Nicht in Retrosoul abdriften: Robert Summerfield von Robb im Interview

Bernhard Amelung

Soulsänger Robert Summerfield ist Fan von Anderson.Paak und veröffentlicht 2017 sein Debütalbum. Am Samstag tritt er mit Fatcat in der Mensabar auf. Im Interview spricht er über seine Wahlheimat Wien und verrät, was schöner als Songwriting ist.

Das Video zu deinem Song "Goldmind" beginnt mit den Worten "Go for the drive of your life". Was meinst du damit?
Robb: Das Video ist mehr oder weniger spontan entstanden. Da stecken gar nicht so viele Gedanken dahinter. Wir haben auch nicht darauf gebaut, dass jemand diesen Satz lesen wird, denn die Aufnahmen sind schnell geschnitten.


Wo habt ihr gedreht?
Robb: Wir waren im Gameroom von Union Flippersportverein Austria, dem größten österreichischen Pinball-Verein. Der steht voll mit großartigen Flipper-Automaten aus den Achtzigerjahren. Einige Mitglieder des Vereins haben im Video mitgespielt. (Mit Roland Schwarz und Markus Stix zwei der bekanntesten Flipper-Spieler Österreichs, d. Red.)

Apropos Österreich. Aktuell lebst du in Wien, aufgewachsen bist du aber in Münster und in Chicago. Welche Bindung besteht zu diesen drei Städten?
Robb: Ein Teil meiner Familie lebt in Chicago. Ein Teil meiner Familie kommt aus Münster, und von der Mentalität her bin ich ein ziemlich deutscher Typ. Wien verkörpert für mich die Familie, die ich mir selbst gewählt habe. Hier lebe und arbeite ich.



Dem Klischee zufolge gilt der Wiener ja als Grantler...
Robb: Ich denke, in jeder Großstadt wird man auf Neurotiker und Grantler treffen. Vielleicht trifft man in den Kaffeehäusern in Wien auf mehr grantelnde Kellner als andernorts. Doch das ist sicher auch eine Art von Performance, die von ihnen erwartet wird, und dann sind sie professionell genug, um das durchzuziehen. Ich aber erlebe das nicht.

Ist 2016 ein gutes Jahr für Soul?
Robb: Ich denke, diese Frage kann man in jedem Jahr stellen. Man sollte eher darüber nachdenken, wo, also in welcher Stadt, in welchem Land, es gerade interessant ist, Soulmusiker zu sein. Das ist in Deutschland gerade der Fall. Es findet viel Soulmusik statt, auch Musik, die vielleicht nicht als solche gelabelt wird, in deren Songs aber trotzdem viel Soul steckt.

Musiker wie Anderson.Paak, Kamasi Washington und Michael Kiwanuka liegen aktuell hoch im Kurs. Wie erklärst du dir das?
Robb: Das liegt an der Spielfreude, die diese Künstler mitbringen. Sie gehen gehen gerne raus, treten vor Publikum und lieben es, ihre Musik zu spielen. Anderson.Paak habe ich vor etwa einem halben Jahr in Wien gehört. Sein Auftritt war eines der besten Konzerte, die ich bisher erlebt habe.

Was hat deine Liebe zu dieser Musik ausgelöst?
Robb: Mein Vater ist großer Fan von klassischem Blues und Soul, wie er aus Chicago kommt. Diese Musik hat er mir vorgespielt, da war ich noch ein Kind. Ich würde sagen, das war durchaus meine musikalische Früherziehung.

Du verbindest Soul allerdings mit elektronischen Elementen.
Robb: Ich finde es spannend, analoge Musik mit einer elektronischen Komponente zu verbinden. Schließlich wollen wir nicht in eine Art Retrosoul abdriften. Das wäre künstlich. Ich habe den Anspruch, Kontraste zu schaffen. Umsetzen möchte ich meine Songs allerdings ausschließlich live, mit Musikern, mit einer Band.

Das klingt sehr durchdacht, nach Konzept. Wieviel Spontanität steckt in deinen Songs?
Robb: Der Produktionsprozess beginnt früh, eigentlich schon mit dem Songwriting. Ich überlege mir genau, wo man elektronische Elemente einsetzen könnte, wo Platz zu lassen ist, für andere kompositorische Elemente. Die Spontanität entsteht, wenn wir mit unseren Songs final ins Aufnahmestudio gehen. Da setzen wir die Skizzen live um, quasi nackt, und dabei entstehen extrem viele kleine Sachen.

2017 soll euer Debütalbum erscheinen. Was habt ihr bei der Produktion anders gemacht als bei euren EPs?
Robb: Wir haben viel daran selbst gemacht. Wir haben uns in den vergangenen zweieinhalb Jahre auch Producer-Skills angeeignet, Produktionsprozesse und Workflows entwickelt. Das kommt uns jetzt zu Gute. Wir konnten unsere Vorstellungen vom Klang nahezu selbst umsetzen. Nur für den Feinschliff am Ende haben wir uns zwei externe Produzenten ins Team geholt. So schön der Produktionsprozess jedoch ist, gibt es nichts Schöneres, als auf der Bühne zu stehen und die Songs live zu spielen.


  • Was: Robb & Fatcat
  • Wann: Samstag, 26. November 2016, 21 Uhr
  • Wo: Mensa Rempartstraße

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