Nicolas Sturm im Slow Club: Von Fangirls und Redebedarf

Julia Mungenast & Steffen Düll

Samstagabend im Slow Club: Auf der Bühne steht der Ex-Freiburger Nicolas Sturm mit Drummerbegleitung, davor Fangirls und kommunikationsbedürftige Konzertbesucher. Wie das Konzert des Omaha Records-Musikers war:



Fangirls sind pünktlich: Reichlich junge Frauen so zwischen 20 und 25 warten am Samstagabend im Slow Club darauf, dass das Konzert endlich los geht. Doch vor dem Sturm gibt’s um kurz vor zehn erstmal Godot aus Freiburg. Selbstdefiniton: Heulsusen-Songwriting.


Eigentlich ist Godot ein Quartett, aber Sänger Jonas Krainbring tritt heute alleine auf, seine Band steht im Publikum, summt, klatscht, jubelt ihm zu. Der Godot-Sound passt – auch in der abgespeckten Solo-Variante – gut zu Nicolas Sturm: selbstgeschriebene deutsche Texte zum Gitarrensound der Marke Omaha.

Und dann Nicolas Sturm, begleitet vom Klingen Ensemble. Etwas verlegen steht er mit seiner Gitarre auf der kleinen Slow Club-Bühne. Mit jedem Song taut das Publikum ein bisschen mehr auf: erst ist es ein Kopfnicken, dann ein Wippen mit dem Fuß, später Fingerschnipsen. Nicolas geht in der komplexen Dreierbeziehung zwischen ihm, seiner Gitarre und seiner Musik total auf.



Hinter Sturm steht das Klingen Ensemble auf der Bühne, das gar kein Ensemble ist, sondern nur ein weiterer Mann mit seinem Instrument: Jeremy Dhome am Schlagzeug. Der spielt konzentriert, mit geschlossenen Augen, kraftvoll und energiegeladen, stiehlt Sturm in so manchem Moment die Aufmerksamkeit. Das Publikum fordert Drum-Soli.

Nicolas Sturms Songauswahl ist gelungen: Er spielt unter anderem 'Nordpol', 'Windmühlen', 'Schiffbruch' und 'Löcher', außerdem auch 'Schön von hinten' von Stereo Total. Nicht nur die Fangirls, sondern so mancher Konzertbesucher steht mit geschlossenen Augen vor der Bühne, zuhörend, mitfühlend, die besondere Stimme Sturms genießend.

Der könnte vielleicht ein bisschen mehr mit dem Publikum reden, die Slow Club-Besucher scheinen kommunikationsbedürftig. Als Sturm nach 90 Minuten seinen letzten Song ankündigt, wünscht sich ein Florian im Publikum laut rufend den Song 'Zeche': "Das Lied hast du mir sogar mal gewidmet", sagt er, aber der Sänger kann sich nicht erinnern und ist ohnehin nicht auf das Lied vorbereitet. "Den Song kann ich euch ungeübt nicht antun.“ Schade. Doch auch ohne 'Zeche' ist der Abend gelungen. Und nach dem Konzert können die Kommunikationsbedürfnisse doch noch befriedigt werden: Sturm und Dhome bleiben im Club, reden, erzählen und feiern. Schön.