Nightlife-Guru: Baden in Blut in Lörrach

Nightlife-Guru

Gut 1000 Metalfans vom ganzen Dreiländereck haben sich am Samstag im Naturpark Grütt in Lörrach versammelt. Sie empfingen unter anderem das Geballer der Freizeit-Psychopathen von Endstille und den Death Metal-Segen von Benediction. Auch der Nightlife-Guru hat im Moshpit sein Bier verschüttet.



Einlass

Extrem freundliche Parkplatzanweiserinnen, die einem lächelnd „Viel Spaß“ wünschen und den Besucher vermuten lassen, dass man aus Versehen vielleicht doch auf der Jubiläumsveranstaltung „15 Jahre die Fallers feat. Bata Illic“ gelandet ist. Der familiäre Umgangston ist jedoch typisch fürs Blutbad, wie es sich im Laufe des Abends herausstellt.



Inneneinrichtung und Deko

Zum fünften Mal ist der beschauliche Naturpark Grütt in Lörrach Schauplatz einer beachtlichen Dezibelinvasion. Statt Omis im Rollator tigern am Samstag Metalheads aus Baden, der Schweiz und aus Frankreich um den Weidendom, unter dem auch die Bühne steht. „Im Biergarten sitzen, dummes Zeug erzählen und geiler Sound von nebenan“, so umschreibt ein Freiburger Fan die Faszination der Veranstaltung, während hinter ihm die Berentzenzwetschge kreist. Später, als es dunkel und kälter wird, wärmt man sich die Kutte am Schwedenfeuer.



Wer war da?

Metalfans aus Immenried im Allgäu, die gemäß heimatlicher Ortssitte Aldi-Spätburgunder aus ihren eigenen Holzpantoffeln trinken; Altrocker mit Knasttätowierungen und Aufnähern der Marke „89-93: 4 Jahre SC-Flaschenkinder“; der feinbemalte Blackmetal-Nachwuchs; Teilzeitwikinger mit Trinkhörnern; und nicht zu vergessen die dänischen Gute Laune-Rocker von Raunchy, die als Gimmick rosafarbene Aufblasgitarren in die Menge werfen; mit ihrem Rockwell-Cover „Somebody’s watching me“ schießen sie den Vogel ab.



Klangwaren-TÜV und Partyatmosphäre

Charakteristisch für „Baden in Blut“ ist die Nähe zwischen Bands und Publikum. Schon am Nachmittag tapern Darren Brookes und Peter Rew, die beiden Gitarristen der Headliner Benediction, lässig durch den Naturpark und lassen sich auf einige Schwätzchen mit den dankbaren Zuschauern ein.

Dieses Feeling setzt sich unmittelbar vor und auf der Bühne fort: Eine Absperrung existiert nicht, dementsprechend heftig wird gegen Ende gestagedived. Klar, dass der Trashbanger im Original Spätachtziger-Outfit (Hautenge Röhrenjeans, Jeansweste mit Aufnähern von Sacred Reich, Overkill, Tankard etc, Basketballstiefel, Pudelmähne) voll durchgeht und bei seinem Kopfüber-Sprung in die Wall of Death fast noch einen Bühnenspot mitreißt.



Catering und Getränke

Mantaplatte 4,50 €, Blauer Caipi 3,50 €, Steakweckle 3,50 €, lässiges Lasser 2,50 €

Auf dem Klo um halb elf

...hört man nur das Plätschern im Busch.



Aufregerle

Schade, dass Benediction nicht länger spielen dürfen, doch immerhin treten sie überhaupt auf, da es kurz vor Beginn ihrer Show noch Unstimmigkeiten wegen ihres Equipments gibt. Um Mitternacht ist Zapfenstreich und die freundlichen Riffkiller gehen wie immer mit „Subconscious Terror“ von der Bühne. Sänger Dave Hunt hat obendrein Geburtstag und wird von anhänglichen Stagedivern ausgiebig beglückwünscht.



Aufheiterle

...die Kieler Blackmetal-Band Endstille, bestehend aus Cruor – Bombenhagel, L.Wachtfels – Sturmgeschütz, Iblis – Propaganda und Mayhemic Destructor – Artillerie. Was diese Jungs bringen, ist purer Hass mit der Feuergeschwindigkeit eines MG42. Aber manchmal kippt die misanthropische Show ins Komische um, wenn Propagandist Iblis zwischen den Kreischattacken allzu wild mit der Zunge wedelt. Das verursacht schon massive Heiterkeit unter den anwesenden Hardcorefans. „Hör auf zu lachen, Alter!“, schimpft da L.Wachtfels in einer Spielpause und fixiert mit finsterem Blick einen Grinser.

Versöhnlich: nach dem Gig verteilt Wachtfels Patronen aus dem eigenen Gürtel an die treuesten der Treuen.



Abrechnung

Ausgewogenes Line-Up, angenehm wenig Paganquatsch mit Hopsasa und Tamburin, dafür gut 1000 glückliche Fans, die den beiden anwesenden Polizisten einen relaxten Abend bescheren. Kleiner Finger und Zeigefinger raus für die Metalmaniacs Markgräflerland, die das Festival mit unermüdlichem Einsatz gewuppt haben. Nächstes Jahr bitte Boltthrower als Headliner und die Zwangsversteigerten Doppelhaushälften im Vorprogramm!

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 [Fotos: Michael Reich & Nightlife Guru]