Nightlife-Guru: Dog Park Freiburg Eröffnungsparty

Nightlife-Guru

Am Freitag wurde im Industriegebiet Nord nach längerer Pause wieder gefeiert. In die ehemalige Funpark-Location in der Hans-Bunte-Straße 16a lud der neue Dog Park zur Eröffnungsfeier. Der Nightlifeguru ist mit dem Dog-Shuttle aufgestiegen und heil wieder gelandet.





DieJungs an der Tür

Neugierig steige ich aus dem fast leeren Shuttlebus aus der Innenstadt. Die Jungs an der Tür sind zahlreich und stabil gebaut, wohl eine Folge der bewegten Vergangenheit der Location, deren Publikum früher nicht immer durch Wohlverhalten auffiel.

Bei der gründlichen Ausweis- und Taschenkontrolle am Eingang wird auch vor dem beherzten Griff in den Schritt nicht haltgemacht. Auch drinnen sind die Jungs allgegenwärtig. Sie machen ihre Arbeit einwandfrei, freundlich, bestimmt, professionell. Das Konzept geht an diesem Abend auf, Ausfälle im Publikum, seien es Alkleichen, Drogenopfer oder Testosterongeschädigte, bleiben unsichtbar, die Stimmung ist entsprechend.

Hier ist euer Arsch in guten Händen.



Einrichtung und Deko

An der Deko hat sich seit Musikarena-Zeiten nichts geändert. Verstreut stehen Palmen, terrakotta-pastellfarbene Wände und "griechische" Statuen im mittleren Raum, Naturholz-und-Dachziegel-Hütten auf dem Elekrofloor, eine Art Stalaktitenformation über dem Reggae-Floor, leicht JuZe-artig anmutende Wandmalereien auf dem Drum'n'Bass-Floor.

Für Leute, die den Abend aus Liebeskummer oder anderen Gründen aufgegeben haben gibt es einen kleinen Raum mit Schlagkraftmesser und ähnlichen Gerätschaften, eine Art Depressivenabstellkammer. Gute Nachrichten: der Raum bleibt überwiegend leer.

Positiv anzumerken: Liegestühle, Sitzgelegenheiten satt, jede Menge Getränkeverkaufsstellen, die Videoleinwände auf dem Hiphop-Floor, das Licht: LED-Strahler, Leuchtpaneele, Laser, eine riesige Discokugel auf dem Hiphop-Floor, der auch mit einer absurden (geilen) LED-besetzten Palme glänzen kann.



Wer war da?

Junge Leute. Sehr junge Leute zum Teil. Obwohl man D'n'B und Reggae ja durchaus auch in der KTS hören kann, ist das Publikum, bis auf eine einzelne Batikrockträgerin, die sich kurz auf den D'n'B-Floor blicken lässt, wenig „alternativ“.

Die Schirmmützenträger sind hier keine Hipster, die Trainingsjackenträger stehen hier nicht auf Tocotronic, man trägt die Haare gegelt und ist ordentlich rasiert und kräftig parfümiert. Das Publikum ist sehr gemischt, ordentliche Karohemdenträger, Kettchen und Trikot tragende Hiphopper, hübsche Frauen in schwarzen oder wahlweise weißen Hemdchen oder Kleidchen.

Feier-Atmo

Die Lautstärke fängt gut an und wird später grenzwertig laut. Die Anlage ist – meine Meinung – einwandfrei, mein Begleiter fordert mehr Bass. Auf dem HipHop-Floor wird es richtig voll, auf dem Elektrofloor ordentlich voll, Reggae einigermaßen voll, D'n'B bleibt heute leer.

Die Leute sind happy und entspannt und werden im Lauf des Abends immer ausgelassener. Auf dem Elektrofloor kommen bei Konsenselektro und süßlich riechendem Disconebel ungute Jugenderinnerungen hoch. Zugekokst wirkt niemand, Ausfälle gibt es keine, auf den Dancefloors wird kräftig abgehottet, je später der Abend, desto mehr wird rumgemacht, was will man mehr.



Catering und Getränke

Bei den vom Flyer angekündigten „Geträne-Specials“ (sic) und den allgegenwärtigen Ausschankstellen bleibt tatsächlich kein Auge und auch sonst nichts trocken, auch wenn es im eigentlichen Sinne keine Specials gibt, sieht man davon ab, dass praktisch alles, was der Laden anbietet, auch als Flasche zu haben ist, bis hin zur Flasche Moet für 80 Euro.

Die Longdrinks sind klein, aber mit 3 Euro auch nicht teuer. Gut: Wodka Lemon und, überraschenderweise, Amaretto-Apfel. Auch der Jägermeister-Bull ist einwandfrei, wenn man auf so was steht. Mein Gin Tonic und Campari Soda leiden unter abgestandenem Tonic beziehungsweise Soda und laschem Gin, das Wasser ist mit 2 Euro für 0,25 l und 5 Euro für die Flasche zu teuer. Der aufdringlich beworbene Hauslikör „Ficken“ schmeckt wie Joster, also indiskutabel ekelerregend schauderhaft.

Auf dem Klo nachts um drei

Auf dem Boden bilden Flüssigkeiten und Schuhdreck psychedelische Muster, aber wassertiefenmäßig nichts, was man in der Jackson Pollock Bar oder dem Kamikaze nicht schon schlimmer gesehen hätte. Papierhandtücher sind alle, junge Männer unterhalten sich über ihre Aufrisse.



Spruch des Abends

„Naa, alles fit Alter, was machscht du denn hier??“ – „Jooo, kei Aahnung!“

Aufheiterle

Die komplett unterbeschäftigte Ausschankdame auf dem D'n'B-Floor feiert zwischen ihren vereinzelten Getränkeverkäufen kräftig mit.

Aufregerle

Wie kann in einem Laden mit einem solchen Getränkedurchsatz das Tonic Water abgestanden sein??

Abrechnung

Der von Universal D.O.G.-Betreiber Domin versprochene „Spagat (…) zwischen Mainstream und Subkultur“steht erstmal nur auf einem Bein: obwohl im kleinsten Raum angesiedelt, steht der Drum'n'Bass-Floor den ganzen Abend praktisch leer. Das Publikum will seinen D'n'B scheinbar lieber bei den üblichen Verdächtigen in der Innenstadt hören.

Mit dem aktuellen Konzept dürfte der D.O.G.-Park aber trotzdem ein Erfolg werden, die Stimmung ist an diesem Abend gut, Stresser haben bei der Security keine Chance. Massenappeal und Underground-Credibility sind schwer zu kombinieren, die Subkulturjünger feiern tendenziell wohl doch lieber unter sich.

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