Nightlife-Guru: Dekolleté im Finkenschlag

Nightlife-Guru

Mit Performancekunst hat der Nightlife-Guru eigentlich nichts am Hut. Aber irgendwie hatte er diesmal Bock auf wirres Happening - da kam im ein mysteriös anmutendes Projekt namens 'Cleavage' (also 'Dekolleté') im PVC-Quartier Finkenschlag gerade Recht. Warum er ein wenig verstört wiederkam:



Die Jungs an der Tür ...

haben auf die Schiefertafel am Eingang geschrieben: "Vorstellung - heute abend - "Cleavage*" (* Dekolleté)". In Klammern dahinter: (geht auch nicht so lange). Ich liebe konkrete Ankündigungen. Die Besucher versammeln sich vor der rustikalen Außenstelle des Theater Freiburg bis ein Mann in langen Unterhosen sie hereinbittet. Ein Dekolleté hat er nicht.



Einrichtung und Deko

Bisschen eklig - aber interessant. So muss das bei Performancekunst (glaube ich) ja auch sein. Ein winzig kleiner Raum, überall leere Bierflaschen, Pizzaschachteln, eine alte Couch, unter ihr liegt eine nackte Barbie. Eine Leinwand auf der ein Videospiel läuft, ich weiß nicht welches, ich bin ja nur Gast.

Ich setze mich mit den anderen 20 Zuschauern auf eine wackelige Bank, etwa einen Arm breit von der Bühne entfernt. Das alles erinnert mich sehr an die Wohnzimmer-Vorstellungen, die ich mit neun Jahren für meine Familie und die Nachbarschaft veranstaltet habe. Aber zu denen kam fast nie jemand.

Wer war da?

Viele Mädchen, die mit gepunkteten Hollandfahrrädern angeradelt kommen, denn "Graham vom PVC" kennen, Bio-Eistee trinken und rote Cowboystiefel tragen. Ein Motorradfahrer, drei kleine Jungs, die sich tierisch über die tanzenden Männer freuen und ein Mädchen auf Rollschuhen, das aber schon nach der Hälfte der Vorstellung energisch prustend die Hütte verlässt. Schade, sie war eine der wenigen Anwohner der Straße, die sich hierher verirrt hatten.



Tanzwaren-TÜV

Ganze 20 Minuten wird ersteinmal gar nicht getanzt. Es gibt eine Kinderstimme im Off, die eine Geschichte erzählt, und eine Männerstimme, die das gleiche tut. Dann kommen zwei schöne Männer in Unterhosen und -hemden auf die Bühne, setzen sich auf den Boden, legen sich auf die Couch, schauen sich lange in die Augen. (Jetzt geht das Rollschuhmädchen, sie hat die Hoffnung aufgegeben, dass heute noch getanzt wird.)



Verwirrerle

Doch: Plötzlich verschwinden die schönen Unterhosen-Männer und kehren im Sexpuppen-Anzug wieder. Sie tanzen und alle lachen, vor allem die drei Jungs. Die Tänzer tanzen noch ein paar Minuten recht öbszön weiter, ziehen sich gegenseitig aus und bleiben am Ende verdutzt und unterhosig auf der Bühne stehen.

Dann wird das Videospiel auf der Leinwand durch Filmaufnahmen ersetzt, die nasepopelnde Haslacher Kinder zeigen, mit denen das Tanzduo wohl viel Zeit verbracht hat. Das ist irgendwie witzig und rührend, nur eben nicht sehr verständlich. Aber die Kinder schreien: "Alter guckma, das bin ich Mann!", und sie freuen sich und ich mich mit ihnen - auch wenn ich das alles nicht verstehe.  

Atmosphäre

Die Hütte ist heiß und stickig, so groß wie ein WG-Zimmer und so voll wie eine Gemischt-Sauna. So ähnlich riecht es am Ende auch. Aber die Leute sind nett zueinander. Sie kennen sich ja alle. Nur mich kennt keiner in dieser vertrauten Runde, ich bin ein UFO.



Catering

Nach der Vorstellung gibt es für jeden ein kühles Zäpfle.

Aufheiterle

Nach der Vorstellung gibt es für jeden ein kühles Zäpfle.

Auf dem Klo

... schaue ich in den Spiegel und frage mich: Was zum Teufel tust Du hier?

 

Fazit

Als ich Kind war, habe ich Hütten aus Bananenkartons gebaut. Ich habe in einem Anzug aus Plastiktüten Purzelbäume geschlagen und dazu selbst komponierte Lieder gesungen. Ich habe aus Kochtöpfen ein Schlagzeug gebastelt. Meine Güte, wenn man damals gewusst hätte, dass das eigentlich Performancekunst war, wären bestimmt mehr Leute zu meinen Vorstellungen gekommen. Schade drum.

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