Nightlife-Guru: 20 Jahre Isle Of Innisfree

Nightlife-Guru

Keltische Volkstänze? Zaubertränke von Druiden? Fußballübertragung aus der nordirischen Kreisklasse? Unser Guru war gespannt, was ihn bei der Sause zum 20. Geburtstag des "Isle of Innisfree" erwarten würde. Und er wurde dicke überrascht:



An der Tür

Vor der Eingangstür zum Pub, im Untergeschoss der Atrium-Passage, hängen Rauchschwaden, abgestandener kalter Rauch (Yummy!), fein verwoben mit ständig neu emporsteigenden Schwaden, abgesondert von einem Herr von Nikotinjüngern. Sonst alles easy, keine Einlasskontrolle oder so was.

Inneneinrichtung & Deko

Das schöne, für Freiburger Verhältnisse halbwegs große und superzentral gelegene Gewölbe hat jetzt als Irish Pub 20 Jahre auf dem Buckel. Nach einer Renovierung vor wenigen Jahren erstrahlt es immer noch in ziemlich frischenGlanz.



Die Deko, immerhin gibt es eine, liegt im erwart- bis überschaubaren Bereich: Luftballons, Girlanden, Luftschlangen und die roten Weihnachtssterne, wie sie die Straßen in der oberen Altstadt zieren, baumeln von Wänden und Decken.

Vor der Theke ist eine Minibühne, 1 x 1 Meter, aufgebaut, die geradeso zwei Musikern Platz bietet, sofern sie weder Alphorn noch Piano noch Schlagzeug spielen.

Wer war da?

Der Altersschnitt ist gar nicht so leicht zu beziffern. Von blutjungen Partyflitzern und angeschuckerten Innenstadt-Hoppern um die 20 und darunter bis hin zur gestandenen, gesetzten Generation Ü60 ist alles vertreten.

Des Weiteren zu identifizieren: ausdauernde Trinker im mittleren Alter, immer wieder die Whiskey-Karte abfotografierende Pärchen, einige Youngster-Rudel aus dem Umland, die nur schnell, aber professionell – sie kennen die Laufwege – aufs Klo hüpfen und wie die Eicherprozessionsspinner aufgereiht wieder ab- und weiterziehen.

Die Girls haben draußen auf dem August vorgeglüht und huschen jetzt kurz zum Schönheitscheck und zum Boxenstopp auf die Toiletten. Auch im Bild: der gepiercte Pub-Kamerad mit den Espresso-Untertassen im Ohr sowie der nur pseudohippe Spät-Hipster der Altersklasse 40plus und weißer Plastik-Designerbrille.



Klangwaren-TÜV & Partyatmosphäre

Wie die Musik war? Laut. Zumindest die vom Band. Allerwelts-Pop. Doch kaum ist der Guru gelandet, wendet sich das Kleeblatt zum Besseren: Tom Bagge, der Chef höchstpersönlich, lässt es sich nicht nehmen, uns einen Platz im vollen Kellergewölbe zu suchen und bringt noch einen Extrastuhl.

Und schon entwickelt sich das Geschehen, das eigentlich nur zum Auf-dem-Absatz-wieder-Kehrtmachen animiert, zur gelungenen Sause: Eine langhaarige Blondine und ein aparter Gitarrist – der von Bernard Allison – gesellen sich auf die Bühne vorm Tresen und covern, was das Zeug hält. Und das hält erstaunlich gut, muss ich zugeben. „Seven Nation Army“ live im Duo. „Sweet Home Alabama.“ Den Leuten gefällt’s.

23:45 Uhr: Die Tanzmeute hat sich verdoppelt – innerhalb von nur einer Minute! Jetzt sind schon zwei am Hüftschwingen... Schwupps sind’s zehn.



Nach ein paar Songs kommt das Ü-Ei aus Luxemburg und stellt sich als Thierry vor. Er hat sich, sagt er, für die Schweiz mit zwei Liedern für den Eurovison Song Contest beworben, die wolle er nun zum Besten geben, erstmals. Die hat er nämlich noch nie live gesungen. Eine echte Premiere, live im Isle Of Innisfree. Der blonde und smarte Mittvierziger bringt mit viel Elan eine Art 80er-Popnummer rüber. Gute Stimme, extrem vorhersehbare Texte. „Who do you think you are?“, fragt er immer wieder ungeniert im Refrain. "Der Guru, Alter!", will ich ihm entgegenschleudern, lasse es dann aber doch. Aus Rücksicht.
Thierry fühlt sich anfangs etwas unsicher, geht aber ganz in seiner neuen Rolle auf. Wie bringt es eine kritische kroatische Freundin auf den Punkt: "I love the lyrics." Dann trällern ein paar Kids ihrer Freundin ein ungelenkes Geburtstagsständchen, rührend kurz. Die Tischnachbarin steht immer wieder auf, zuckt und singt laut mit. Die noch viel stimmgewaltigere und wahnsinnig textsichere Kroatin wendet sich vertrauensvoll an mich: "Did you arrange that?" Nee, ich war’s nicht. Sage ich mal. 

Catering & Getränke

„Also, es ging so: ich hing so tierisch angetrunken / In einer dieser irischen Spelunken./ Trank mindestens mein siebzehntes Guinness / Ich schätze, dass da wohl Alkohol drin ist.“ So schilderten es Fettes Brot mal, in ihren jungen (Brötchen-)Jahren, Anno 1996.

Den Klassiker der irischen Theke gibt es im Isle Of Innisfree für happige 4,40 Euro, im Pint-Format, versteht sich. Gleiches gilt für das ungleich süßlichere und süffigere Schwestergetränk Kilkenny. Das kleine 0,3-Bierchen ist für 3,10 Euro zu haben. Dafür gibt’s Schnitzel & Pommes für erstaunlich günstige 5,80 Euro sowie hausgemachte Burger für 6,50 (vegetarisch, mit Feta und so) und 7,50 Euro mit Lammhackfleisch.



Die Spezialität des Isle Of Innisfree ist natürlich der Whiskey – in allen sein Fass-etten oder Fass-Formen. Die Auswahl liegt locker im dreistelligen Bereich. Vom „Laphroig, 10 Jahre, 40%: mit kräftigen Torfnoten, phenolisch, Seetang und – kein Scherz! – Medizin mit einem Hauch Süße und Sherry“ von der Isle of Islay für 2,70 Euro bis hin zum „Bunnahabhain, 12 Jahre, 40%: reif und weich, Obstkuchen, einige Zitronenschalen und ein leichter Malzton“.

Auf dem Klo (um halb zwei)

Viel Betrieb. Auf der Klotür innen wirbt der Pub-Chef darum, den Laden bei Tripadvisor zu bewerten. Und: Sollte irgendetwas nicht in Ordnung sein, solle man sich an Tom wenden: „tall guy, grey hair“ schreibt er der Einfachheit halber dahinter.

 

Aufregerle

Es ist kaum nach Mitternacht, also gerade 9. November, und das erste Glas klirrt. In Anspielung an die gelungene Romantik-Nacht-Werbung eines Wellnesshotels stelle ich mir die Frage: Kristallweizen?

Aufheiterle

Erstes: Der einzige Heavy-Metals-Song wird angekündigt: Metallicas „Nothing else matters“. Eine Ballade, Schätzchen! Zweites: Das Duo besteht aus Lena Knobloch und Michael Goldschmidt und nennt sich, naheliegend, L&M. Nach elend langem Im-Publikum-Herumfragen löst die Sängerin das Ganze auf, weil – da kommt ja niemand drauf. Die Ansagen sind wie das Gewölbe: unterirdisch.



Fazit


Geiler Pub-Abend
mit Livemusik und Überraschungseffekten. Ich stelle mir vor: wie in Irland. Obendrein hervorragender Service. So eine Abendgestaltung hatte ich echt gar nicht auf der Rechnung.

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