurde es verkauft? Kauft das überhaupt jemand? Oder habe ich es im schummrigen Licht einfach nur übersehen?!

Wer war da?

Ich sitze unweit des Bartresens an einem Tisch. Vor mir ein Glas Weizenbier. Ich schaue mich um. Ein paar Jungs in Cargo-Bermudas, Blockstreifen-Shirts oder Holzfällerhemden und mit weichem Milchflaum im Gesicht sitzen an einem Tisch. Sie stecken die Köpfe zusammen. Immer wieder fällt ein Name. „Die Claudi“. Und spanische oder französische Ortsnamen. Hört sich nach Sexhunger auf „Claudi“ und Urlaubsplanung an. Worte wie „Campen“, „Biarritz“ und „San Sebastian“ dringen an mein Ohr. An einem anderen Tisch sitzen drei, vier Mädels. Sie scheinen auf irgendetwas oder irgendjemanden zu warten.

Die Wartezeit überbrücken sie, indem sie sich gegenseitig anschweigen. An der Bar, in den Sitznischen auf Höhe der Tanzfläche erblicke ich ein paar Szene-Insider. Sie sind unschwer zu erkennen an ihren wohlgepflegten Dreadlocks und T-Shirts mit entsprechenden Statements. „Roots Rock Reggae“, „Jahrusalem“, „Riddim“, „Africa Unite“ und was immer auch darauf geschrieben steht. Die Farbgebung könnt ihr euch ja vorstellen. Zudem sitzen an der Bar ein paar Gestalten, denen man sicher nicht zu nahe tritt, wenn man sie als Inventar des Clubs bezeichnet.



Feieratmosphäre & Klangwaren-TÜV

Ungelenk und arthritisch steif bewegen sich zwei Mädels auf der Tanzfläche im Schutz der stehenden Lautsprecher. Mir fällt auf, dass ihre Fuss- und Kniegelenke im Dauereinsatz sind. Sieht jedenfalls nicht so aus, als ob sie locker aus der Hüfte heraus tanzen. Booty shake & Co – das darf man im genderbewussten Reggae-Milieu wahrscheinlich nicht.

Dieses Bewusstsein hat allerdings nicht immer auf die Musik abgefärbt. Andauernd habe ich den Eindruck, dass der MC homophobe Lyrics toastet und seinem Unmut über die Verderbtheit der Gesellschaft freien Lauf lässt. „Babylon“, „distroi di empaiah“ und Sätze wie „Jah, Jah, mi blessed savior“ dringen an mein Ohr. So viel sündhaftes Treiben, wie es in den auf Ten- und Seven Inches gepressten Stücken besungen wird, gibt’s noch nicht einmal im Alten Testament.

Egal. Irgendwann nehmen die Gottesanrufungen ein Ende. Dubwolken und dicke Bässe hüllen die Tanzfläche ein. Zwei Jungs nehmen den Groove mit ihren Armen auf. Sie rudern kräftig mit. Ihr Unterkörper bleibt allerdings statisch ruhig und unbewegt. Allzu voll wird der Dancefloor jedoch nicht (mehr werden). Hier herrscht tatsächlich eine – gemütliche – Wohnzimmeratmosphäre.

Catering & Getränkekarte

Wasser ist umsonst? Jungs, so wird das nie etwas mit dem Lamborghini!

Auf dem Klo um halb vier

Keine Ahnung, warum ich „Vibes Is Right“von Barrington Levy im Ohr habe, als ich – nervöse Blase – nachts noch einmal raus muss. Gespielt wurde der Song nämlich nicht.

Aufregerle

Gerade weil dieser Abend nichts, aber auch gar nichts bereit hielt, worüber ich mich hätte aufregen können, rege ich mich auf. So aufregungs- und stressfreie Abende täuschen doch nur eine falsche Idylle vor.

Aufheiterle

Keines.

Fazit

Das Dubwohnzimmer von Selectah Easy T Jam schliesst eine Lücke im Freiburger Nachtleben und schafft eine Plattform für DJs und Musikliebhaber klassischer jamaikanischer Roots-Musik und ihren unzähligen Ausprägungen. Auf steppende Beats und schwere Basslines mit dem psychedelischen Wobbel unten rum muss zwar etwas länger warten. Doch  bis dahin kann man sich in die Wohlfühlstimmung so richtig einkuscheln.

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