Nightlife-Guru: Christmas on the Ponderosa im Teng

Nightlife-Guru

Nightlife-Guru: Christmas on the Ponderosa im Teng Weihnachtsfeier in unserem liebsten Western-Puff! Da schält sich unser Nightlife-Guru aus dem Sofa und lässt sich schwindlig nudeln von all den bekloppten Weihnachtssongs, die im Great Räng Teng Teng so aufgetischt werden.



(Die Jungs) An der Tür


Gibt’s nicht.
Der Weg in den Keller ist frei. Nächste Rubrik.

Inneneinrichtung & Deko

Gibt’s nicht. Nächste Rubrik. Oder – halt! Lasst uns froh und munter sein und auch den Blick auf die kleinen Details richten. Hinterm Tresen, direkt vor der Anlage, baumelt ein LED-Sternenkranz an der Decke, der zum Frohlocken einlädt. Liebevoll ist der Kopfhörer am DJ-Pult mit einem knallroten Herzchen an der Seite behängt und mit einer roten Schleife oben bekränzt.

Wenn jetzt noch der Plattenaufleger mit dem dunkelgrünen Hemd dran ist, steht er leibhaftig vor einem: der wandelnde Weihnachtsbaum! Fehlen eigentlich nur noch die Kerzen. Hat jemand Feuer?

Wer war da?

Außer mir, glaube ich, war nur die Räng Teng Teng-Crew am Start. Na gut, ein paar Unentwegte hat es noch wie mich mit einer milden Brise im Rücken die Kellertreppe runtergeblasen. Das Sonntagabend-Publikum ist eigentlich wie immer: Musikliebhaber, Kneipengänger, Thekenschlampen (vor der Theke) und trink- und wetterfeste Quartalssäufer.

Die Jungs, von denen einer kurz Hiphop-Moves (Windmills) auf der Tanzfläche ausprobieren, verziehen sich nach vollbrachter und beklatschter Tat, bevor Santa Claus die Bässe richtig reinhaut.



Party-Atmosphäre & Klangwaren-TÜV

Spekulatiusduft durchwabert das Teng, handgeklöppelte Plätzchen, die sich die Betreiber der Kaschemme vom Munde abgespart haben, pflastern den Tresen und die spärlichen (Gaben-)Tische, an den Wänden prangen von Omi gehäkelte Goldsterne, an der Decke und am Boden schlängeln sich Lichterketten, ein stilecht abgerockter Weihnachtsmann macht die Runde und schenkt im Wechsel Vanillekipferl-Gewürztee und zimtgeschwängerten Glühwein aus, bis mir die Nelkenschwaden zu Kopf steigen und... – Stopp! Das ist doch alles nur frommes Wunschdenken!

„Es ist nichts, wie es scheint“, verkündet der Aufkleber auf dem Knabberautomat. Irritierend. Auch einige Vinyl-Singles haben sich in Schale geschmissen und rotieren in wahlweise Rot, Lind- oder Tannengrün auf dem Plattenteller. Für den X-mas-Faktor sorgen einzig und allein die Songs, die in irgendeiner Form „was mit Weihnachten“ zu tun haben. So zieht Rudolph The Red-Nosed Raindeer seine Runden, und Hank The DJ wippt so kraftvoll dazu, als wolle er den Schlitten von Good Old Rudy höchstpersönlich an den Polarkreisen ziehen.



So jubilieren die himmlischen Chöre „Elvis Fuckin’ Christ“, souffliert von den US-Rockabillies The Cramps, oder auch Louis Armstrong oder Johann Bargeld (für Eingeweihte: Johnny Cash). Von Wham!s rührseliger Grütze von 1984 lauern an die hundert Coverversionen tretminengleich auf unvorsichtige Hörer weltweit, die aus Versehen die Hörmuschel offen stehen lassen. Eine davon kommt auch hier zu Ehren und zu Ohren. Wenn man die ponderosarote Brille aufsetzt, lässt sich’s ertragen, ohne dass einem gleich die Haare ausfallen – Stichwort: Nadeln.

„Schrecklich, schrecklich, schrecklich!“, entfleucht es einem der wenigen Gäste im Hinblick auf die Musik. Doch immerhin wird hier nicht die unsägliche Weihnachtsmucke aufgetischt, die zur Zeit aus sämtlichen Kaufhauslautsprechern der Republik rieselt und von vermeintlichen Gutmenschen im Formatfunk flächendeckend unters Volk gejubelt wird. Damit werden die Gehörgänge zugekleistert wie mit Schneematschsiff. Die Songs sind so scheußlich, dass ich noch nicht mal die Titel nennen kann, ohne Ausschlag zu kriegen. Ich bin mir sicher, dass hierin die Ursache für Erkrankungen wie das Romano-Ward- und das Jervell-Lange-Nielsen-Syndrom liegen.

Da fange ich mir lieber freiwillig Platzangst und Streptokokken ein. Doch die DJ-Posse des Gewölbesaloons kapriziert sich auf Christmas im Blues-Kleid und im Country-Gewand und schrammt nur selten am Kitschsaum entlang. Kurzum, von Sause keine Spur, sondern gemütlich war’s im Teng, verbale Anspielstationen hüben wie drüben standen ständig bereit.



Catering & Getränke

Ist der Abend mau und fehlt die Frau, wirste erst mal... Wo war ich? Ach ja, Getränke. Zäumen wir das Pferd von hinten auf: Man kann sich auch schluckweise schön in den Abend hineintrinken. Zwischen die Bierchen passt komischerweise immer ein Kurzer. Die Tattoo-Thekenmaus hat den Laden voll im Griff und gießt sich zur Belohung noch ’nen Schuss Wodka in die Red-Bull-Dose. „Für Indianer“, weiß die Getränkekarte, die wie weiland das Konterfei von Old Bill unter dem WANTED-Schriftzug an die Puffwand getackert ist, für Indianer also gibt’s Astra zu 2,60 die Buddel.

Doch heute sind irgendwie alle im Teng-Cowboys auf der Ponderosa Ranch, nix Indianer, nix Tomahawk und kaum Squaw. Wem bei dem Gedudel eher nach Alpinem zumute ist, der kann sich für denselben Preis ’n Almdudler einpfeifen. 0,2 Liter Rioja für 4 Euro sind was für Rothaut-Aficionados. Südländische Behaglichkeit in nordischen Gefilden verspricht Southern Comfort: 4 cl für 4,20 Euro. Ach ja, zum Thema Catering: siehe oben, Knabberautomat. Pistazien oder Nüsse für einen Euro. Denn im Teng wird nicht gecatert, sondern gekatert.

Auf dem Klo um halb drei

Ruhig geht es zu, weihnachtliche Friedfertigkeit hat sich auch hier ausgebreitet, sodass Stille Nacht und Stilles Örtchen endlich einmal in friedlicher Koexistenz ein harmonisches Fest der Liebe feiern.



Aufregerle

Eine bizarre Tussi kreuzt zwischendurch auf, labert so gut wie jeden an und droht, sie würde später wiederkommen. Was sie aber nicht gemacht hat.

Aufheiterle

Jeder Kurze.



Fazit

Prädikat: Absolut ausbaufähig. Fast, ja fast (oder schnell?) legt sich eine friedliche Stimmung über den Westernladen, die Gäste auf der Ponderosa Ranch grinsen vergnügt und berauschen sich an Weihrauch und Krippen, pardon Drinks und Kippen. Und Gesprächen. Wenig Zulauf, aber sehr gelungener Abend.

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