Neueröffnung: Der Bierdelikatessen-Laden "Bierhandlung" im Stühlinger

Marius Buhl

Wenn ein Freiburger einen Feinschmecker-Wein kaufen will - dann geht er in eine Weinhandlung. Wenn ein Freiburger ein Feinschmecker-Bier kaufen will - dann kann er seit November in Freiburgs erste Bierhandlung im Stühlinger gehen. Dort gibt es IPAs, Geuze-Biere, Trappisten - und eine intensive Bier-Beratung:



Der Laden

Als die Anwohner des Stühlinger Kirchplatzes zum ersten Mal von der Idee des verrückten Belgiers hörten, hatten sie Angst. Denn dort, wo Alkohol die Wurzel vieler Probleme ist, wollte dieser Belgier eine Bierhandlung eröffnen. Eine Bierhandlung. Am Stühli.

Doch Thomas de Ridder, der verrückte Belgier, hatte ein Argument. Er sagte: "Wir verkaufen hier keinen Nachschub für Spritler. Wir sind ein Delikatessengeschäft." Und falls sich doch mal einer in seinen Laden verirre, würden die Preise diesen schon abschrecken.

Steht man heute in Thomas de Ridders Bierhandlung, kann man durch die Scheiben das Treiben auf dem Kirchplatz beobachten. Da werden Drogen getickt, da wird gegrölt, gelacht - und Bier getrunken. Aber keiner der Kirchplatz-Bewohner hat ein Geuze in der Hand. Oder ein India Pale Ale. Oder ein Chimay Bleu.

Ambiente



Regale, Verkaufstresen, Sitzecke, Lampen: All das hat Thomas de Ridder selbst zusammen gebaut, zusammen mit seiner Freundin Anja Sachs. Wochenlang sind sie von Bauern- zu Recyclinghof gezogen, haben Holzbohlen, Metall und Betonplatten gesammelt - und diese dann im Laden verschraubt. "Es ist doch verrückt, was mit dem alten Zeug alles möglich ist", sagt Anja Sachs und deutet auf die Lampen, die von der Decke baumeln. Aus alten Glasflaschen hat sie diese fast selbst gebaut. "Na gut, ein Elektriker war dann schon noch nötig, um die Dinger anzuschließen".

Besonders groß ist die Bierhandlung nicht, etwas fünf auf fünf Meter misst der Raum. Die Wände sind gesäumt von massiven Regalen, darin lagern die Biere. Es gibt ein Regal für die Geuze-Biere, eines für die Trappisten - und eines für die Touristen. "Diese Reihe hier unten", sagt Thomas de Ridder und zeigt auf ein Regalbrett, "ist nicht besonders hochwertig. Aber es sind internationale Klassiker, die der Urlauber kennt: Super-Bock aus Portugal, Singha aus Thailand, Mongozo aus Holland.

Das Bier

Bevor Thomas de Ridder zu einem unfassbar schnellen, unfassbar detailreichen Monolog über Biersorten ansetzt, macht er etwas klar. "Vom Begriff 'Craft Beer' halte ich nicht viel. Was soll das sein? Nennen wir es doch einfach 'Special Beer'." Und mit 'Special Beer' meint der Belgier Bier aus Mikrobrauereien, häufig obergärig gebraut, sogenannte Ales.

Bekanntestes, weil gehyptestes Beispiel: das India Pale Ale. Dieses obergärig gebraute Bier ist ein Produkt der Weltgeschichte, gebraut haben es ursprünglich die Briten. Die mussten damals ihre Landsleute in der indischen Kolonie mit Bier versorgen. Da es den Suez-Kanal noch nicht gab, schifften sie das Bier von Großbritannien rund ums "Kap der guten Hoffnung" einmal um die halbe Welt. Damit das Bier bis Indien haltbar blieb, hopften die Engländer das Bier stärker und erhöhten den Alkoholgehalt. In Indien wurde das Bier dann mit Wasser verdünnt.

Mit der Industrialisierung wurde das India Pale Ale verdrängt. Es dauerte bis in die 90er Jahre, bis amerikanische Kleinstbrauer das India Pale Ale wieder entdeckten - und unverdünnt zum Verkauf boten. Heute brauen Mikrobrauereien rund um den Globus wieder India Pale Ale, in Freiburg zum Beispiel das Braukollektiv.

Eine Auswahl der Indian Pale Ales steht nun auch bei Thomas de Ridder im Laden. Anchor IPA, Vedett IPA und das angeblich beste IPA aus Deutschland: das Amarsi des BrauKunstKellers aus dem Odenwald.



Doch das ist nicht alles, im Gegenteil. "Die wahren Schätze stehen hier oben", sagt de Ridder und zeigt auf das oberste Fach seines selbstgezimmerten Holzregals. "Es sind die Trappisten."

Der Trappisten-Orden ist ein belgischer Mönchs-Orden. Trappisten-Biere müssen unter Aufsicht der Trappisten-Mönche gebraut werden, der Erlös für die Biere geht an soziale Einrichtungen. "Trappist" ist noch immer ein Gütesiegel, die "Trappisten" gelten als die besten Biere der Welt.

Will man von Thomas de Ridder wissen, welche Biere er selbst empfiehlt, wechselt er aber die Raumseite - zu den Geuze- und den Lambic-Bieren. Diese spontangegärten Biere sind die Champagner unter den Hopfengetränken, sie lagern meist zwei jahre und enthalten Bakterien, die dem Bier seine besonders säuerliche Note geben. Ihr Kohlensäure-Gehalt kann so immens groß werden, dass die Flaschen beim Lagern explodieren. "Ein Feinschmecker-Bier, nichts für den ungeübten Gaumen", sagt Thomas.

Zu seinen Lieblingsbieren zählen aber auch die regionalen Anbieter: die IPAs vom Braukollektiv, das Tripel vom Vörstetter Craft-Pioneer Martin Walschebauer und dessen Biermanufaktur "Schwarzwald Gold" und - ganz neu - das "Malt and Hops" vom Grethergelände. Besonders Freiburgs Exil-Amerikaner mögen die regionalen Biere. Sie wissen: Regional bedeutet frisch, bei obergärigen Ales ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Die Betreiber


Thomas de Ridder (rechts im Bild) bei einem Kundengespräch

Thomas de Ridder (33) und seine Freundin Anja Sachs (36) sind vor vier bis fünf Jahren nach Freiburg gezogen, davor wohnten sie in Berlin. Dort schmiss Thomas das Pörx, Berlins beste Kneipe von 2005 bis 2008, wenn man dem Stadtmagazin Zitty glaubt. Nebenher importierte er über den Bierhändler bierlinie.de gutes Bier nach Deutschland. Als seine Freundin dann aber einen Job beim Öko-Institut in Merzhausen bekam, zog er mit ihr nach Freiburg. Auf dem Craftival, Freiburgs Craft-Beer-Festival, hatte er schließlich die Idee von der eigenen Bierhandlung. Nun ist es soweit.

Kontakt

Die Bierhandlung
Wannerstraße 3
79106 Freiburg
Tel: 0761/51690087

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag:
11 Uhr bis 13 Uhr 30
15 Uhr 30 bis 19 Uhr

Samstag:
10 bis 14 Uhr

Mehr dazu:

 

Fotogalerie: Marius Buhl, Noah Zehnle


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